Horoi

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Horoi
Autor(en): Speusippos
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Meiner
Serie:
Erscheinungsjahr:
Seitenanzahl: 245 Seiten
Originaltitel: Ὅροι
Originalsprache: altgriechisch
ISBN-10: 3787313133
ISBN-13/

EAN-Code:

9783787313133
Schlagwörter: Definition, Gattung, Akademie, Begriff
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Rezensionen
Umschlag

Die Horoi, lateinisch Definitiones, sind eine antike Sammlung von Begriffsbestimmungen, die Platon zugeschrieben wurde, aber sicher nicht von ihm stammt. Der Titel meint Grenzsteine: Wörter, denen eine Grenze gezogen wird. Hundertvierundachtzig Stichwörter erhalten eine oder mehrere Definitionen, vorwiegend aus Naturlehre, Ethik, Politik, Grammatik und Erkenntnislehre; Metaphysik bleibt am Rand. Die Unechtheit war in der Antike bekannt; spätantike Prolegomena nennen Speusippos, den Neffen und Nachfolger Platons, als Verfasser. Die heutige Forschung weist die Gleichsetzung mit Speusippos’ verlorener Definitionensammlung zurück und setzt die Kompilation in die Ältere Akademie nach Platons Tod. Der philosophische Wert gilt als gering; der dokumentarische für den Schulbetrieb als erheblich.

Inhalt

Die Sammlung schreibt nicht gegen eine Person, sondern gegen die Unschärfe des philosophischen Worts, und sie tut es mit dem Werkzeug der Schule: der Dihairesis, dem Fortschreiten vom Allgemeinen zum Besonderen. Definieren heißt, die unterste Gattung und den artbildenden Unterschied anzugeben. Die Horoi definieren die Definition selbst als Aussage, zusammengesetzt aus Unterschied und Gattung. Der Mensch erscheint als zweifüßiges Lebewesen ohne Flügel – Gattung und Unterschied gegen die Vögel – und zusätzlich als einziges Vernunftwesen. Andere Bestimmungen sind bloße Merkmalslisten oder triviale Worterklärungen. Für manchen Begriff stehen mehrere Sätze, ohne dass ein Streit entschieden würde. Die Reihenfolge zeigt nur andeutungsweise Ordnung: zuerst Natur, dann Ethik, Affekte, Tugenden, Polis, logische und erkenntnistheoretische Termini; ein Anhang mit Überschneidungen wirkt nachträglich angefügt.

Die Behauptung, Begriffe der Akademie ließen sich auf Vorrat festlegen, entfaltet sich an der Nüchternheit der Sätze. Wo Platon im Dialog prüft und scheitert, notiert die Liste ein Ergebnis, als wäre es gefunden. Das hängt mit dem Unterricht zusammen: Schüler brauchen Handhaben, nicht aporetische Abende. Manche Formulierungen können auf Platons Lehre zurückgehen, ohne dass er sie so gesammelt hätte. Die schwankende Zahl der Definitionen in den Handschriften zeigt, dass die Sammlung Jahrhunderte lang wuchs und schrumpfte. Heinz Gerd Ingenkamp hat sie als Kompilation älterer Bestände gelesen; andere sehen eine einheitlichere Schulredaktion. In beiden Fällen ist der Text ein Werkzeugkasten, kein Werk eines Stils.

Unsicher ist die Zuschreibung, und die Unsicherheit gehört zum Lemma. Speusippos hat Definitionen gesammelt; die erhaltenen Horoi sind nach Leonardo Tarán nicht die seinen. Ob eine oder mehrere Hände am Werk waren, bleibt Streit. Gegenüber Aristoteles’ Analytik wirken die Sätze dürftig: zu oft fehlt der Unterschied, zu oft genügt die Aufzählung. Gegenposition ist der platonische Dialog, der Definitionen versucht und verwirft, und die aristotelische Lehre vom Wesen, die dasselbe strenger tut. Die Horoi haben die Strenge nicht. Sie haben die Spur, dass in der Akademie definiert wurde, bevor die großen Bücher die Definitionslehre kanonisierten. Dürftigkeit ist hier Quelle: man sieht die Schule ohne Meister.

Einordnung

Marsilio Ficino übersetzte die Horoi ins Lateinische und schrieb sie Speusippos zu; die Aldine von 1513 druckte den griechischen Text unter Platons Namen. Pirckheimer übertrug sie 1523. Heute liest man sie bei Souilhé, in der deutschen Platonausgabe Loewenthals und in Hans Günter Zekls Organon-Band bei Meiner, der sie den aristotelischen Schriften zur Seite stellt. Neben Sisyphos und Axiochos gehören sie zur unechten Umgebung Platons, sind aber keine Dialoge, sondern ein Katalog. Wer die Geschichte des Platonismus sucht, findet Schulwortschatz; wer Philosophie sucht, findet meist Enttäuschung.

Das Missverständnis wäre, hier Platons geheimes Lehrbuch oder Speusippos’ authentisches Werk zu erwarten. Es ist eine Auswahl aus akademischem Vorrat, später angeschwollen, von geringem spekulativem Rang. Gerade darum dokumentiert sie, was man definierbar hielt: Mensch, Tugend, Staat, Wissen – und wie knapp die Schule werden konnte, wenn der Dialog schwieg. Die moderne Geringschätzung ist gerecht gegen den Anspruch, ungerecht gegen den Zeugniswert. Grenzsteine markieren ein Feld, sie bewirtschaften es nicht. Die Horoi markieren das Feld der Älteren Akademie, nachdem der Stifter tot war.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.