Essay:Was Eric Hobsbawm las

Lesepfad · Geschichte · 10 Werke
Eric Hobsbawm


Von Eric Hobsbawms Privatbibliothek gibt es keinen vergleichbar erschlossenen Katalog. Die Papiere liegen in Warwick, die Bibliografie zählt Tausende Einträge, die Jugendtagebücher listen, was der Siebzehnjährige in der Marylebone Public Library gelesen hat. Dieser Essay nennt zehn Bücher, die sich aus Autobiografie, Tagebuch und Werk als prägend belegen lassen. Es ist die schwierigste der zehn geistigen Bibliotheken, und gerade deshalb gehört sie in die erste Staffel: wo der Nachlass fehlt, muss die Spur im Schreiben tragen.

Die Nachbarschaft ist Wir sind, was wir lesen und Die Annales-Schule in zehn Büchern, deren Breite er mit dem Marxismus verbunden hat. Hier zählt nicht das Zeitalter der Extreme als eigenes Buch, sondern was es lesbar gemacht hat.

Marx und Engels haben 1848 die Geschichte als Geschichte von Klassenkämpfen auf eine Formel gebracht, die ein Berliner Schüler 1932 in der Schulbibliothek fand. Hobsbawm hat gesagt, dieses Heft habe ihn zum Historiker gemacht, nicht der Unterricht mit Kaiserdaten. Gegen die nationalgeschichtliche Liste setzt das Manifest die Epoche als Konflikt. Wer nur das späte Extrembuch kennt, unterschlägt den Siebzehnjährigen, der die Welt zuerst als Kampf las und dabei blieb, als 1956 und 1989 das Gerüst erschütterten.

Denselben Marx, jetzt als Kritik der politischen Ökonomie: Ware, Wert, Mehrwert, die lange Dauer der Akkumulation. Hobsbawm hat den ersten Band als Jugendlicher durchgearbeitet, nicht als Seminarist. Das Kapital bleibt das Buch, an dem sich entscheidet, ob seine Weltgeschichte Ökonomie hat oder nur Erzählung. Gegen eine Kulturgeschichte, die Klassen vergisst, setzt er die Produktion. Die Nachsicht gegenüber dem sowjetischen Terror, die ihm vorgeworfen wurde, hängt an dieser Treue – nicht am Unwissen.

Marx hat 1852 die Farce nach der Tragödie beschrieben: Wiederholung, die sich selbst entstellt, der Staatsstreich, die Klassen, die ihre Vertreter nicht finden. Hobsbawm hat den Text früh gelesen und später die Erfindung der Tradition an derselben Stelle gedacht, wo Geschichte Kostüm wird. Gegen den Manifest-Ton, der die Zukunft kennt, setzt der Brumaire die Lage, die niemand bestellt hat. Das kurze 20. Jahrhundert braucht dieses Buch, weil es Katastrophe nicht als Plan, sondern als Groteske erzählen lehrt.

Gramsci hat in den Kerkerheften Hegemonie, Zivilgesellschaft und den subalternen Alltag gedacht, den der Ökonomismus nicht sieht. Hobsbawm hat Gramsci in den fünfziger Jahren entdeckt, als der westliche Marxismus ihm sonst fremd blieb. Gegen den Basis-Überbau, der Kultur als Spiegel nimmt, setzt Gramsci die Kultur als Kampfplatz. Die Banditen, die Rebellen, die Musiker in Hobsbawms Werk haben hier ihr Organon. Wer ihn nur als Erzähler der Extreme kennt, unterschlägt den Gramsci, ohne den Bauernaufstand und die Unterhaltungsmusik nicht in dieselbe Geschichte passen.

E. P. Thompson hat 1963 die Klasse als Erfahrung geschrieben, nicht als Zuweisung: Methodisten, Handwerker, die moralische Ökonomie der Menge. Hobsbawm war Genosse und Rivale in der Communist Party Historians Group. Gegen sein eigenes, oft ökonomischeres Erzählen setzt Thompson die Stimme derer, die die Klasse selbst machen. Das Buch gehört in die geistige Bibliothek, weil Hobsbawm die britische Sozialgeschichte nicht allein geschrieben hat. Er hat sie im Streit mit diesem Band geschrieben.

