The Nineties

Chuck Klosterman · 2022 · Sachbuch, Geschichte


Das Werk
Deutscher Titel: The Nineties
Autor(en): Chuck Klosterman
Originaltitel: The Nineties: A Book
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 2022
Schlagwörter: Erinnerung, Ironie, Nirvana, 11. September
Sachgebiete: Sachbuch, Geschichte
Greifbare Ausgabe
Verlag: Penguin Press


Umfang dieser Ausgabe: 370 Seiten
ISBN: 9780735217959
Verweise


The Nineties. A Book ist das 2022 bei Penguin Press erschienene Buch von Chuck Klosterman über die amerikanischen neunziger Jahre als Problem der Erinnerung. Eine deutsche Ausgabe gibt es nicht; der Originaltitel bleibt das Lemma. Klosterman macht die Frage zum Ausgangspunkt, die jede Dekadengeschichte verstört: Wann beginnt ein Jahrzehnt wirklich?

Inhalt

Klosterman schreibt gegen den Kalender. Die Neunziger begannen nicht am 1. Januar 1990, sondern am 24. September 1991, als Nirvanas Nevermind erschien und die Gegenkultur von der Masse aufgesogen wurde. Sie endeten nicht am 31. Dezember 1999, sondern am 11. September 2001. Dazwischen Ironie, Gleichgültigkeit, der Wettstreit, wem weniger entgeht; Fernsehen, Sport, Technik, Klasse, rassistische Ordnung und Sexualität als dasselbe Gewebe. Das Buch ist eine Folge von Essays, keine Chronik: der Aufbau eines Gefühls, der Rand, von der Mitte aus gesehen, der Film über den Film, die Tastaturkürzel, mit denen eine Generation das Gerät neu startet, ohne die Welt zu verstehen, die es schon umgebaut hat.

Die Kapitel behaupten, dass unser Gedächtnis uns einen Streich spielt. Die Neunziger, nach denen man sich sehnt, waren andere als die, die man lebte. Kommerzialisierung holt selbst die Verweigerung ein; Kurt Cobain wird zur Figur dieses Dilemmas. Das weltweite Netz ist da und noch nicht der Alltag der Selbstdarstellung. Francis Fukuyamas Ende der Geschichte ist Lebensgefühl, bevor es Zielscheibe wird. Klosterman schreibt als Popkritiker, der Hits, Serien und Skandale für beweiskräftiger hält als Wahlanalysen – und der weiß, dass Nostalgie das Material verfälscht, aus dem sie lebt.

Unsicher wird das Buch, wo die amerikanische Titelfolge die Epoche trägt. Es ist männlich, weiß, voll Fernsehen und Sport; andere Neunziger – die russischen, die jugoslawischen, die chinesischen – kommen nicht vor. Die Kritik hat das als Grenze und als Ehrlichkeit gelesen: Klosterman erzählt die Kultur, die er hatte, nicht die Welt. Wer eine Geschichte der Dekade als Ganzes sucht, findet ein Gefühl. Wer nur das Gefühl sucht, unterschlägt die methodische Pointe, dass Jahrzehnte rückblickend erfunden werden.

Einordnung

The Nineties ist das amerikanische Gegenstück zu Jens Balzers No Limit: dieselbe Kalenderzeit, eine andere Freiheit, dieselbe Frage nach dem Anfang. Balzer schreibt Mentalität und Wiedervereinigung; Klosterman schreibt Erinnerung und Ironie. Beide lassen das Jahrzehnt 2001 enden. Harald Jähner und Philipp Sarasin brauchen andere Maße – fünfzehn Jahre Weimar, ein Schwellenjahr 1977. Klosterman bleibt beim Pop, der sich selbst historisch wird, während er noch spielt.

Geblieben ist der Satz, dass Jahrzehnte selten pünktlich beginnen. Wer nach 2022 über die Neunziger spricht, als hätten sie einen eigenen Sound gehabt, spricht oft mit Klosterman, auch gegen ihn. Das Buch hat der Erfindung der Jahrzehnte den amerikanischen Beleg geliefert: die Dekade als Gefühl, das der Kalender nicht deckt.

Essays

Dieses Buch kommt in diesen Essays vor.

Die Erfindung der Jahrzehnte (Lesepfad)

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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