Russischer Formalismus: Unterschied zwischen den Versionen
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''Russischer Formalismus'' von [[Autor:Victor Erlich|Victor Erlich]] | ''Russischer Formalismus'' ist die 1955 erschienene, 1964 bei Suhrkamp deutsch vorgelegte Darstellung von [[Autor:Victor Erlich|Victor Erlich]]. Der Untertitel der Originalausgabe lautet ''History – Doctrine''. Erlich, aus der Emigration, gibt dem Westen die erste große Geschichte der Schule: der Kreis, das Verbot, die Nachgeschichte. Es ist nicht Formalismus, es ist dessen Historisierung. Ohne dieses Buch wäre die deutsche Rezeption ärmer. | ||
== Inhalt == | == Inhalt == | ||
Erlich, aus | Erlich erzählt das Opojas und den Moskauer linguistischen Zirkel als Streit um das literarische Verfahren, nicht als Mode. Schklowski, Jakobson, Eichenbaum, Tynjanow erscheinen als Werkstatt, deren Begriffe – Verfremdung, Skaz, literarische Reihe – aus Analysen kommen, nicht aus einem Manifest allein. Die Doktrin wird erklärt, die Politik des Verbots nicht verschwiegen: Der Formalismus verschwand als Schule, weil der Staat ihn als Formalismus denunzierte. Gegen die bloße Anthologie der Aufsätze setzt Erlich den Zusammenhang, der aus einer unterdrückten Gruppe ein Kapitel der Theorie macht. Die westliche Nachgeschichte – Prag, New York, die strukturalistische Aufnahme – gehört zur Erzählung, nicht als Anhang. | ||
Die Quellen stehen daneben: [[Autor:Viktor Schklowski|Viktor Schklowski]]s ''[[Theorie der Prosa]]'', [[Autor:Boris Eichenbaum|Boris Eichenbaum]]s ''[[Die Theorie der formalen Methode]]'', [[Autor:Jurij Tynjanow|Jurij Tynjanow]]s ''[[Das literarische Faktum]]''. Erlich ist der Historiker, nicht der Manifestant. Die Suhrkamp-Ausgabe hat Generationen von Proseminaren geprägt, oft als einzige Pflicht neben einer schmalen Auswahl der Russen selbst. Die Kritik nannte die Darstellung zu glatt, zu westlich, zu versöhnlich gegenüber einer Schule, die schroffer war, als ein Lehrbuch sie halten kann. Geblieben ist die Vermittlung, ohne die Formalismus im Deutschen ein Schimpfwort geblieben wäre. | |||
Das Buch von 1955 kommt aus der slavistischen Emigration, nicht aus der Pariser Theorie. Genau deshalb konnte es den Strukturalismus vorbereiten, ohne ihn schon zu sein. Wer nur die Quellen kennt, hat diese Vermittlung übersprungen. Wer nur Erlich kennt, hat die Werkstatt nicht gelesen, die er erzählt. Beides gehört zusammen; der Historiker ersetzt die Aufsätze nicht. | |||
== Einordnung == | == Einordnung == | ||
Erlich hat dem Westen die Schule als Geschichte gegeben. Neben den Quellen des Opojas steht dieser Band als die Darstellung, die aus Verbot und Nachleben ein Fachkapitel machte. Die Germanistik der sechziger und siebziger Jahre las Formalismus durch ihn; die spätere Theorie hat ihn oft als Vorstufe abgetan. Wer seither russischen Formalismus sagt und eine Schule meint, nicht nur Verfremdung, spricht hinter diesem Buch. | |||
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Aktuelle Version vom 25. August 2026, 21:13 Uhr
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Russischer Formalismus |
| Autor(en): | Victor Erlich |
| Originaltitel: | Russian Formalism: History – Doctrine |
| Originalsprache: | englisch |
| Erstveröffentlichung: | 1955 |
| Schlagwörter: | Formalismus, Ideengeschichte, Opojas, Rezeption |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Literaturwissenschaft |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Suhrkamp |
| Erscheinungsort: | Russian Formalism |
| Umfang dieser Ausgabe: | 406 Seiten |
| ISBN: | 9783518076217 |
| Verweise | |
Russischer Formalismus ist die 1955 erschienene, 1964 bei Suhrkamp deutsch vorgelegte Darstellung von Victor Erlich. Der Untertitel der Originalausgabe lautet History – Doctrine. Erlich, aus der Emigration, gibt dem Westen die erste große Geschichte der Schule: der Kreis, das Verbot, die Nachgeschichte. Es ist nicht Formalismus, es ist dessen Historisierung. Ohne dieses Buch wäre die deutsche Rezeption ärmer.
Inhalt
Erlich erzählt das Opojas und den Moskauer linguistischen Zirkel als Streit um das literarische Verfahren, nicht als Mode. Schklowski, Jakobson, Eichenbaum, Tynjanow erscheinen als Werkstatt, deren Begriffe – Verfremdung, Skaz, literarische Reihe – aus Analysen kommen, nicht aus einem Manifest allein. Die Doktrin wird erklärt, die Politik des Verbots nicht verschwiegen: Der Formalismus verschwand als Schule, weil der Staat ihn als Formalismus denunzierte. Gegen die bloße Anthologie der Aufsätze setzt Erlich den Zusammenhang, der aus einer unterdrückten Gruppe ein Kapitel der Theorie macht. Die westliche Nachgeschichte – Prag, New York, die strukturalistische Aufnahme – gehört zur Erzählung, nicht als Anhang.
Die Quellen stehen daneben: Viktor Schklowskis Theorie der Prosa, Boris Eichenbaums Die Theorie der formalen Methode, Jurij Tynjanows Das literarische Faktum. Erlich ist der Historiker, nicht der Manifestant. Die Suhrkamp-Ausgabe hat Generationen von Proseminaren geprägt, oft als einzige Pflicht neben einer schmalen Auswahl der Russen selbst. Die Kritik nannte die Darstellung zu glatt, zu westlich, zu versöhnlich gegenüber einer Schule, die schroffer war, als ein Lehrbuch sie halten kann. Geblieben ist die Vermittlung, ohne die Formalismus im Deutschen ein Schimpfwort geblieben wäre.
Das Buch von 1955 kommt aus der slavistischen Emigration, nicht aus der Pariser Theorie. Genau deshalb konnte es den Strukturalismus vorbereiten, ohne ihn schon zu sein. Wer nur die Quellen kennt, hat diese Vermittlung übersprungen. Wer nur Erlich kennt, hat die Werkstatt nicht gelesen, die er erzählt. Beides gehört zusammen; der Historiker ersetzt die Aufsätze nicht.
Einordnung
Erlich hat dem Westen die Schule als Geschichte gegeben. Neben den Quellen des Opojas steht dieser Band als die Darstellung, die aus Verbot und Nachleben ein Fachkapitel machte. Die Germanistik der sechziger und siebziger Jahre las Formalismus durch ihn; die spätere Theorie hat ihn oft als Vorstufe abgetan. Wer seither russischen Formalismus sagt und eine Schule meint, nicht nur Verfremdung, spricht hinter diesem Buch.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
