Essay:Die Gutenberg-Galaxis in zehn Büchern

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Marshall McLuhan hat 1962 das Buchzeitalter als Galaxis bezeichnet: eine Ordnung der Wahrnehmung, nicht nur eine Technik. Dieser Essay nennt zehn Werke, an denen sich diese Galaxis und ihr Rand zeigen – historisch, philosophisch, als Bibliothek und als Schwelle. Es ist keine Rangliste. Ein Verfasser steht nur mit einem Buch.

Die Nachbarschaft ist Das billige Buch, Die Bibliothek in zehn Büchern und die Medienwissenschaft des 20. Jahrhunderts. Hier zählt nicht das ganze Fach, sondern die Behauptung, dass Druck die Sinne umbaut.

McLuhan hat 1962 den Buchdruck als Umstellung des Sensoriums beschrieben: die linearen Lettern, das Auge, das Nacheinander, der individualisierte Leser. Die magischen Kanäle bleiben das andere, populärere Buch desselben Namens; hier steht die Galaxis, die dem Essay den Titel leiht. McLuhan übertreibt, springt, zitiert ohne Fußnotenzucht. Genau deshalb hat er eine Metapher hinterlassen, die die Buchwissenschaft nicht mehr loswird. Wer nur „das Medium ist die Botschaft“ kennt, hat den Band nicht gelesen, der Gutenberg zur Epoche macht.

Eisenstein hat 1979 dieselbe Schwelle historisch gemacht: Standardisierung, Verbreitung, Bewahrung, Reformation und wissenschaftliche Revolution als Druckereignisse. Gegen McLuhans Sprung setzt sie Offizinen und Errata. Das Buch ist das gelehrte Gegenstück zur Galaxis. Wer die Presse nur als Erfindung kennt, hat die Agentin des Wandels nicht gesehen, die Eisenstein in den vergleichbaren Exemplaren sucht.

Ong hat 1982 die Mündlichkeit als andere Ökonomie des Wissens beschrieben: Wiederholung, Formel, das Denken, das nicht nachschlagen kann. Der Druck ist bei ihm nicht der Anfang der Sprache, sondern eine späte Zurüstung des Geistes. Gegen McLuhans Galaxis setzt Ong die längere Geschichte, die vor Gutenberg beginnt. Die Medienwissenschaft beansprucht den Band; hier steht er als die Anthropologie der Galaxis.

Derrida hat 1967 die Schrift gegen den Logos gesetzt, der sich als Stimme und Ursprung ausgibt. Die Galaxis ist hier keine Epoche der Lettern, sondern eine Metaphysik, die die Schrift verkleinert, indem sie sie zur Ableitung der Rede macht. Ein Verfasser, ein Buch; die Schrift und die Differenz bleibt Nachbar. Ohne Grammatologie bleibt die Druckgeschichte eine Technikgeschichte ohne Zweifel am Ursprung.

Kittler hat 1985 Goethe und den Grammophontrichter an denselben Schaltplan gelegt: um 1800 die Frau als Alphabetisiererin, um 1900 die Maschinen, die das Aufschreiben dem Menschen nehmen. Die Galaxis endet bei ihm nicht im Netz, sondern schon im technischen Medium, das den Geist als Effekt ausgibt. Gegen Ongs Anthropologie setzt Kittler die Hardware. Suhrkamp hat das Buch zur deutschen Medientheorie gemacht.

Benjamin schrieb 1935/36 über Aura, Film und die Politik des Schocks. Der Aufsatz gehört in diese Reihe, weil er die Galaxis vom anderen Ende liest: nicht die Letter, sondern die Reproduktion, die das Einzige zerstört und eine andere Wahrnehmung einsetzt. Die Literaturwissenschaft beansprucht denselben Text; hier ist er der Einschnitt, an dem das Buch aufhört, das einzige technische Bild des Geistes zu sein.

Genette hat 1987 das Beiwerk zum Gegenstand gemacht: Titel, Vorwort, Umschlag, der Name, der schon liest. Die Galaxis erzeugt nicht nackte Texte, sie erzeugt Bücher, und Bücher haben Schwellen. Gegen McLuhans Sensorium setzt Genette den Einband. Wer Druck nur als Menge denkt, hat die Schwelle nicht betreten, an der aus Lettern ein Gegenstand wird, den man kauft und zitiert.

Jochum hat 1993 die Bibliothek vom Alten Orient bis zur elektronischen Speicherung als Raum erzählt, in dem Wissen gehalten und entzogen wird. Die Galaxis braucht Regale, nicht nur Pressen. Reclam hat den Band selbst zur Universal-Bibliothek gemacht: Buchwissenschaft als Heft. Gegen die große Theorie setzt er die Geschichte der Häuser, in denen Gedrucktes überlebt.

Bolz hat 1993 den Abschied vom Buchzeitalter als Medientheorie der Nachwende geschrieben: Computer, das Ende der linearen Schrift als Leitmedium, McLuhan als Prognose, die einzutreffen scheint. Der Titel ist die These. Ob das Ende gekommen ist, bleibt die Frage, die jede neue Auflage des Taschenbuchs widerlegt und bestätigt. Hier steht der Band als deutsches Echo der Galaxis, zwanzig Jahre vor dem alltäglichen Netz.

Borges hat 1941 die Bibliothek als Universum erzählt: sechseckige Säle, alle möglichen Bücher, der Mensch als Bibliothekar eines Sinns, der sich nicht finden lässt. Die Erzählung ist keine Medientheorie und hat die Medientheorie ernährt. Gegen Eisensteins Offizin setzt sie die Nachtseite der Galaxis: unendlich viel Druck, kein Fortschritt. Fiktionen bleibt das Sammelbuch; hier zählt die eine Erzählung, die das Gedruckte als Kosmos und als Gefängnis lesbar macht.

Was diese zehn zusammenhalten

Galaxis, Presse, Mündlichkeit, Schrift, Aufschreibesystem, Aura, Schwelle, Regal, Ende, Babel: die Gutenberg-Galaxis ist eine Metapher, die Bücher gebraucht hat, um historisch zu werden. Febvre und Martins Erscheinen des Buches stehen im Essay zur Bibliothek; Innis und Flusser fehlen als eigene Abschnitte. Die Lücken sind benannt. Hier bleibt, dass der Druck die Sinne umgebaut hat – und dass das Buch diese Behauptung selbst trägt.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.

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