Verlag:Fink
Fink, 1962 in München von Wilhelm Fink gegründet, ist der geisteswissenschaftliche Verlag der Texttheorie, der Medien und des Bildes. Wolfgang Isers Der Akt des Lesens, Friedrich Kittlers Aufschreibesysteme 1800/1900, Gilles Deleuze’ Differenz und Wiederholung in der deutschen Ausgabe: das Haus hat die Literaturwissenschaft an die Technik angeschlossen, ohne sie zur Ingenieurkunde zu machen. Heute gehört es zu Brill; der Name ist geblieben, der Ort nach Paderborn gewandert.
Geschichte
Wilhelm Fink baute in München einen Verlag für Germanistik, Philosophie und Kunstwissenschaft, der das Seminar ernst nahm und die Neuerscheinung nicht scheute. Der Umweg ist die Medientheorie: Iser, die Konstanzer Schule, dann Kittler, der die Aufschreibesysteme an die Hardware band. Aus einem Münchner Gelehrtenverlag wurde der Ort, an dem die Geisteswissenschaften lernten, dass Text auch Kanal, Gerät, Macht ist. Später Paderborn, der Verbund mit Schöningh, zuletzt Brill. Fink ist kein Literaturverlag und kein Taschenbuch; es ist der Apparat einer Fächergruppe, die das Lesen selbst zum Gegenstand machte.
Werke und Autoren
Isers Der Akt des Lesens hat die Wirkungstheorie des Lesers festgesetzt; Kittlers Aufschreibesysteme 1800/1900 hat Goethe und Nietzsche an Grammophon und Schreibmaschine gehängt. Deleuze’ Differenz und Wiederholung liegt in der Bookpedia in der Fink-Ausgabe; Paul Ricoeurs Zeit und Erzählung, Maurice Merleau-Pontys Das Sichtbare und das Unsichtbare, Hans Beltings Bild-Anthropologie, Georges Didi-Hubermans Was wir sehen, blickt uns an halten Phänomenologie, Bildwissenschaft und Erzähltheorie unter einem Schild. Die Formalisten, der Prager Linguistenkreis, Norbert Bolz’ Gutenberg-Galaxis: Fink ist der Verlag, in dem die Literaturwissenschaft ihre Nachbarn nicht mehr leugnen konnte.
Ausrichtung
Fink will Geisteswissenschaft als genaue Ausgabe, nah am Seminar, offen für den französischen und den technischen Umweg. Keine Romane, selten das Zeitbuch, oft die Monographie, die ein Fach verschiebt. Der Vorwurf der Schwerverständlichkeit trifft Kittler und Deleuze; ohne diese Schwere fehlte der deutschen Medientheorie die Adresse. Wer Lesbarkeit sucht, sucht Suhrkamp. Wer die Stelle sucht, an der Text und Gerät zusammenfallen, sucht oft hier.
Würdigung
Im deutschen Sprachraum ist Fink der Verlag der Aufschreibesysteme – und damit einer der Orte, an denen die Geisteswissenschaften nach 1970 neu anfingen, ohne die Philologie aufzugeben. Iser, Kittler, die Bildwissenschaft: München und Paderborn haben damit eine Spur gelegt, die Frankfurt nicht allein halten konnte. Wer nur die Literaturverlage kennt, unterschlägt, wo das Lesen selbst Theorie wurde.
Wichtigste verlegte Werke
Auswahl nach dem Jahr der Erstausgabe, soweit die Bookpedia den Titel führt:
- Die Thesen des Prager Linguistenkreises (1929)
- Das Sichtbare und das Unsichtbare (1964)
- Differenz und Wiederholung (1968)
- Texte der russischen Formalisten (1969)
- Der Akt des Lesens (1976)
- Zeit und Erzählung (1983)
- Aufschreibesysteme 1800/1900 (1985)
- Was wir sehen, blickt uns an (1992)
- Am Ende der Gutenberg-Galaxis (1993)
- Bild-Anthropologie (2001)
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.