Fabian
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Fabian |
| Autor(en): | Erich Kästner |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | dtv |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1931 |
| Seitenanzahl: | 263 Seiten |
| Originaltitel: | Fabian. Die Geschichte eines Moralisten |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3423195215 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783423195218 |
| Schlagwörter: | Berlin, Endzeit, Moral, Arbeitslosigkeit |
| Sachgebiete: | Roman |
| Rezensionen | |
Fabian. Die Geschichte eines Moralisten von Erich Kästner erschien 1931 bei der Deutschen Verlags-Anstalt, gekürzt um erotische und anstößige Stellen, die der Verlag fürchtete. Der von Kästner gewünschte Titel lautete Der Gang vor die Hunde; erst 2013 kam die ungekürzte Fassung unter diesem Namen heraus. Jakob Fabian, promovierter Germanist und Werbetexter in Berlin, wartet auf den Sieg der Anständigkeit und sieht stattdessen Kneipen, Ateliers, Arbeitsämter und die Straße, auf der Nationalsozialisten und Kommunisten aufeinanderprallen. Kästner, selbst aus Dresden nach Berlin gekommen, hält der Stadt einen Zerrspiegel vor, nicht einen Spiegel, wie er später schrieb. 1933 verbrannten die Nationalsozialisten seine Bücher; Fabian galt ihnen als unzüchtig.
Inhalt
Fabian treibt nachts durch Bordelle und Keller, ironisch, zärtlich, ohne mitzuschwimmen. Tagsüber schreibt er Reklame, bis man ihn entlässt und einem Kollegen seine Einfälle honoriert. Der Studienfreund Stephan Labude, vermögend, habilitiert über Lessing, glaubt an die Besserung der Menschheit; Fabian glaubt nur an die Besserung seiner selbst und verliert auch diesen Glauben. Im Atelier begegnet er der Juristin Cornelia Battenberg, die Männern misstraut; zwischen beiden entsteht Liebe, Fabian fasst Ehrgeiz. Cornelia will zum Film, geht ohne Absprache ein Verhältnis mit einem Produzenten ein und erklärt das als Opfer für beide. Fabian löst die Bindung. Labude erschießt sich, weil ein Assistent ihm fälschlich die Ablehnung der Habilitation gemeldet hat; die Arbeit war angenommen.
Fabian verlässt Berlin, kehrt zu Mutter nach Dresden zurück, lehnt eine Stelle bei einer rechten Zeitung ab. Beim Versuch, einen Jungen aus dem Fluss zu ziehen, ertrinkt er; der Junge kann schwimmen, Fabian nicht. Der Tod ist keine Heldentat und keine Strafe, sondern die letzte Konsequenz eines Mannes, der sich ins Wasser wirft, obwohl er weiß, dass er nicht schwimmen kann. Dazwischen stehen Irene Moll und andere Frauen der Nacht, Erfinder, Arbeitslose, die Politik der Straße. Kästner montiert Szenen, Schlagzeilen, Dialoge; die Neue Sachlichkeit liefert den Ton, die Moral den Widerspruch. Fabian richtet nicht mit dem Finger, er kommentiert und versagt beim Mitmachen.
Die gestrichenen Passagen der Erstausgabe betrafen unter anderem den Chef, der Stenotypistinnen über den Schreibtisch legt, und körperliche Deutlichkeit, die keine Schaulust ist, sondern Proportion. Kästner wollte die Erotik der Stadt so groß zeigen, wie sie im Leben war. In der Weltbühne wehrte er sich gegen Sittenrichter. Der Roman bleibt komisch, wo er grausam ist, und sentimental, wo Fabian die Mutter und Cornelia nicht halten kann. Dresden am Ende ist keine Idylle; es ist der Ort, an dem der Moralist noch einmal nein sagt und dann untergeht.
Einordnung
Neben Berlin Alexanderplatz steht hier ein anderes Ende der Weimarer Republik: nicht Franz Biberkopfs Montage, sondern der Werbetexter, der anständig bleiben will und keine Stelle dafür findet. Kästner hat gewarnt, der Titel vom Gang vor die Hunde sollte auf dem Umschlag stehen. Die Bücherverbrennung hat die Warnung bestätigt. Wolf Gremms Film von 1980 und Dominik Grafs Fabian oder Der Gang vor die Hunde von 2021 haben den Stoff zurückgeholt; Graf arbeitet mit der ungekürzten Fassung und mit der Atemlosigkeit der Stadt. Theater, von Castorf bis in die Stadttheater, halten Fabian als Bild der Endzeit.
Wer Kästner nur als Kinderautor von Emil und die Detektive kennt, trifft hier den Erwachsenen, der nicht tröstet. Der Moralist ist lächerlich und nötig; sein Tod im Fluss trifft fast wie ein Schlusssatz, und er sitzt. Die ungekürzte Ausgabe macht sichtbar, was 1931 schon zu viel war: nicht die Politik, die Körper. Beides gehört im Berlin vor 1933 zusammen. Wer nach der Republik fragt, die sich selbst nicht mehr glaubte, findet in Fabian den Zeugen, der nicht kämpft und nicht mitläuft und deshalb untergeht.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
