Der Prophet

Aus Bookpedia Bücher einfach erklärt
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Khalil Gibran · 1923 · Erzählung
Das Werk
Deutscher Titel: Der Prophet
Autor(en): Khalil Gibran
Originaltitel: The Prophet
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 1923
Schlagwörter: Abschied, Weisheit, Liebe, Tod
Sachgebiete: Erzählung
Greifbare Ausgabe
Verlag: Diogenes


Umfang dieser Ausgabe: 112 Seiten
ISBN: 9783257239607
Verweise
Umschlag

Der Prophet von Khalil Gibran erschien 1923 bei Knopf in New York, nach einem Vierteljahrhundert Arbeit. Es ist lyrische Prosa, keine Handlung im engen Sinn: der Prophet Almustafa wartet zwölf Jahre in der Stadt Orphalese auf das Schiff, das ihn heimträgt, und redet vor der Abfahrt zu den Bewohnern über Liebe, Arbeit, Freiheit und Tod. Gibran, libanesisch-amerikanisch, schreibt englisch in einem Ton, der an Gleichnis und Predigt grenzt. Das schmale Buch wurde millionenfach verkauft, von der Gegenkultur der sechziger Jahre neu gelesen und ist in deutscher Sprache in vielen Übertragungen lieferbar.

Inhalt

Almustafa sieht das Schiff und will gehen. Die Seherin Almitra bittet ihn, noch zu sprechen; die Stadt versammelt sich. Er redet zuerst von der Liebe, die bindet und verwundet, dann von der Ehe, die zwei Becher und doch einen Wein meint, von Kindern, die durch einen hindurchgehen und nicht einem gehören. Geben, Essen und Trinken, Arbeit – die Arbeit als Liebe, die sichtbar wird – folgen. Häuser, Kleider, Kauf und Verkauf: der Markt soll nicht die Seele verkaufen. Verbrechen und Strafe, Gesetze, Freiheit werden so gewendet, dass Schuld und Gesellschaft einander nicht davonstehlen.

Vernunft und Leidenschaft sollen am selben Steuer sitzen. Schmerz, Selbsterkenntnis, Lehre, Freundschaft, das Reden selbst, die Zeit: jedes Stück ist kurz, bildhaft, oft in Gegenpaaren gebaut. Gut und Böse, Gebet, Lust, Schönheit, Religion münden in die Rede vom Tod, der nicht das Gegenteil des Lebens sei, wie der Bach nicht das Gegenteil des Meeres. Eine Abschiedsrede über den Sinn des Gehens schließt den Kreis. Almustafa verspricht eine Wiederkehr, die das Buch selbst nicht mehr erzählt; postume Fortsetzungen und der Großneffe Hajjar Gibran haben später nachgelegt.

Es gibt keine Nebenhandlung, keinen Streit der Figuren, kein Gericht. Die Stadt ist Kulisse der Anrede. Wer Personen und Taten sucht, findet nur den Wartenden, die Fragenden und die Bilder – der Müller, der Weber, der Winzer –, in denen Gibran das Allgemeine anschaulich macht. Die 26 Reden plus Rahmen sind das ganze Buch. Genau diese Kargheit hat die Verbreitung erleichtert: man kann eine Rede für eine Trauung nehmen, eine für eine Beerdigung, ohne den Band zu Ende zu lesen. Der Text erlaubt das und zahlt dafür mit der Nähe zum Spruchkalender. Die Bilder tragen, wo die Lehre dünn wird; sie tragen nicht immer.

Einordnung

Gibran steht zwischen christlicher Bergpredigt, koranischem Gleichnis und der amerikanischen Erbauung des frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Abbas Khider hat erzählt, die Lektüre habe ihn vom Traum, Imam zu werden, zur Literatur gestoßen. In der Beat- und Hippiezeit wurde der Band zum Buch der Kommune und der Hochzeit; die akademische Literaturwissenschaft hat ihn lange links liegen lassen. Roger Allers Animationsfilm von 2014 hat die Reden bebildert. Die Diogenes-Übertragung von Ingrid Fischer-Schreiber ist eine unter vielen; Reclam, dtv, Patmos und Anaconda halten eigene Fassungen. Die Menge der Übersetzungen bezeugt Bedarf, nicht notwendig Rang.

Als Roman im strengen Sinn ist Der Prophet kaum zu retten: es fehlt die Verwicklung. Als Erzählung in Reden hat er eine weltliterarische Wirkung, die strengere Bücher nicht erreichen. Wer ihn nur als Trostmittel benutzt, überhört die Schärfe gegen Besitz und hohle Frömmigkeit. Wer ihn nur als Kitsch abtut, unterschätzt, warum Generationen genau diese Sätze weitergegeben haben. Die lyrische Prosa bleibt das, was sie 1923 war: ein Abschied, der Lehre sein will, und eine Lehre, die Abschied bleibt. Orphalese liegt auf keiner Karte; es liegt dort, wo man Abschiedsreden braucht.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.