Essay:Was Marlene Dietrich las

Lesepfad · Literatur · 10 Werke
Marlene Dietrich


Marlene Dietrichs Privatbibliothek liegt in der Deutschen Kinemathek: rund achtzehnhundert Titel, darunter hunderte Widmungsexemplare und eigene Anstreichungen, vor allem in Lebensberichten. Sie hat Goethe als Kreis fester Werte bezeichnet, mit Remarque gelebt, mit Hemingway eine lange, geistige Korrespondenz geführt und in Paris bis zuletzt gelesen, als sie das Haus nicht mehr verließ. Dieser Essay nennt zehn Bücher aus diesem Bestand. Es ist kein Inventar der Ikone. Es ist das intellektuelle Porträt hinter ihr.

Die Nachbarschaft ist Wir sind, was wir lesen. Hier zählt das Lesen im Exil: Deutsch, Französisch, Englisch, zwischen Berlin, Hollywood und der Avenue Montaigne.

Remarque hat 1929 den Krieg als Zerstörung einer Klasse von Jungen geschrieben, nicht als Heldentum. Dietrich und er waren ein Paar; in der Kinemathek liegen Widmungsexemplare. Das Buch gehört in ihre geistige Bibliothek, weil es die deutsche Moderne ist, die sie 1930 mit dem blauen Engel verlassen hat, ohne Deutschland als Sprache aufzugeben. Gegen die Kriegslyrik, die opfert, setzt Remarque den Körper, der im Granattrichter liegt. Dietrich hat für die amerikanische Truppe gesungen und dieses Deutsch behalten: nüchtern, verletzt, ohne Heimattrost.

Rilke war der Dichter ihrer Generation, den die Kinemathek und die geräumte Pariser Wohnung in mehreren Ausgaben halten. Die Elegien von 1923 fragen, ob wir die Erde den Engeln sagen können – Klage, Ruhm, die Figur, die sich verwandelt. Dietrich hat Verse gebraucht, als die Kamera das Gesicht zur Maske machte. Gegen den Schlager, den sie selbst vortrug, setzen die Elegien eine Sprache, die nicht gefallen will. Das Porträt hinter der Ikone beginnt hier: nicht bei der Beleuchtung, bei der Zeile.

Goethe hat sie selbst genannt, als sie von Erziehung sprach: ein Kreis moralischer Werte, der sich nicht mit Hollywood auflöste. Der Faust ist der deutsche Pakt aus Wissen, Begehren und Schuld, den ein Kind in Berlin auswendig lernen konnte. Gegen die Legende der wurzellosen Diva setzt Goethe die Bildung, die sie mitnahm, als sie den deutschen Pass nicht mehr wollte. Die Anstreichungen in späteren Goethe-Ausgaben, die in den Handel kamen, zeigen eine Leserin, die den Olympier nicht als Denkmal las, sondern als Halt.

Voltaire hat 1759 die beste aller Welten zerschlagen, indem er sie durch Erdbeben, Krieg und Dummheit schickte. Dietrichs Exemplar ist bezeugt. Der Witz, der nicht tröstet, passt zu einer Frau, die den Nationalsozialismus hasste, ohne Predigten zu halten. Gegen Goethes Kreis der Werte setzt Candide die Probe: Was bleibt, wenn man seinen Garten baut, nachdem die Welt gelogen hat. Hollywood war dieser Garten nicht. Es war die Bühne. Voltaire bleibt das französische Gegenbuch zur deutschen Innerlichkeit.

Isherwood hat die Stadt der frühen dreißiger Jahre als Zimmer, Kabarett und heraufziehende Gewalt geschrieben. In der Kinemathek liegen Widmungsexemplare. Dietrich hatte Berlin verlassen, bevor der Roman erschien, und hat in ihm die Stadt wiedergefunden, die der blaue Engel noch als Spiel nahm. Gegen die Nostalgie, die Weimar nur als Glanz erinnert, setzt Isherwood den Blick des Mieters, der sieht, wer nachts die Straße übernimmt. Das Buch erklärt, warum ihre Distanz zu Deutschland politisch war, nicht nur beruflich.

