Essay:Verbannt: das unerwünschte Schrifttum

Wirkungsgeschichte · Literatur · 8 Werke
Zensur


Die Nacht vom 10. Mai 1933 war Feuer. Was danach kam und länger dauerte, war Verwaltung: die Listen des schädlichen und unerwünschten Schrifttums, nach denen Buchhandel, Bibliotheken und Polizei arbeiteten. Ungefähr fünftausend Titel, tausend Verfasser, erschlossen in der Datenbank Verbrannte und Verbannte (CC-BY, verknüpfte Normdaten CC0). Dieser Essay nennt acht Werke, die auf diesen Listen schwer wogen und in der Bookpedia ein Gesicht haben. Es ist keine Rangliste und keine zweite Verbrennung. Ein Verfasser steht nur mit einem Buch. Die Nachbarschaft ist der Essay zu den Büchern der Verbrennung 1933 und Ausgesondert nach 1945: dort die Nacht, hier das Amt, danach die umgekehrte Reinigung.

Die Kennzeichnung ist verboten: Veröffentlichung und Verbreitung rechtlich untersagt, ohne dass jedes Exemplar auf einem Marktplatz verbrannt worden sein muss. Die 1933 verbrannten Bücher und die später amtlich geführten Bestände sind keine deckungsgleichen Mengen. Remarque, Freud, Döblin, Kafka, Thomas Mann, Brecht, Kästners Emil, Hesse, Fallada haben den anderen Essay. Hier stehen der erwachsene Kästner, Keun, Marx, Seghers, Zweig, Feuchtwanger, Werfel, Klaus Mann. Tucholsky fehlt als eigener Abschnitt, weil der Artikel fehlt; die Lücke ist benannt. Quelle ist die Datenbank und die zeitgenössische Liste, nicht die Wikipedia-Seite zu den Bücherverbrennungen.

Kästner hat 1931 den Moralisten Jakob Fabian durch Berliner Kneipen, Ateliers und Arbeitsämter geschickt, bis die Anständigkeit nicht siegt. Der Verlag strich erotische Stellen; der gewünschte Titel lautete Der Gang vor die Hunde. Die Listen haben Kästner als Asphaltliteraten und Pazifisten geführt; Fabian galt als unzüchtig, Emil und die Detektive brannte in derselben Logik als urbane Kindheit. Gegen den Kinderdetektiv des anderen Essays setzt dieser Abschnitt den Erwachsenen, der zusieht, wie Nationalsozialisten und Kommunisten auf der Straße aufeinanderprallen, und nicht weiß, wem die Anständigkeit noch nützen soll. Kästner hat die Verbrennung in Berlin selbst gesehen. Das Verbot hat den Zerrspiegel nicht aus der Welt geschafft; es hat ihn zum Beweis gemacht, dass die Republik eine unheroische Prosa hatte.

Keun hat 1932 Doris das Berlin der Kunstseide schreiben lassen: Glanz, den man leiht, Herren, die man verliert, die Gartenlaube am Ende. Die Listen führten Keun als zersetzend; Übersetzungen lagen 1933 schon vor. Gegen Kästners Fabian, der moralisch zusieht, setzt Doris die Stimme, die den Aufstieg anprobiert und den Niedergang nicht ankündigt. Nach Mitternacht bleibt das andere Buch derselben Verfasserin, näher an 1933; hier zählt das kunstseidene Mädchen, weil die Listen die Angestellte trafen, die kein Schatten bleiben wollte. Keun ging ins Exil und später unter falschem Namen zurück. Das Verbot hat die Stimme nicht gelöscht, es hat sie aus den Schaufenstern geholt.

Marx hat 1867 die Ware, den Mehrwert und den Fetisch so auseinandergelegt, dass die bürgerliche Gesellschaft ihre Natur verlor. Der kirchliche Index hat dasselbe Buch als Lehre gegen das Eigentum geführt; das ist ein anderes Ereignis und hat den eigenen Abschnitt bei den Büchern, die auf dem Index standen. Hier zählt die nationalsozialistische Liste, die Marx als Weltfeind brauchte, nicht als Ökonomen. Gegen Keuns Roman setzt das Kapital die Rechnung. Die Verbote haben das Buch in den Arbeitervereinen nicht erstickt, sie haben es zur geheimen Lektüre gemacht, oft ohne den ersten Band zu Ende. Wer 1933 nur Romane verbot, hätte die Lehre stehen lassen, gegen die sich die Partei als Gegenrevolution verstand.

