Alkibiades I

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Alkibiades I
Autor(en): Platon
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Reclam
Serie: Reclams Universal-Bibliothek
Erscheinungsjahr:
Seitenanzahl: 96 Seiten
Originaltitel: Ἀλκιβιάδης
Originalsprache: griechisch
ISBN-10: 3150085945
ISBN-13/

EAN-Code:

9783150085943
Schlagwörter: Selbsterkenntnis, Seele, Politik, Erziehung
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Rezensionen
Umschlag

Alkibiades I (auch Erster oder Großer Alkibiades) ist ein Dialog in altgriechischer Sprache aus dem vierten Jahrhundert vor Christus, der in der Antike Platon zugeschrieben wurde. Die neuere Forschung zweifelt die Echtheit weithin an, nimmt aber Entstehung im Umkreis der Akademie an. Das Gespräch spielt um 432 vor Christus in Athen: Sokrates stellt den noch nicht zwanzigjährigen Alkibiades, reich, schön, hochmütig und politisch ehrgeizig, bloß und führt ihn zur Einsicht, dass er von Gerechtigkeit und Vorteil nichts versteht. Die Pointe lautet, der Mensch sei seine Seele, nicht sein Leib; Selbsterkenntnis sei Blick in eine andere Seele, wie das Auge sich in der Pupille eines anderen Auges sieht. In der Antike galt der Dialog als Eingangsschrift der platonischen Anthropologie.

Inhalt

Das Buch ist gegen den Ehrgeiz geschrieben, der herrschen will, ohne zu wissen, was das Gerechte und das Zuträgliche sind. Sokrates hat Alkibiades jahrelang schweigend umworben, weil das Daimonion ihn zurückhielt; jetzt tritt er hervor, weil die anderen Liebhaber vom Hochmut des Jünglings vertrieben sind. Alkibiades will vor die Volksversammlung treten und über Krieg und Frieden mitreden. Sokrates zeigt: dazu gehörte Kenntnis der Gerechtigkeit, und Alkibiades hat sie weder gelernt noch je ernsthaft bedacht; er wiederholt die Meinungen der Menge. Der Einwand, in der Politik gehe es um Vorteil, nicht um Recht, zerfällt, weil Alkibiades den Vorteil ebenso wenig bestimmen kann. Durch Fragen wird er zu der Einsicht geführt, dass gerecht und zuträglich nicht auseinanderfallen. Das eigentliche Übel der Unwissenden sei nicht die Lücke, sondern die Einbildung, den Durchblick zu haben. Selbst Perikles, der Vormund, habe niemanden weiser gemacht; seine Söhne gelten als missraten. Die Erziehung der Perserkönige und der spartanischen Könige erscheint als Gegenbild zur athenischen Nachlässigkeit.

Der zweite Gang unterscheidet die Sorge um das Seinige – Besitz, Leib, Haus – von der Sorge um sich selbst. Sich selbst verbessern setzt voraus zu wissen, was dieses Selbst ist. Es ist nicht der Körper und nicht das zusammengesetzte Ganze, sondern die Seele, die den Körper als Werkzeug gebraucht. Wer Alkibiades’ Leib liebt, liebt nicht ihn, sondern etwas, das ihm gehört; diese Liebe endet mit der Blüte des Körpers. Die Liebe zur Seele bleibt. Wie die Seele sich erkennt, zeigt der Spiegelvergleich: das Auge sieht sich in der Pupille eines anderen Auges, im höchsten Teil des fremden Organs; so muss die Seele in den göttlichsten Teil einer anderen Seele blicken, dort wo die Weisheit sitzt. Selbsterkenntnis ist Besonnenheit; nur sie lehrt, was gut und übel ist. Wer führen will, muss Gerechtigkeit und Besonnenheit zuerst an sich üben; solange er das nicht kann, soll er sich unterordnen. Alkibiades lässt sich überzeugen und will sich Sokrates anschließen.

Unsicher ist die Autorschaft, und mit ihr der Rang. Friedrich Schleiermacher hielt das Werk 1809 für geringfügig und schlecht, also unecht; Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff nannte es talentlos. Dagegen haben Paul Friedländer und seither mehrere Forscher die Echtheit und die literarische Qualität verteidigt. Der lehrhafte, lineare Gang wirkt manchen zu schulmäßig für Platon, anderen als bewusste Einführung. Die homoerotische Werbung ist literarisches Motiv und philosophische Probe: Liebe zum Selbst, nicht zum Fleisch. Michel Foucault las den Dialog als erste Theorie des Selbst, als Entdeckung der Subjektseele; er war von Platons Autorschaft überzeugt. Wer den Text als bloße Zurechtweisung eines Hochmütigen liest, verfehlt die Anthropologie; wer ihn nur als Seele-gleich-Mensch nimmt, verfehlt die politische Spitze: ohne Selbsterkenntnis keine gerechte Herrschaft.

Einordnung

In der Antike begann man das Platonstudium oft mit diesem Dialog; Iamblichos, Proklos und Olympiodoros kommentierten ihn, al-Farabi setzte ihn an den Anfang seiner Übersicht. Diogenes Laertios gab den Nebentitel »Über die Natur des Menschen«. Plutarch benutzte ihn für die Lebensbeschreibung des Alkibiades. Die lateinische Welt des Mittelalters kannte ihn nicht; Ficino übersetzte ihn und nannte ihn schöner als Alkibiades und wertvoller als Gold. Neben dem Laches, der Tapferkeit sucht und nicht findet, steht der Alkibiades I als Dialog, der ein positives Lehrstück wagt: der Mensch ist Seele, Politik braucht Selbsterkenntnis. Der Staat baut die gerechte Seele zur gerechten Stadt aus; hier bleibt die Probe am Einzelnen.

Missverstanden wird das Buch, wenn die Echtheitsfrage den Inhalt ersetzt; ob von Platon oder einem Schüler, die Lehre hat die platonische Tradition geformt. Missverstanden auch, wenn der Spiegelvergleich als Narzissmus gelesen wird: gesehen wird nicht das eigene Gesicht als Reiz, sondern der höchste Teil des anderen. Wer nach der Antike sagt, erkenne dich selbst, und damit die Seele meint, spricht hinter diesem Gespräch, oft ohne den zweifelhaften Namen des Verfassers.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.