Hemingway hat 1929 den Krieg in Italien als Desertion, Wunde und Liebe geschrieben, die das Hospital nicht heilt. Die Freundschaft mit Dietrich war lang, brieflich, von beiden Seiten als geistige Nähe geführt. Das Buch steht neben Remarque: zwei Kriege, zwei Sprachen, dieselbe Nüchternheit. Gegen den Hollywoodkrieg, der siegt, setzt Hemingway den Satz, der abbricht. Dietrich hat vor amerikanischen Soldaten gestanden und dieses Englisch gelesen – das der Niederlage, nicht das der Siegesparade.

Frisch hat 1954 den Mann geschrieben, der nicht der sein will, den die Papiere kennen. Widmungsexemplare in der Kinemathek belegen die Nähe. Dietrich hat Jahrzehnte lang eine Figur gespielt, die sie selbst erfunden und dann nicht mehr loswurde. Gegen die Autobiografie, die bekennt, setzt Stiller die Weigerung, identisch zu sein. Das Buch gehört in ihre Bibliothek, weil es die Ikone als Problem formuliert, nicht als Ruhm. Wer nur die Beine sieht, hat Stiller nicht gelesen.

Rilke ein zweites Mal, weil Paris in diesem Roman die Stadt ist, in der einer lernt zu sehen, bis das Sehen weh tut. Dietrich hat die letzten Jahre in Paris verbracht, bettlägerig, umgeben von Büchern. Malte ist der Nordische in der französischen Metropole, der die Geräusche der Nachbarwohnungen nicht abstellen kann. Gegen die Elegien, die den Engel anrufen, setzt Malte die Straße. Zwei Rilke in einer geistigen Bibliothek sind keine Doppelung. Sie sind Lyrik und Prosa derselben Aufmerksamkeit.

Hemingway hat 1952 den Fang geschrieben, den die Haie holen, und den Stolz, der bleibt, wenn das Fleisch weg ist. Das Spätwerk steht neben dem Kriegsroman: Ausdauer ohne Sieg. Dietrich hat länger gelebt als die Figur, die das Publikum wollte, und hat im Bett weitergelesen, als die Beine die Bühne nicht mehr trugen. Gegen die Legende vom Verlöschen setzt der alte Mann die Arbeit, die niemand sieht. Das Buch erklärt weniger ihre Filme als ihre Hartnäckigkeit.

Goethe hat den Bildungsroman geschrieben, in dem das Theater eine Schule ist und die Schule ein Umweg. Dietrich kam vom deutschen Theater, nicht von der kalifornischen Erfindung. Die Lehrjahre gehören an den Schluss, weil sie sagen, was Faust als Pakt nicht sagt: dass eine Figur auf der Bühne entsteht, indem jemand lernt, Rollen zu tragen und abzulegen. Gegen die Hollywood-Biografie, die über Nacht berühmt macht, setzt Wilhelm Meister die Lehre. Die geistige Bibliothek einer Schauspielerin, die Goethe ernst nahm, endet nicht beim Schlager. Sie endet bei der Lehre, die das Leben zur Rolle und die Rolle zum Leben macht.

Was diese zehn zusammenhalten

Krieg, Engel, Pakt, Garten, Berlin, Wunde, Verweigerung, Straße, Ausdauer, Lehre: Dietrich hat gelesen, wie sie gespielt hat – in mehreren Sprachen, ohne sich einer zu unterwerfen. Die Widmungen von Remarque, Isherwood und Frisch sind nicht Prominenz im Vorsatzblatt. Sie sind der Nachweis, dass die Ikone unter Schreibenden verkehrte, die das 20. Jahrhundert ernst nahmen.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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