Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge
Autor(en): Rainer Maria Rilke
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Insel Verlag
Serie:
Erscheinungsjahr: 1910
Seitenanzahl: 244 Seiten
Originaltitel: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3458362290
ISBN-13/

EAN-Code:

9783458362296
Schlagwörter: Paris, Angst, Erinnerung, Aufzeichnung
Sachgebiete: Roman
Rezensionen
Umschlag

Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge ist der 1910 erschienene einzige Roman von Rainer Maria Rilke, in Paris vollendet nach Anfängen in Rom 1904 und nach den Eindrücken des Paris-Aufenthalts von 1902. Rilke nannte das Werk ein Prosabuch, nicht Roman. Es gibt keinen Erzähler der alten Art, keine durchlaufende Handlung, einundsiebzig Aufzeichnungen, oft nah am Prosagedicht. Der achtundzwanzigjährige Malte Laurids Brigge, letzter eines dänischen Adelsgeschlechts, heimatlos nach dem Tod der Eltern, versucht in Paris als Dichter zu leben und zu sehen. Was er aufschreibt, ist weniger ein Leben als die Arbeit, eines zu ertragen.

Inhalt

Malte kommt nach Paris, »um zu leben«, und meint, hier sterbe es sich. Er sieht Hospitäler, einen Mann, der umsinkt, eine Schwangere an der Mauer, ein Kind im Wagen, das Jodoform, Frittengeruch und Angst atmet. Die Stadt umzingelt ihn mit Gerüchen und mit der Angst, zu den Elenden zu gehören, die ihn zu verfolgen scheinen. In der Nationalbibliothek sitzt er bei seinem Dichter wie in einer Rettung. Er fordert von sich, jetzt zu arbeiten, da er sehen lerne, und zweifelt, ob andere lesen werden, was er sagt. Ein blinder Verkäufer von Blumenkohl, ein abgerissenes Haus, an dessen Nachbarwand Tapeten, Abortröhren und das zähe Leben der Zimmer kleben: Malte macht das Gesehene so konkret, dass Unbelebtes organisch wird und Lebendiges sich entzieht.

Die Pariser Blätter kreuzen sich mit Kindheitserinnerungen an die dänischen Herrenhäuser Ulsgaard und Urnekloster. Tote gehen dort um, die Großeltern beherrschen das Zeremoniell, die Mutter und die Frau Ingeborg sterben, der Vater, die Gespensterfurcht des Kindes, das Erlebnis, eine Maske nicht mehr abzubekommen. Malte begreift, dass er einen eigenen Tod haben muss, nicht den fremden, hospitalisierten der Großstadt. Die dritte Schicht der Aufzeichnungen gilt historischen Figuren und Geschichten: Karl VI. von Frankreich, die Grischa-Otrepjew-Episode, die Hetäre, Frauen, die liebten, ohne geliebt zu werden. Abelone, die junge Tante, der Malte in der Erinnerung Briefe und Gespräche zuwendet, wird zur Figur einer Liebe, die nicht Besitz will. Der Schluss spielt auf das Gleichnis vom verlorenen Sohn an: nicht die Rückkehr ins Haus ist die Pointe, sondern die Schwierigkeit, geliebt zu werden, und der Entschluss, es nicht mehr zu wollen.

Eine Fabel im Sinn des neunzehnten Jahrhunderts gibt es nicht. Was Malte bindet, sind Angst, Tod, Armut, die Frage, ob Sprache Wirklichkeit trifft, die Einsamkeit des Künstlers und ein Gott, der nicht tröstet. Der fiktive Herausgeber bleibt fast unsichtbar. Die Komposition arbeitet mit Kontrast und Wiederkehr: Paris gegen Kindheit, Analogie von Krankheit und Gespenst. Das Schauen ist Notwehr und poetisches Programm zugleich.

Einordnung

Der Band gilt als Durchbruch eines neuen Romantyps in deutscher Sprache, radikal getrennt vom realistischen Erzählen. Paris ist nicht Kulisse, sondern die Moderne als Geruch, Masse und Hospital; Vergleiche mit der Großstadtwahrnehmung bei Baudelaire und später bei Alfred Döblin liegen nahe, ohne dass Rilke montiert wie Döblin. Die Aufzeichnungen haben Lyriker und Erzähler der Moderne beeinflusst, gerade weil sie den Roman als Form in Frage stellen. Insel hat das Buch im Kanon der eigenen Klassiker gehalten; es bleibt sperriger als die Duineser Elegien, weil die Prosa das Elend nicht in Gesang auflöst.

Wer nach 1910 das Ich als Tagebuch einer Angst schreibt, das keine Biographie mehr trägt, schreibt hinter Malte, auch dann, wenn er Rilkes Adelskind für zu ästhetisch hält. Die Armut, die Malte sieht, ist nicht die seine, und genau das wird zum Skandal der Wahrnehmung. Er kann sehen und nicht helfen. Das Sehen selbst wird zur Arbeit, die ihn vor der Identifikation mit dem Elend retten soll. Das Prosabuch hat keine Nachfolger im engeren Sinn, nur Nachbarschaften.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.