Seghers hat im mexikanischen Exil den Roman geschrieben, in dem sieben Häftlinge fliehen und eines der sieben Kreuze leer bleibt. 1942 erschien er auf Deutsch und Englisch, während die Lager noch standen. Die Listen haben die Kommunistin und Jüdin als Feind geführt; das Buch selbst ist die Behauptung, dass die Macht nicht lückenlos ist, solange einer entkommt. Gegen Remarques Graben des anderen Essays setzt Seghers das Lager als Gegenwart, nicht als Erinnerung. Nach 1945 wurde sie im Osten zur Nationalautorin. Hier zählt das Exilbuch, das der Staat, den es erzählt, nicht haben wollte, bevor er unterging.

Zweig hat 1942 im brasilianischen Exil die Novelle geschrieben, in der das Denken unter der Folter zerbricht: Gestapo, Einzelhaft, das Brett, auf dem ein Mann gegen sich selbst spielt. Die Listen haben Zweig als jüdischen und pazifistischen Autor geführt, lange bevor diese letzte Prosa da war; die Verbannung traf den Namen, mit dem Namen das Werk. Gegen Seghers’ Netz der Helfer setzt Zweig den einzelnen Kopf, den die Haft zerreibt. Er hat sich in Petrópolis das Leben genommen. Das Verbot hat den Humanisten aus den deutschen Buchhandlungen geholt, der in denselben Handlungen als Hausautor des Abendlandes zurückkehrte, sobald der Staat weg war.

Feuchtwanger hat 1925 den württembergischen Hoffaktor Joseph Süß Oppenheimer als Studie über Macht, Geld und Anpassung erzählt, nicht als Schmähschrift. Die Listen haben den Roman verboten. Der nationalsozialistische Film gleichen Titels hat den Namen gestohlen und die Richtung umgedreht; verboten war Feuchtwangers Buch, nicht Harlans Hetze. Gegen Chamberlains vornehme Rassenlehre, die nach 1945 ausgesondert wurde, setzt dieser Abschnitt den historischen Roman, den die Listen als jüdisch und zersetzend führten. Wer den Film für die Vorlage hält, hat das Verbot nicht verstanden: Es traf den Text, der den Sündenbock analysiert, und schonte die Fassung, die ihn herstellt.

Werfel hat 1933 den historischen Roman vom armenischen Widerstand auf dem Musa Dağı vorgelegt, in dem Jahr, in dem in Deutschland die Bücher brannten. Die Listen haben Werfel als jüdischen Autor geführt; das Buch selbst erzählt, was Staaten mit Völkern tun, und kam zu spät, um die Toten von 1915 zu retten. Gegen Feuchtwangers Hofjuden setzt Werfel den Berg am Mittelmeer. Die türkische Politik hat den Roman lange bekämpft; die deutsche Liste hat ihn als unerwünscht geführt, weil der Verfasser unerwünscht war. Wer 1933 nur undeutsche Asphaltliteratur verbot und diesen Berg stehen ließ, hätte die Zeugenschaft nicht getroffen, die den neuen Staat als Wiederholung lesbar machte.

Klaus Mann hat 1939 den Roman unter Emigranten geschrieben: Paris, die Hotels, die Hoffnung, die zerbricht, der Vulkan, auf dem die Vertriebenen tanzen. Die Listen haben den Sohn Thomas Manns und den Homosexuellen geführt; Mephisto ist das andere Buch und hat den eigenen Abschnitt in der Bundesrepublik, weil dort ein Gericht das Persönlichkeitsrecht gegen die Kunstfreiheit setzte. Hier zählt der Vulkan, weil die Verbannung das Exilbuch meinte, das Deutschland von außen erzählte, während Deutschland solche Bücher nicht wollte. Gegen Zweigs einzelnen Kopf setzt Mann die Gruppe der Vertriebenen. Das Verbot hat die Emigration nicht ungeschehen gemacht; es hat sie aus den deutschen Regalen gehalten.

Was diese Bücher zusammenhalten

Moralist, Kunstseide, Kapital, leeres Kreuz, Schachbrett, Hofjude, armenischer Berg, Vulkan: Die Listen nach der Nacht haben Namen geführt, nicht nur Stöße für den 10. Mai. Tucholskys Deutschland, Deutschland über alles, Ossietzky, Toller fehlen als eigene Abschnitte. Die Lücken sind benannt. Die Verbrennung hatte einen Termin; die Verbannung hatte Jahre und Ämter. Wer nach diesen acht Werken die Nacht und die Liste in einem Satz nennt, hat zwei Ereignisse zu einem gemacht – und genau das wollte die Verwaltung, die aus dem Feuer eine Dauer machte.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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