Die Lage der arbeitenden Klasse in England
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Die Lage der arbeitenden Klasse in England |
| Autor(en): | Friedrich Engels |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Dietz Verlag |
| Serie: | Marx-Engels-Werke 2 |
| Erscheinungsjahr: | 1845 |
| Seitenanzahl: | 709 Seiten |
| Originaltitel: | - |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3320002120 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783320002121 |
| Schlagwörter: | Industrie, Proletariat, Manchester, Elend |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Soziologie |
| Rezensionen | |
Die Lage der arbeitenden Klasse in England. Nach eigner Anschauung und authentischen Quellen ist die 1845 in Leipzig bei Otto Wigand erschienene Frühschrift von Friedrich Engels. Der vierundzwanzigjährige Sohn eines Barmener Fabrikanten hatte einundzwanzig Monate in England gelebt, vor allem in Manchester, und Fabriken, Kellerwohnungen und amtliche Berichte gelesen. Das Buch gilt als Pionierwerk der empirischen Sozialforschung und als Anklage: Die zügellose Profitgier der englischen Bourgeoisie sei für die Verelendung der Arbeiter verantwortlich, bis hin zum sozialen Mord durch unzureichende Lebensumstände. Die UNESCO hat es ein Meisterstück ökologischer Analyse genannt. Engels schrieb es, um den sozialistischen Theorien und den Urteilen über ihre Berechtigung einen festen Boden zu geben.
Inhalt
Engels beginnt nicht mit einer Lehre, sondern mit der industriellen Umwälzung. Die Dampfmaschine, die Spinning Jenny und die Arbeitsteilung haben die ländlichen Weber aus einer kümmerlich behaglichen Selbständigkeit in die Städte getrieben. Es entsteht das Proletariat in drei Gestalten, die einander bedingen: das industrielle in den Fabriken, das bergbauende, das die Maschinen mit Kohle speist, das ackerbauende, das die Städte ernährt; dazu die irische Einwanderung, die Engels als eigene Masse beschreibt. Der Fabrikarbeiter ist die zahlreichste, älteste und unruhigste Klasse. Engels hat Nottingham, Birmingham, Glasgow, Leeds, London und vor allem Manchester gesehen und die Berichte der Fabrikinspektoren, die Zahlen der Kommissionen und Schriften Thomas Carlyles ausgewertet, eines Bürgers, der nicht im Verdacht stand, Chartist zu sein. Die Methode ist die Verbindung von Augenschein und Statistik: Er wollte die Arbeiter in ihren Behausungen sehen, nicht nur abstrakt kennen.
Die Arbeiterviertel sind das Herzstück der Beschreibung. Planlose Gassen, später rechteckige Höfe und die dreigliedrige Bauweise mit Hintergassen dienen dem Mietgewinn, nicht dem Leben. Feuchte Cottages, fehlende Kanalisation, verpestete Luft und die räumliche Segregation machen das Elend unsichtbar für die Bourgeoisie, die auf sternförmigen Hauptstraßen ins Geschäftsviertel fährt, ohne die Armut zu kreuzen. Engels beschreibt Krankheit, Alkohol, Kriminalität, Kinder- und Frauenarbeit, das Truck- und das Cottagesystem. Der Arbeiter ist rechtlich und faktisch Sklave der besitzenden Klasse, nur dass er nicht auf einmal verkauft wird, sondern stückweise, pro Tag und Woche, und sich selbst verkaufen muss. Der Lohn schwankt um das Existenzminimum; fällt die Nachfrage, bleiben Menschen auf Lager und sterben Hungers. Die Konkurrenz ist der Krieg aller gegen alle, innerhalb der Klassen so gut wie zwischen ihnen.
Gegen diese Lage setzt Engels nicht Mitleid, sondern die Notwendigkeit des Gegensatzes. Die Bourgeoisie lebe für nichts als den schnellen Erwerb; eine andere Verbindung zwischen Mensch und Mensch als bare Zahlung kenne sie nicht, sagt er mit Carlyle. Wohltätigkeit erkaufe das Recht, das Leid nicht anzusehen; die Justiz sei parteilich; das neue Armengesetz sperre die Armen ins Arbeitshaus. Aus denselben Verhältnissen wachsen die Arbeiterbewegungen, der Chartismus, die Gewerkschaften. Engels schließt, der Krieg der Armen gegen die Reichen, der schon im einzelnen geführt werde, werde in England auch im ganzen geführt werden. Die Prognose ist umstürzlerisch, die Beschreibung bleibt an Straßen, Lungen und Löhnen. Darin liegt die Härte des Buchs: Es moralisiert, indem es zählt, und zählt, indem es anklagt.
Einordnung
Karl Marx hat später geschrieben, Engels sei auf anderem Weg zu demselben Resultat gelangt wie er; die gemeinsame Abrechnung mit der deutschen Philosophie in der Deutschen Ideologie folgte. Die Lage fundamentiert die Gesellschaftskritik, die Engels in den Umrissen zu einer Kritik der Nationalökonomie ökonomisch skizziert hatte, und bereitet das Manifest der Kommunistischen Partei vor. Als Modell gesellschaftskritischer Reportage hat sie bis zu George Orwells Der Weg nach Wigan Pier gewirkt; umgekehrt bedient sie sich Motive der Pauperismusliteratur, etwa Charles Dickens’ Oliver Twist, ohne bei der Beseitigung der Missstände stehenzubleiben. Die Kritik nennt den Ton zu wenig objektiv und die Feldforschung an heutigen Maßstäben gemessen unzureichend. Beides ändert nicht, dass hier zum ersten Mal die große Industrie als Erzeugerin einer Klasse beschrieben wird, die sie stürzen soll.
Neben Das Kapital, das englische Inspektorenberichte in die Kritik der politischen Ökonomie einarbeitet, bleibt Engels’ Buch das anschaulichere: Marx löst die Ware auf, Engels geht durch St. Giles und die Courts von Manchester. Wer es nur als Quelle zum Elend liest, verfehlt die These, dass dieses Elend die notwendige Form der bürgerlichen Freiheit ist. Wer es nur als Parteischrift liest, verfehlt die Genauigkeit der Gassen und Tabellen. 1933 blieb es, anders als vieles von Marx und Engels, von den Bücherverbrennungen ausgenommen. Es ist ein Standardwerk der Industrie- und Stadtsoziologie geblieben, weil die Segregation, die es zeichnet, nicht mit den Cottages von 1844 verschwunden ist.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
