Politische Systeme Afrikas

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Meyer Fortes, Edward E. Evans-Pritchard · 1940 · Sachbuch, Anthropologie
Das Werk
Deutscher Titel: Politische Systeme Afrikas
Autor(en): Meyer Fortes, Edward E. Evans-Pritchard
Originaltitel: African Political Systems
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 1940
Schlagwörter: Herrschaft, Segment, Häuptling, Verwandtschaft
Sachgebiete: Sachbuch, Anthropologie
Greifbare Ausgabe
Verlag:
Umfang dieser Ausgabe: 302 Seiten
ISBN: 9780197241860
Verweise
Umschlag

Politische Systeme Afrikas ist der 1940 bei Oxford University Press für das International African Institute erschienene Sammelband, herausgegeben von den britischen Anthropologen Meyer Fortes und Edward E. Evans-Pritchard. Der englische Titel African Political Systems ist der geläufige; eine deutsche Gesamtübersetzung fehlt. Acht Feldforschungen in weit auseinanderliegenden Gesellschaften südlich der Sahara werden vergleichend gelesen, um Typen politischer Ordnung zu gewinnen. Alfred Radcliffe-Brown schrieb das Vorwort, die Herausgeber die Einleitung. Der Band gilt als Gründungsdokument der politischen Anthropologie.

Inhalt

Fortes und Evans-Pritchard schreiben gegen die Vorstellung, außereuropäische Gesellschaften hätten entweder Despoten oder gar keine Politik. Sie unterscheiden grob zwei Typen: Gesellschaften mit zentraler Herrschaft, Häuptling oder König, Verwaltung und Gerichten – und segmentäre Ordnungen ohne solche Spitze, in denen Verwandtschaft, Lineage und Ritual den Frieden und den Streit organisieren. Politik ist hier nicht der Staat im europäischen Sinn, sondern die Regelung von Macht, Recht und Krieg in Ordnungen ohne Oberhaupt wie in hierarchischen Gefügen. Der Vergleich soll auf breiter Grundlage zum ersten Mal zusammenführen, was Einzelforschungen getrennt gehalten hatten. Die koloniale Gegenwart der dreißiger Jahre ist der Rahmen der Feldforschung, nicht ihr offenes Thema. Theorie entsteht aus dem Nebeneinander der Fälle, nicht aus einer Philosophie der Herrschaft.

Die Behauptung entfaltet sich in acht Aufsätzen. Evans-Pritchard behandelt die Nuer, Fortes die Tallensi, Max Gluckman die Zulu, Audrey Richards die Bemba, Isaac Schapera die Ngwato, Kalervo Oberg die Ankole, Siegfried Ferdinand Nadel die Kede, Günter Wagner die Bantu von Kavirondo, Logoli und Vugusu. Bei den Nuer erscheint Politik als Gleichgewicht rivalisierender Segmente; bei Zulu und Ngwato als Königtum mit Gefolgschaft und Verwaltung. Die Tallensi zeigen, wie Ahnenkult und Lineage zentrale Macht begrenzen. Jeder Beitrag bleibt nah an der Ethnographie und liefert der Einleitung das Material der Typenbildung. Radcliffe-Brown rahmt den Band im Sinn der britischen Sozialanthropologie: soziale Tatsachen, Vergleich, Funktion. Das Buch hat dreihundertzwei Seiten und wurde mehrfach nachgedruckt.

Unsicher wird die Zweiteilung, wo gemischte und wandelbare Ordnungen das Schema sprengen. Spätere Kritik hat den Kolonialkontext der Informanten, die Männlichkeit der dargestellten Öffentlichkeit und die Unterschätzung von Klasse, Sklaverei und Fernhandel genannt. Die Herausgeber wussten, dass acht Fälle keine Karte Afrikas sind, und beharrten auf dem heuristischen Wert der Typen. Die Gegenposition ist jede Anthropologie, die den Staat als einzige Politik kennt, und jede, die den Vergleich als gewaltsame Vereinheitlichung ablehnt. Nach 1940 hat die politische Anthropologie die Typen verfeinert, verworfen und doch von diesem Band das Recht geerbt, afrikanische Ordnungen als politische Systeme zu lesen.

Einordnung

Der Sammelband ist ein moderner Klassiker der Ethnosoziologie und der Politikethnologie. Er hat Generationen von Feldforschern das Vokabular von Segment, Häuptlingtum und Ordnung ohne Oberhaupt gegeben. Nachbarschaft hat er zu Evans-Pritchards Nuer-Monographien und zu Fortes’ Tallensi-Studien, die hier in den Vergleich eintreten. Eine spanische Ausgabe und Nachdrucke haben den Text in der Lehre gehalten; im deutschen Sprachraum wirkt er über Seminare und Zitate, nicht über eine Übersetzung. Die amerikanische Politikwissenschaft hat ihn später als Steinbruch für Fragen der Eigentumsrechte gelesen.

Das Missverständnis ist, hier eine Kolonialverwaltungskunde oder eine vollständige Theorie afrikanischer Staaten zu erwarten. Es ist ein erster vergleichender Versuch, Politik ohne die europäische Staatsform ernst zu nehmen. Geblieben ist die Unterscheidung zentraler und segmentärer Systeme als Ausgangspunkt, den man kritisieren muss, um weiterzukommen. Wer nach 1940 über Herrschaft in Afrika ohne Staat oder über Königtum und Verwandtschaft spricht, spricht hinter diesem Band oder gegen ihn.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.