Braudel hat 1949 das Meer als lange Dauer beschrieben: Geographie, Konjunktur, Ereignis als Schaum. Hobsbawm war mit den Annales verbunden, als die britischen Marxisten in Paris Verbündete suchten, die keine Parteigeschichte wollten. Gegen das Manifest, das 1848 als Anfang setzt, setzt Braudel die Jahrhunderte vor jeder Revolution. Das Extrembuch hat diese Breite: Wirtschaft, Demographie, Kultur. Ohne das Mittelmeer wäre Hobsbawm ein politischer Erzähler geblieben. Mit ihm ist er ein Historiker des Ganzen, der den Marxismus nicht aufgibt.

Bloch hat die Verteidigung der Geschichte als Handwerk geschrieben, unvollendet, nach der Erschießung durch die Deutschen. Hobsbawm lernte die Annales über M. M. Postan in Cambridge, als Bloch in England noch kaum berühmt war. Gegen die Quellenfrömmigkeit, die nur Akten glaubt, setzt Bloch die Frage, die der Historiker an die Toten stellt. Das Buch gehört hierher, weil Hobsbawm Handwerker bleiben wollte, wo die Partei Bekenntnis verlangte. Die Apologie ist die Ethik des Berufs, nicht die des Bundes.

Lenin hat 1917 den Krieg als Teilung der Welt unter Monopolen gelesen. Der junge Hobsbawm hat den Text in den dreißiger Jahren neben Marx und Engels durchgearbeitet, das belegen die Tagebücher. Gegen eine Geschichte Europas, die Kolonien als Rand nimmt, setzt Lenin den Weltmarkt als Zentrum. Das späte Werk über das kurze Jahrhundert braucht diese Lektüre, auch wo es sie nicht mehr orthodox fortschreibt. Wer die Jugendbibliothek streicht, macht aus dem Erzähler einen Liberalen mit marxistischem Vokabular.

Weber hat 1919 die Verantwortungsethik gegen die Gesinnung gesetzt, den Betrieb der Macht, das Charisma. Postan hat den jungen Marxisten in Cambridge auf Weber, Sombart und die Annales gewiesen, als Gegner und als Handwerk. Hobsbawm hat Weber nicht zur Schule gemacht; er hat ihn als den bürgerlichen Analytiker genommen, den man ernst nehmen muss, wenn man Marxist bleiben will, ohne dumm zu sein. Gegen das Manifest, das die Klasse kennt, setzt Weber die Herrschaft, die sich legitimiert. Das Extrembuch hat beides gebraucht.

Engels hat 1845 Manchester beschrieben: Gassen, Lungen, die neue Armut der Industrie. Hobsbawm hat das Buch früh gelesen und die britische Arbeitergeschichte als Fortsetzung genommen, nicht als Nationalstolz. Gegen Thompson, der die Erfahrung rettet, setzt Engels die Empirie der Elendsviertel. Die Lage bleibt das Gründungsbuch der Sozialgeschichte, die Hobsbawm ins 20. Jahrhundert weitergeschrieben hat. Am Ende der zehn steht es, weil der Weg von der Schulbibliothek 1932 zur Weltgeschichte über Manchester führt, nicht über den Parteitag.

Was diese zehn zusammenhalten

Manifest, Kapital, Farce, Hegemonie, Erfahrung, lange Dauer, Handwerk, Weltmarkt, Herrschaft, Manchester: Hobsbawm hat das 20. Jahrhundert als zusammenhängende Katastrophe erzählt, weil er es zuerst als Schüler in Berlin und als Leser in London so gelesen hat. Die konkreten Ausgaben der Jugendjahre sind in den Tagebüchern greifbarer als in einem Auktionskatalog. Das reicht, sobald man nicht vorgibt, zehn Lieblingsexemplare zu kennen.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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