Nach Mitternacht
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Nach Mitternacht |
| Autor(en): | Irmgard Keun |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Ullstein |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1937 |
| Seitenanzahl: | 192 Seiten |
| Originaltitel: | Nach Mitternacht |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3548068979 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783548068978 |
| Schlagwörter: | Frankfurt, Denunziation, Exil, Alltag |
| Sachgebiete: | Roman |
| Rezensionen | |
Nach Mitternacht ist ein Roman von Irmgard Keun, 1937 im Amsterdamer Querido-Verlag erschienen, geschrieben im Exil. Er spielt in Frankfurt am Main 1936, an einem Tag, an dem Hitler die Stadt besucht und die Menschen auf den Opernplatz strömen. Keun erzählt den Nationalsozialismus nicht von der großen Bühne, sondern von der Tante, dem Verlobten, dem Denunzianten im Zigarettenladen. Der Ton ist leicht, fast kess, und genau darin liegt die Schärfe: Die Ich-Erzählerin sieht, ohne zu predigen. Das Buch gehört neben Das kunstseidene Mädchen zu Keuns wichtigsten Arbeiten und zu den klarsten Alltagsromanen des Exils.
Inhalt
Die neunzehnjährige Susanne Moder, genannt Sanna, wartet in Frankfurt auf ein Lebenszeichen des Verlobten Franz. Gemeinsam wollten sie einen Zigarettenladen aufmachen; dann wurde Franz an die Geheime Staatspolizei verraten, hat den Denunzianten – den Ladenbesitzer – umgebracht und muss untertauchen. Sanna wohnt bei der Tante Adelheid, die das neue Reich mitmacht, wo es ihr nützt, und bei Verwandten, die den Führer sehen wollen, als käme ein Fest. Der Schriftsteller Algin, Sannas Bruder, laviert zwischen Anpassung und Ekel; die Freundin Liska feiert, flieht in Männer und Alkohol, weil die Zeit keine andere Helligkeit lässt. Keun führt die Stimmen so, dass jede denunziert, ohne es immer zu merken: ein Witz, ein Brief, ein Blick aus dem Fenster.
Hitler kommt. Die Menge steht, Sanna steht mit, und die Begeisterung um sie herum ist echt, dumm und gefährlich zugleich. Franz taucht auf; die beiden haben Stunden, keine Zukunft in der Stadt. Sanna begreift, dass Bleiben Denunziation bedeutet und Gehen den Abschied von allem, was noch Alltag hieß. Die Tante, die Nachbarn, der Block – Keun zeigt das Reich als Wohnküche, nicht als Aufmarsch allein. Wer spricht, kann verraten; wer schweigt, verrät anders. Sanna ist keine Heldin der Illegalität, sie ist eine junge Frau, die liebt, Angst hat und den Satz versteht, dass nach Mitternacht die Züge gehen.
Kurz vor Mitternacht entscheidet sie sich, mit Franz zu fliehen. Der Roman endet nicht mit der sicheren Ankunft im Ausland, sondern mit dem Schritt aus der Stadt, die denselben Tag als Triumph feiert. Keun hat keine Bekehrungsgeschichte geschrieben: Die Mitläufer bleiben Mitläufer, die Begeisterten bleiben begeistert, Algin bleibt der Schriftsteller, der nicht weiß, ob er noch schreiben darf. Sannas Blick trägt das Buch. Sie urteilt, indem sie erzählt, und sie erzählt, indem sie die Kleinigkeiten festhält – das Kleid, den Platz, den Laden, die Tante –, aus denen die Gewalt besteht, wenn man sie nicht mehr Große Politik nennt.
Einordnung
Keun hat den Nationalsozialismus als Gerücht, als Fest und als Wohnungsfrage geschrieben, näher bei der Straße als bei der Essayistik. Der Vergleich mit Jugend ohne Gott von Ödön von Horváth und mit Fabian von Erich Kästner liegt nahe: dieselbe Zeit, dieselbe Leichtigkeit, die keine Leichtfertigkeit ist. Horváth nimmt den Lehrer, Kästner den Moralisten, Keun die Nichte. Das Buch erschien im Exil und wurde in Deutschland erst spät wieder selbstverständlich gelesen. Es ist kurz und voller Stimmen; wer Länge mit Gewicht verwechselt, unterschätzt es.
Die Wiederentdeckung Keuns in den siebziger Jahren hat Nach Mitternacht neben das kunstseidene Mädchen gestellt, ohne die Unterschiede zu tilgen: Dort die Aufsteigerin der späten Weimarer Jahre, hier die Frau, die geht, weil Bleiben tödlich ist. Verfilmungen und Bühnenfassungen haben den Opernplatz oft zum Bild gemacht; der Roman bleibt bei Sanna. Die Ullstein-Ausgabe hält den Text greifbar. Er ist ein Alltagsbuch der Diktatur, geschrieben von einer Autorin, die wusste, wovon sie sprach, weil sie selbst gegangen war – und später illegal zurückkehrte. Nach Mitternacht fährt der Zug; der Satz gilt wörtlich.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
