Essay:Was Marilyn Monroe las

Lesepfad · Literatur · 10 Werke
Marilyn Monroe


Marilyn Monroes Privatbibliothek umfasste mehr als vierhundert Bände; 1999 wurden Teile bei Christie's versteigert. Photographien, die sie mit Joyce zeigen, waren lange als Inszenierung verdächtigt. Der Katalog widerlegt den Verdacht nicht als Moral, sondern als Bestand: Joyce, Dostojewski, Ellison, Whitman, Proust, Mann, Fromm. Dieser Essay nennt zehn Bücher aus dieser rekonstruierten Bibliothek. Es ist das Gegenbild zur öffentlich erzeugten Kunstfigur, nicht der Beweis, dass Filme Bildung brauchen.

Die Nachbarschaft ist Wir sind, was wir lesen. Hier zählt, wovon eine Person sich nährte, als die Kamera aus war.

Joyce hat 1922 den Tag in Dublin als Strom der Stimmen geschrieben; Molly Blooms letzter Monolog ist das Ende, an dem eine oft reproduzierte Aufnahme Monroe mit dem Buch zeigt. Das Exemplar von 1934 lag in der Auktion. Gegen die leichte Lektüre, die man Stars zutraut, setzt der Roman die Zumutung, die Jahre dauert. Monroe hat sie auf sich genommen. Wer das Bild für Werbung hält, muss den Katalog erklären, in dem Ulysses keine Ausnahme war, sondern der sichtbarste Titel einer ernsthaften Bibliothek.

Dostojewski war der Roman, in dem sie Gruschenka spielen wollte. Freunde erinnern die Lektüre; der Band steht in den Rekonstruktionen der Bibliothek neben Schuld und Sühne und dem Totenhaus. Vier Brüder, ein Vater, die Schuld, die sich nicht auf einen Täter verteilt: Das ist nicht Hollywood. Gegen die blonde Rolle, die man ihr schnitt, setzt Karamasow die Frau, die begehrt und gerichtet wird, ohne Kind zu sein. Die geistige Bibliothek beginnt, wo die Besetzung endet.

Ellison hat 1952 den Mann geschrieben, den die Gesellschaft nicht sieht, weil sie ihn als Fläche braucht. Der Roman lag in Monroes Bestand. Gegen die weiße Traumfabrik, in der sie selbst zur Fläche wurde, setzt Ellison die Unsichtbarkeit als Gewalt, nicht als Magie. Dass dieser Titel in ihrer Bibliothek steht, verschönert Hollywood nicht. Es zeigt eine Leserin, die den Rassismus der eigenen Industrie nicht nur erfuhr, sondern in einem Buch suchte, das ihn analysiert.

Whitman hat den Körper, die Menge, die Demokratie als Vers geschrieben, der sich nicht schämt. Arthur Miller schenkte ihr Gedichte, als sie sich kennenlernten; Whitman gehört in denselben amerikanischen Kanon der direkten Anrede. Gegen den Schlager, der den Körper verkauft, setzen die Grashalme den Körper, der sich selbst feiert. Monroe hat Verse laut gelesen. Die Bibliothek einer Schauspielerin, die als Körper gesehen wurde, braucht den Dichter, der den Körper nicht als Ware, sondern als Welt nimmt.

Gibran hat 1923 die Abschiedsreden über Liebe, Arbeit und Freiheit in einem Ton geschrieben, der Trost und Weisheit mischt. Der Band ist für ihre Bibliothek bezeugt und wurde oft als Beweis einer naiven Schwärmerei gelesen. Das ist zu billig. Gegen Joyce, der zumutet, setzt Gibran die Sentenz, die man behalten kann, wenn der Tag zu viele Stimmen hat. Eine geistige Bibliothek, die nur Schwieriges hält, wäre ebenso falsch wie eine, die nur Trost hält. Monroe hat beides besessen.

Fromm hat 1956 die Liebe als Fähigkeit beschrieben, nicht als Gefühl, das einen überkommt: Sorge, Verantwortung, Achtung, Kenntnis. Der Titel lag in der Auktion. Gegen die Studioöffentlichkeit, die Liebe als Kuss und Skandal kennt, setzt Fromm die Arbeit am anderen. Monroe hat Ehen geführt, die das Publikum verfolgte. Das Buch erklärt nicht ihr Unglück. Es zeigt, dass sie die Liebe als Frage las, nicht nur als Rolle.

Thomas Mann hat 1912 den Künstler geschrieben, der die Form hält, bis das Begehren sie zersetzt: Venedig, die Cholera, der schöne Knabe, der Tod als Verfall der Disziplin. In ihrem Bestand lagen dieser Band, der Zauberberg-Umkreis, Leserausgaben. Gegen Whitman, der den Körper rühmt, setzt Mann den Körper als Gefahr für den Geist, der sich zu fein geworden ist. Monroe hat das deutsche Künstlerdrama nicht als Bildungsreise gelesen. Sie hat darin die Zumutung erkannt, dass Schönheit tötet, indem man sie anstarrt.

Saint-Exupéry hat 1943 den Fuchs, die Rose und den Satz geschrieben, dass man nur mit dem Herzen gut sieht. Sie schenkte das Buch nach der Hochzeit mit Joe DiMaggio. Gegen Proust, der Jahre braucht, setzt der Prinz die klare Figur. Es ist das zugänglichste der zehn und deshalb nicht das geringste: Eine Bibliothek, die nur Ulysses hält, wäre eine Behauptung. Eine, die den Prinzen verschenkt, hat das Lesen als Zuwendung gekannt, nicht nur als Selbstbildung.

Fitzgerald hat 1925 den Mann geschrieben, der sich eine Herkunft kauft, um eine Frau aus der Vergangenheit zu holen. West Egg, das grüne Licht, die Asche zwischen den Städten: Amerika als Inszenierung. Monroe hat in eben diesem Amerika als Inszenierung gelebt. Gegen die Biografie, die Hollywood als Schicksal nimmt, setzt Gatsby die Party, die niemanden kennt. Das Buch in ihrer Bibliothek ist fast zu passend. Es bleibt, weil es passt, ohne sie zu entschuldigen: Die Traumfabrik hatte den Roman schon geschrieben, bevor sie ankam.

Proust hat die Erinnerung als unwillkürlichen Sturz in die vergangene Empfindung geschrieben. In der Auktion lagen mehrere Teile der Suche. Gegen den Ulysses-Tag, der alles gleichzeitig sagt, setzt Proust die Länge, in der die Zeit sich faltet. Monroe hat an diesem Werk gelesen, das Hollywood nicht verfilmt und das Studio nicht braucht. Die geistige Bibliothek endet hier, weil nichts weniger nach der Kunstfigur aussieht als sieben Bände französischer Erinnerungsprosa neben der Schminke.

Was diese zehn zusammenhalten

Dublin, Gruschenka, Unsichtbarkeit, Körpervers, Trost, Liebesarbeit, Venedig, Rose, grünes Licht, unwillkürliche Erinnerung: Monroe hat eine Bibliothek gehalten, die das öffentliche Bild Lügen straft, ohne die Filme zu retten. Die Auktion von 1999 hat den Bestand sichtbar gemacht. Sichtbar ist nicht Unschuld. Sichtbar ist eine Leserin.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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