Das kunstseidene Mädchen
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Das kunstseidene Mädchen |
| Autor(en): | Irmgard Keun |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | dtv |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1932 |
| Seitenanzahl: | 139 Seiten |
| Originaltitel: | Das kunstseidene Mädchen |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3423110333 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783423110334 |
| Schlagwörter: | Berlin, Aufstieg, Glanz, Niedergang |
| Sachgebiete: | Roman |
| Rezensionen | |
Das kunstseidene Mädchen ist der 1932 in Berlin erschienene Zeitroman von Irmgard Keun. Die achtzehnjährige Doris schreibt, undatiert und fortlaufend, ein Tagebuch im Ton der Stummfilmdrehbücher, zuerst in einer rheinischen Stadt, dann in Berlin, vom Sommer 1931 bis zum Frühjahr 1932. Sie will ein Glanz werden, kein Schatten, und trägt Kunstseide, die nach sieben Küssen zerknittert. Keun hat der Neuen Sachlichkeit eine Stimme gegeben, die nicht reportiert, sondern hinter die Syntax der Wunschbilder kommt. 1933 schon lagen Übersetzungen ins Dänische, Englische, Französische, Russische und Ungarische vor.
Inhalt
Doris stammt aus einfachen Verhältnissen, arbeitet als Stenotypistin und verliert die Stelle, weil sie die Annäherung des Vorgesetzten zurückweist. Die Mutter, Garderobiere am Theater, vermittelt eine Statistenrolle. Um Anerkennung zu erlangen, erfindet Doris eine Affäre mit dem Theaterdirektor; die Lüge droht aufzufliegen, weil das Personal redet und der Direktor sie nicht deckt. Sie »leiht« sich einen Pelzmantel aus der Garderobe und bringt ihn nicht zurück. Aus Angst vor Strafe flieht sie nach Berlin, wo niemand sie kennt und alles möglich scheint.
In Berlin hält sie sich mit wechselnden Männern über Wasser, die ihr vorübergehend Hotels, Essen und das Gefühl von Luxus verschaffen. Besitz und Unterkunft gehen wieder verloren. Eine freundschaftliche Bindung an einen blinden Nachbarn endet, als die Frau ihn in ein Heim gibt. Eine Zeit lang lebt Doris mit dem Großindustriellen Alexander in Wohlstand, bis er verhaftet wird. In der Not nimmt der Angestellte Ernst sie ohne Gegenleistung auf. Sie führt den Haushalt, zwischen ihnen entsteht eine vorsichtige Zuneigung. Doris erkennt, dass Ernst noch an der früheren Frau hängt, sucht diese und führt die beiden wieder zusammen, obwohl sie weiß, dass die Frau vor allem des Geldes wegen zurückkehrt. Ernst, glaubt sie, wird so glücklicher sein als mit ihr.
Am Ende ist Doris wieder ohne Geld und ohne Wohnung. Sie nimmt das frühere Angebot des Hausierers Karl an, bei ihm in einer Gartenlaube zu wohnen – ein Leben in bescheidenen Verhältnissen, das sie zuvor als Niederlage abgelehnt hat. Der Roman schließt nicht mit dem Aufstieg zur gefeierten Persönlichkeit, den Doris sich als Film vorgestellt hat, sondern mit der Einsicht, dass Glanz leihen sich lässt und nicht hält. Die Sprache bleibt schnell, falsch und genau: Doris schreibt, wie sie gesehen werden will, und verrät dabei, was sie sieht.
Einordnung
Keun steht neben Marieluise Fleißer und Gabriele Tergit unter den schreibenden Frauen am Ende der Weimarer Republik, die Zerstreuung ernst nehmen, ohne sie zu verklären. Doris erinnert an Kunstseide, billig glänzend, schnell zerknittert; der Titel ist keine Metapher, die über dem Text schwebt, sondern das Material, aus dem die Figur sich macht. Julien Duvivier verfilmte den Stoff 1959 mit Giulietta Masina; Bühnenfassungen, Chanson-Musicals und Hörspiele haben die Stimme weitergetragen. Nach 1933 war Keun im nationalsozialistischen Deutschland unerwünscht.
Wer nach 1932 Berlin als Bühne eines Mädchens erzählt, das nicht proletarisch klagen und nicht bürgerlich heiraten will, sondern gesehen werden, erzählt hinter Doris, auch dann, wenn er ihren Ton für leicht hält. Die Leichtigkeit ist die Härte. Kein Erzähler korrigiert sie, keine Moral schließt das Heft. Die Gartenlaube am Ende ist keine Idylle, sondern der Ort, an dem der Film aufhört und das Leben in der Krise weitergeht, ohne Beleuchtung.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
