1977. Eine kurze Geschichte der Gegenwart
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | 1977. Eine kurze Geschichte der Gegenwart |
| Autor(en): | Philipp Sarasin
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| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 2021 |
| Schlagwörter: | Schwellenjahr, Punk, Menschenrechte, Individualisierung |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Geschichte |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Suhrkamp
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| Umfang dieser Ausgabe: | 502 Seiten |
| ISBN: | 9783518587638 |
| Verweise | |
1977. Eine kurze Geschichte der Gegenwart ist das 2021 bei Suhrkamp erschienene Buch von Philipp Sarasin über ein einzelnes Jahr als Schwelle. RAF-Offensive, Centre Pompidou, Apple II, die Erfindung des Internets, Carters Rede von den Menschenrechten, Identitätspolitik, New Age, Punk, Disco und Hip-Hop: Sarasin fragt, was diese Gleichzeitigkeiten bedeuten, und behauptet, dass 1977 unsere Gegenwart schon enthält.
Inhalt
Sarasin schreibt gegen das Jahrzehnt als selbstverständliche Einheit. Ein Jahr reicht, wenn man es als Riss liest: der Glaube an ein gemeinsames Allgemeines, der die industrielle Moderne formte, beginnt zu zerbröckeln. Fünf Nekrologe gliedern das Buch – Ernst Bloch, Fannie Lou Hamer, Anaïs Nin, Jacques Prévert, Ludwig Erhard –, jeder ein Abschied von einer modernen Lebensform und der Auftakt eines Kapitels über Politik der Differenz, Identität, Sexualität, Medienmaschinen und Markt. Michel Foucault sagt 1977, man müsse ganz von vorne beginnen. Sarasin nimmt den Satz ernst und hält sich an einen Kunstgriff: Es kommen nur Ereignisse vor, die Zeitgenossen kennen konnten. Was später geschah, bleibt draußen, bis das Nachwort die Fäden in die Gegenwart zieht.
Die Kapitel verbinden Disco und neoliberale Ökonomie, den Deutschen Herbst und den Apple II, ohne sie kausal zu verketten. Linien, Muster, Ähnlichkeiten: das Allgemeine schwächt sich, das Besondere steigt auf. Individualisierung, das Selbst als Projekt, die Gewissheit, dass die alten Koordinaten der Industriegesellschaft keine Orientierung mehr bieten. Punk, Disco und Hip-Hop erscheinen nicht als Begleitmusik einer Krise, sondern als deren hörbare Form. Menschenrechte und Identitätspolitik treten im selben Jahr auf die Bühne; sie werden später als Gegensatz erzählt, hier als Zwillingsgeburt. Der Ton ist der eines Historikers, der Foucault gelesen hat und trotzdem erzählt.
Unsicher wird das Buch am eigenen Kunstgriff. Die Kritik hat den Zirkel genannt: Wer die offenkundige Gegenwart ins Jahr 1977 legt, findet sie dort, und die Jahrzehnte dazwischen müssen nicht gefüllt werden. Die Kürze des Jahres erzwingt Auswahl; was nicht in die Chronik passt, fällt aus der Schwelle. Sarasin weiß, dass jedes Jahresbuch Willkür atmet, und setzt die Nekrologe dagegen, als wären fünf Tode ein Beweis. Die Stärke bleibt die Montage, die Feuilleton und Seminar zugleich erreicht hat. Wer nur 1977 als RAF-Jahr kennt, hat den Computer nicht mitgelesen.
Einordnung
1977 ist das Gegenstück zum Epochenporträt, das zehn Jahre braucht. Jens Balzers Das entfesselte Jahrzehnt erzählt dieselbe Zeit als Dekade; Frank Böschs Zeitenwende 1979. Als die Welt von heute begann setzt den Schnitt zwei Jahre später und globaler. Philipp Felschs Der lange Sommer der Theorie streckt die Epoche auf dreißig Jahre des Lesens. Sarasin verdichtet. Das Buch hat der Zeitgeschichte das Schwellenjahr als Form gegeben, in der die Gegenwart sich selbst datiert.
Geblieben ist die Behauptung, dass unsere Unübersichtlichkeit 1977 beginnt, nicht 1989 und nicht 2001. Wer nach einem Ursprung der Identitätspolitik, der digitalen Kultur und des zerfallenen Allgemeinen sucht, findet hier ein Datum – und die Warnung, dass Daten Erfindungen sind, auch wo sie stimmen.
Essays
Dieses Buch kommt in diesen Essays vor.
Das 20. Jahrhundert in Epochenporträts (Lesepfad) · Die Erfindung der Jahrzehnte (Lesepfad)
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.
