Das entfesselte Jahrzehnt. Sound und Geist der 70er
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Das entfesselte Jahrzehnt. Sound und Geist der 70er |
| Autor(en): | Jens Balzer
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| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 2019 |
| Schlagwörter: | Disco, Punk, RAF, Lebensformen |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Geschichte |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Rowohlt
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| Umfang dieser Ausgabe: | 432 Seiten |
| ISBN: | 9783737100496 |
| Verweise | |
Das entfesselte Jahrzehnt. Sound und Geist der 70er ist das 2019 bei Rowohlt Berlin erschienene Buch von Jens Balzer über die siebziger Jahre als Entfesselung von Lebensformen, Gegenkulturen und Kreativität. Es eröffnet die Reihe, die später die Achtziger, Neunziger und Nullerjahre als Epochenporträts nachlegt. Sound im Untertitel ist Absicht: die Zeit wird zuerst hörbar.
Inhalt
Balzer schreibt die Siebziger gegen das Klischee der bleiernen Jahre. RAF und Deutscher Herbst stehen neben Disco, Punk und der neuen Innerlichkeit; die Ölkrise neben der sexuellen Liberalisierung, die weitergeht, nachdem 1968 schon als Ende erzählt war. Das Jahrzehnt entfesselt, was die sechziger Jahre vorbereitet haben: Wohngemeinschaften, Frauenbewegung, schwule Öffentlichkeit, die Idee, dass das eigene Leben ein Entwurf ist. Zugleich verdichtet sich die Gewalt der Politik, und die Bundesrepublik erfährt, dass die Revolte auch als Terror enden kann. Balzer hält beides in einem Bild, ohne die Toten der einen Seite mit den Tanzflächen der anderen zu verrechnen.
Die Kapitel folgen Klang, Mode und Medien, nicht den Legislaturperioden. Kraftwerk und David Bowie, die Diskothek und die Landkommune, das Privatfernsehen noch als Drohung, der Computer als ferne Möglichkeit: Popkultur ist hier nicht Zutat, sondern Seismograf. Was später als Charakter der Siebziger gilt – Braun, Langhaar, Verweigerung – erscheint als Auswahl aus Widersprüchen, die erst die Erinnerung glattgezogen hat. Balzer kennt die Titelfolge und die Politik; die These ist, dass sich gesellschaftliche Veränderungen in Songs und Schnitten früher ablesen lassen als in den Parteitagsprotokollen.
Unsicher wird das Porträt, wo Westdeutschland das Bild trägt und die DDR, Italien, Chile am Rand bleiben. Die Entfesselung, die Balzer meint, ist die einer Gesellschaft, die sich leisten konnte, Lebensstile zu erproben, während anderswo Diktatur und Mangel das Jahrzehnt anders schnitten. Die Kritik hat den Esprit gelobt und die Frage gestellt, wessen Siebziger hier erzählt werden. Balzer schreibt als Popjournalist, nicht als Archivhistoriker; die Stärke ist die Montage, die Grenze dieselbe.
Einordnung
Mit diesem Band hat Balzer das Format begründet, das Harald Jähner für andere deutsche Zeiten erzählend, Detlef Siegfried für die langen Sechziger wissenschaftlich vorbereitet hatte: das Jahrzehnt als Charakter. High Energy, No Limit und Confusion Is Next setzen fort. Daneben steht Philipp Sarasins 1977. Eine kurze Geschichte der Gegenwart, das dieselbe Zeit als Schwellenjahr, nicht als Dekade liest. Wer die Siebziger nur als Vorhof der Achtziger kennt, trifft hier auf die Entfesselung, die Balzer für den Anfang unserer Gegenwart hält.
Geblieben ist die Behauptung, dass Popkultur Geschichte macht, indem sie sie hörbar macht. Die Reihe ist aus der Trilogie eine Kulturgeschichte von 1970 bis 2009 geworden. Wer Balzer nur als Nostalgiker der eigenen Jugend liest, unterschlägt die Formdiagnose. Wer nur die Formdiagnose sucht, unterschlägt, dass ohne die Platten das Argument leerliefe.
Essays
Dieses Buch kommt in diesen Essays vor.
Das 20. Jahrhundert in Epochenporträts (Lesepfad) · Die Erfindung der Jahrzehnte (Lesepfad)
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.
