High Energy. Die Achtziger – das pulsierende Jahrzehnt

Jens Balzer · 2021 · Sachbuch, Geschichte


Das Werk
Deutscher Titel: High Energy. Die Achtziger – das pulsierende Jahrzehnt
Autor(en): Jens Balzer


Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 2021
Schlagwörter: Individualismus, Friedensbewegung, Digitalisierung, Apokalypseangst
Sachgebiete: Sachbuch, Geschichte
Greifbare Ausgabe
Verlag: Rowohlt


Umfang dieser Ausgabe: 400 Seiten
ISBN: 9783737101141
Verweise


High Energy. Die Achtziger – das pulsierende Jahrzehnt ist das 2021 bei Rowohlt Berlin erschienene Buch von Jens Balzer über die achtziger Jahre als widersprüchliche Hochenergiephase. Es ist der zweite Band der Reihe, die mit den Siebzigern begann. Der englische Titel bleibt stehen: High Energy war das Versprechen der Dekade und ihr Witz.

Inhalt

Balzer schreibt gegen das Klischee, die Achtziger seien nur Schulterpolster, Dauerwelle und Protz gewesen. Die jungen Aufsteiger der Finanzwelt werden zu Vorreitern einer Egoistenkultur, und gleichzeitig herrscht die Angst vor dem Atomtod und der Zerstörung der Umwelt. Helmut Kohl ruft die geistig-moralische Wende aus; Hunderttausende demonstrieren für Frieden und Abrüstung, die Grünen werden parlamentarische Kraft. Popkultur wird Schauplatz feministischer und schwuler Emanzipation; der Hip-Hop gibt Minderheiten eine Stimme, die bis dahin kaum hörbar waren. Eine Generation lernt am Commodore 64 das Programmieren und betritt die digitale Gesellschaft, bevor das Wort Alltag ist. Am Ende fällt die Berliner Mauer.

Die Kapitel bringen die Widersprüche zum Leuchten, ohne sie zu versöhnen. Befremdliche Moden und bizarre Lebensstile stehen neben dem Revolutionsdrang, in dem Balzer die Wurzeln der Gegenwart liest. Das Jahrzehnt pulsiert: mehr Tempo, mehr Markt, mehr Angst, mehr Emanzipation. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung nannte das Ergebnis ein Charakterporträt eines Zeitalters, das über Schulterpolster und Schnauzbart hinausgeht. Balzer bleibt der Montage aus Politik, Gesellschaft und Kultur treu, die schon die Siebziger getragen hat; die Energie ist höher, die Apokalypse näher, die Maschine kleiner und persönlicher.

Unsicher wird das Buch, wo die westdeutsch-angloamerikanische Titelfolge die Epoche trägt. Die Friedensbewegung ist international, der Atomtod eine globale Drohung, und doch bleibt der Ton der einer Bundesrepublik, die sich im Spiegel der britischen und amerikanischen Popkultur erkennt. Die Kritik hat den Esprit gelobt – lustiger und klüger könne man nicht schreiben – und die Frage offengelassen, ob Hochenergie eine Analyse ist oder eine Metapher, die alles bindet, was in zehn Jahren geschah. Balzer nimmt die Metapher in Kauf. Ohne sie zerfiele das Jahrzehnt in Nachrichten.

Einordnung

High Energy macht aus den Achtzigern das Labor der Gegenwart: Individualismus, Markt, Angst, Emanzipation, beginnende Digitalisierung. Es steht zwischen Das entfesselte Jahrzehnt und No Limit und neben Jean-François Lyotards Das postmoderne Wissen von 1979, das dieselbe Zeit als Ende der großen Erzählungen getauft hat, während Balzer sie als Puls erzählt. Frank Böschs Zeitenwende 1979. Als die Welt von heute begann setzt den globalen Schnitt davor; Balzer schreibt das Jahrzehnt, das daraus folgt.

Geblieben ist das Bild eines Zeitalters, das sich selbst als Energie verstand und als Angst. Wer die Achtziger nur als Vorabend von 1989 kennt, trifft hier auf die Wende, die schon vorher gerufen wurde und anders gemeint war. Wer nur die Mauer sucht, unterschlägt den Computer, die Demonstration und den Club, in denen Balzer die Gegenwart entstehen sieht.

Essays

Dieses Buch kommt in diesen Essays vor.

Das 20. Jahrhundert in Epochenporträts (Lesepfad) · Epochenporträt und Epochenquelle (Vergleich)

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

Geschichte entdecken