Sisyphos

Pseudo-Platon · Sachbuch, Philosophie


Das Werk
Deutscher Titel: Sisyphos
Autor(en): Pseudo-Platon
Originaltitel: Σίσυφος
Originalsprache: altgriechisch
Erstveröffentlichung:
Schlagwörter: Beratung, Wissen, Zukunft, Ratlosigkeit
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Wissenschaftliche Buchgesellschaft


Umfang dieser Ausgabe: 15 Seiten
ISBN: 9783534179183
Verweise


Der Sisyphos ist ein kurzer antiker Dialog in griechischer Sprache, der Platon zugeschrieben wurde, aber schon in der Antike als unecht galt. In den Handschriften trägt er den Untertitel „Über das Beratschlagen“. Sokrates spricht mit dem thessalischen Adligen Sisyphos von Pharsalos über den Sinn einer Beratung und darüber, was dabei eigentlich geschieht. Der Schauplatz ist auffällig: Sokrates, der Athen sonst nicht verließ, scheint in Thessalien zu sein, oder der Autor hat die Wege verwirrt. Wahrscheinlich entstand der Text im vierten Jahrhundert in der Akademie, als Werbung für die Philosophie. Er mündet wie manche echten Dialoge in die Ratlosigkeit.

Inhalt

Der Verfasser schreibt gegen den Anspruch der Ratsversammlung, durch Reden der Unwissenden das Richtige zu treffen. Sokrates hat am Vortag vergeblich auf Sisyphos gewartet, der gesetzlich zur Beratung in Pharsalos verpflichtet war. Daraus folgt, dass Sisyphos als Ratgeber gilt. Statt sogleich zu fragen, was gute Beratung sei, stellt Sokrates die einfachere Frage, worin Beratung überhaupt besteht. Sisyphos staunt über die vermeintliche Trivialität. Beratung, wie Sokrates sie kennt, ist das Gespräch von Leuten, die nicht wissen, was sie tun sollen, und auf gut Glück mutmaßen; manchmal treffen sie das Richtige. Sisyphos will so inkompetent nicht dastehen: ein Wissen sei schon da, nur Einzelnes noch unklar, wie Mathematiker den Würfel kennen und doch seine Verdopplung suchen.

Sokrates hält fest: man sucht immer, was man nicht kennt. Sich Beratende jagen einem Wissen nach, das sie nicht haben; Beratung ist gemeinsames Suchen und Mutmaßen. Wer nicht weiß, ist unter Unwissenden kein Ratgeber. Die Alternative wäre, sich von jemand belehren zu lassen, der schon weiß. Solche Wissenden deutet Sokrates an – der platonischen Lehre nach Philosophen –, den Archonten von Pharsalos traut er sie nicht zu. Dann wendet er sich dem Gegenstand zu: Beratung gilt immer Zukünftigem. Die Zukunft existiert noch nicht; wie kann sie erkannt werden? Fehlt jedes Kriterium, so ist die Rede vom guten oder schlechten Ratgeber sinnlos. Der Dialog endet mit der Aufforderung, weiterzudenken. Die Aporie ist die Pointe: wer gestern im Rat saß, weiß heute nicht, was er tat.

Unsicher ist schon die Szene. Ein historischer Sisyphos von Pharsalos ist denkbar, eine Begegnung mit Sokrates unwahrscheinlich; der Autor hat sie erfunden, samt der Reise, die Platons Sokrates nicht unternimmt. Michael Erler denkt an die erste Hälfte des vierten Jahrhunderts, Carl Werner Müller an die Jahre nach 361. Alfred Edward Taylor tadelte unbeholfenen Stil und kindische Streitkunst; Margherita Isnardi las eine Feindschaft gegen die athenische Demokratie, weil das Beratschlagen selbst diskreditiert werde. Gegenposition ist jede Politik, die Beratung als Verfahren der Gleichen ernst nimmt, nicht als Ersatz für Wissen. Der Sisyphos will zur Philosophie treiben, indem er den Rat als Herumraten entlarvt. Ob er damit die Demokratie trifft oder nur die Anmaßung des Nichtwissens, bleibt der Streit um einen kleinen Text.

Einordnung

Der Dialog stand außerhalb der Tetralogien und fand in der Antike kaum Leser; Dion von Prusa greift Gedanken auf, sonst ist die Spur dünn. Die Humanisten beachteten ihn wenig, obwohl Pirckheimer ihn übersetzte. Heute steht er in den Anhängen der Platonausgaben neben dem Axiochos und den Horoi, ein Kurzdialog der Appendix Platonica. Der Menon hat die Suche nach Unbekanntem tiefer geführt; der Sisyphos macht daraus eine Kritik des politischen Rats. Wer Platon sucht, findet eine Schulübung; wer die Geschichte der Beratung sucht, findet eine frühe Skepsis gegen das gemeinsame Mutmaßen über die Zukunft.

Das Missverständnis wäre, hier den Mythos vom rollenden Stein zu suchen. Der Titel meint den Thessalier, nicht den Büßer. Ebenso falsch wäre, den Text als reife Politiktheorie zu nehmen: er ist protreptisch, er will zum Wissen locken, indem er das Nichtwissen des Rats bloßstellt. In der Nachbarschaft echter Aporien – Theaitetos, Alkibiades I – wirkt er schmaler und lehrhafter. Seine Frage bleibt hartnäckig: Wenn das Zukünftige noch keine Beschaffenheit hat, worüber berät man dann? Demokratien beraten trotzdem. Der kleine Dialog hat ihnen das Unbehagen nicht genommen, nur benannt.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

Philosophie entdecken