Essay:Samisdat, Exilpresse, Untergrund

Samisdat, Exilpresse und Untergrund sind keine Gattungen der Literaturwissenschaft, sondern Lagen, in denen ein Buch den Staat nicht erreichen darf und ihn trotzdem erreicht: abgetippt, geschmuggelt, draußen gedruckt, drinnen gelesen, verboten und gerade deshalb kanonisch. Dieser Essay nennt acht Werke. Es ist keine Rangliste. Ein Verfasser steht nur mit einem Buch. Nicht jedes entstand im Keller; manche entstanden im kalifornischen Exil oder in Stockholm. Zusammenhalten tut sie die Behörde, die sie nicht haben wollte.

Die Nachbarschaft ist der Essay Ohne Druckgenehmigung und zu den Büchern mit verheerender Wirkung: dort die Genehmigung, die ausbleibt; hier die Schriften, die Apparate umgehen mussten, um gelesen zu werden. Die Frankfurter Schule bleibt Nachbar im eigenen Essay.

Orwell hat 1949 den Staat geschrieben, der die Sprache beschlagnahmt: Neusprech, das Wahrheitsministerium, Winston, der liebt und denunziert wird. Das Buch entstand nicht im Samisdat, es ist der Maßstab geworden, an dem späterer Samisdat gemessen wurde. In der Sowjetunion lief es unter der Hand; im Westen war es legal und trotzdem ein Untergrundbuch der Begriffe. Wer nur den Überwachungsstaat kennt, unterschlägt die Philologie der Macht: dass Herrschaft bei Orwell zuerst die Wörter tötet. Der Archipel und der eine Lagertag bleiben andere Bücher; hier zählt die englische Dystopie, die den späteren Archipel lesbar machte, bevor er dokumentiert war.

Bulgakow hat den Roman über den Teufel in Moskau geschrieben, der zu Lebzeiten nicht erscheinen durfte: Woland, die Literaturbehörde, Pontius Pilatus, die Handschrift, die nicht brennt. Der Text zirkulierte, wurde abgeschrieben, kam 1966/67 verstümmelt in eine Zeitschrift, vollständig erst später. Samisdat ist hier keine Metapher. Der Roman handelt von der Zensur, indem er sie als Hölle und als Behörde zugleich zeigt. Wer nur die Satire auf die Nomenklatura kennt, unterschlägt den zweiten Erzählstrang, der das fünfte Evangelium nacherzählt. Beides brauchte den Untergrund, weil der Staat beides nicht ertrug.

Pasternak hat den Roman der Revolution als Liebes- und Arztgeschichte geschrieben; in der Sowjetunion blieb er ungedruckt, in Mailand kam er 1957 italienisch heraus, der Nobelpreis 1958 wurde zur Staatsaffäre, Pasternak lehnte ab, unter Druck. Exilpresse im weiteren Sinn: der Text geht über die Grenze, der Verfasser bleibt. Lara, der Bürgerkrieg, die Gedichte im Anhang – der Westen las ein politisches Buch, Pasternak hatte ein lyrisches gemeint. Die Wirkung ist beides. Samisdat und Tamizdat, der Druck im Ausland, fallen hier in eins: ohne Feltrinelli kein Weltbuch, ohne das Verbot kein Mythos der Handschrift.

Solschenizyn hat das Lager als Archipel beschrieben, nicht als Episode: Inseln, Transport, die Sprache der Häftlinge, die Moral, die im Extrem nicht verschwindet. Ein Tag des Iwan Denissowitsch war 1962 der legale Riss im Tauwetter; hier zählt nur der Archipel, 1973 im Westen erschienen, im Original nach Manuskripten, die versteckt, verfilmt, ins Ausland geschafft wurden. Ein Verfasser, ein Buch. Der Archipel ist Dokumentation und Anklage, Erfahrung und Kompilation der Stimmen. Die Sowjetunion hat den Verfasser ausgebürgert. Das Buch hat das Wort Gulag zur Welt gemacht. Wer nur den Dissidenten kennt, hat die Geographie der Lager nicht gelesen, die das Buch zuerst ist.

Grossman hat den Stalingradroman geschrieben, den der KGB 1961 beschlagnahmte: Manuskript, Durchschläge, die Behörde, die sagte, das Buch könne erst in zweihundert Jahren erscheinen. Es erschien 1980 in der Schweiz. Grossman hatte den Krieg als Pravda-Korrespondent gesehen und den Staat als Fortsetzung des Lagers erkannt – Judenverfolgung, Kolyma, die Spiegelung, die den Sieg von 1945 nicht heiligt. Gegen Solschenizyns Archipel setzt er die Form des Romans, der Familien und Fronten verwebt. Der Untergrund ist hier der Tresor der Geheimpolizei; die Exilpresse holt zurück, was beschlagnahmt war.

Thomas Mann hat 1947 im kalifornischen Exil den deutschen Tonsetzer Adrian Leverkühn mit dem Teufel schließen lassen: Zwölftontechnik, die deutsche Katastrophe, die Krankheit, die als Genius auftritt. Es ist Exilpresse im strengen Sinn: geschrieben draußen, gedruckt in Stockholm bei Bermann-Fischer, gelesen als Abrechnung mit einem Land, das den Verfasser ausgebürgert hatte. Der Zauberberg bleibt das andere Haus. Hier zählt der Faust, weil Untergrund nicht nur der Keller in Moskau ist, sondern auch das Haus in Pacific Palisades, von dem aus über Deutschland gesprochen wurde, als Deutschland solche Bücher nicht wollte.

Horkheimer und Adorno haben im kalifornischen Exil die Fragmente geschrieben, die 1947 in Amsterdam bei Querido herauskamen: Aufklärung, die in Mythos umschlägt, Kulturindustrie, Antisemitismus als Ticketdenken. Die Frankfurter Schule beansprucht denselben Band; hier steht er als Exilbuch, das in Deutschland lange kaum zu haben war und doch die Nachkriegsrepublik erzogen hat. Untergrund ist hier nicht die Schreibmaschine im Lager, sondern die Emigration, die den Satz über den Faschismus formulierte, während der Faschismus regierte. Ein Buch, zwei Namen; kein zweites Horkheimer, kein zweites Adorno.

Neumann hat 1942 in New York, erweitert 1944, den NS-Staat als Unstaat analysiert: keine hierarchische Ordnung, sondern ein Kampf von Partei, Wirtschaft, Wehrmacht und Bürokratie, der trotzdem tötet. Fraenkels Der Doppelstaat bleibt der Nachbar aus demselben Exil; hier zählt Behemoth, weil das Buch die Herrschaft beschrieb, während sie dauerte, und in Deutschland erst spät ankam. Exilpresse ist nicht nur Literatur. Sie ist die Wissenschaft, die den Apparat von außen sezierte, weil innen das Manuskript tödlich gewesen wäre. Wer Neumann nur als Fußnote zu Adorno liest, hat die Strukturanalyse nicht geöffnet, die das Wort Behemoth trägt.

Was diese acht zusammenhalten

Neusprech, Woland, Schiwago, Archipel, Stalingradmanuskript, Leverkühn, Kulturindustrie, Unstaat: die Bücher, die der Staat nicht wollte, haben den Staat genauer beschrieben als die, die er genehmigte. Havel, Miłosz, die tschechischen Maschinenmanuskripte, der ganze Tamizdat der sechziger Jahre fehlen als eigene Abschnitte. Die Lücken sind benannt. Hier bleibt, dass ein Verbot keine Qualität verbürgt – und dass ohne Verbot manche dieser Bücher nicht die Welt erreicht hätten, die sie meinten.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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