Kunst und Antikunst
| Das Werk | |
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| Deutscher Titel: | Kunst und Antikunst |
| Autor(en): | Susan Sontag |
| Originaltitel: | Against Interpretation |
| Originalsprache: | englisch |
| Erstveröffentlichung: | 1966 |
| Schlagwörter: | Interpretation, Stil, Moderne, Kritik |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Essay |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Fischer Taschenbuch
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| Umfang dieser Ausgabe: | 384 Seiten |
| ISBN: | 9783596264841 |
| Verweise | |
Kunst und Antikunst (englisch Against Interpretation) ist die 1966 erschienene erste Essaysammlung von Susan Sontag. Der Band versammelt Aufsätze und Kritiken aus den Jahren 1961 bis 1965 über Literatur, Theater, Film und die neuen Kunstformen der sechziger Jahre. Bekannt wurde er durch den Titelaufsatz, der die Deutungswut der Kritik angreift, und durch die Anmerkungen zu Camp, die eine bis dahin kaum beschriebene Empfindungsweise ernst nahmen.
Inhalt
Der Titelaufsatz Gegen Interpretation gibt das Programm vor. Sontag unterscheidet zwei Arten der Auslegung. Die ältere – etwa die der Stoiker, die Homers ehebrechende Götter allegorisch lasen, oder die Philons von Alexandria, der die Erzählungen der hebräischen Bibel als geistige Gleichnisse deutete – wollte einen verehrten Text mit neuen Überzeugungen versöhnen. Die moderne Interpretation dagegen gräbt hinter dem Text nach einem eigentlichen Sinn, und sie tut das mit dem Werkzeug von Marx und Freud: Das Sichtbare gilt ihr als Oberfläche, die etwas verbirgt. Damit zähmt sie, was an der Kunst fremd und überwältigend ist; sie macht aus der Form einen Inhalt, aus der Erfahrung eine Lehre und aus dem Werk einen Fall. Sontag verlangt stattdessen eine Kritik, die beschreibt, wie ein Werk gemacht ist und was es mit den Sinnen tut, und sie schließt mit dem Satz, an die Stelle einer Hermeneutik, also einer Lehre vom Auslegen, müsse eine Erotik der Kunst treten. Der Schwesteraufsatz Über den Stil hält fest, dass Stil kein Schmuck ist, den man vom Gehalt abziehen könnte; was ein Werk tut, lässt sich nicht von der Weise trennen, in der es erscheint.
Die übrigen Stücke prüfen diese Haltung an Fällen. Sontag schreibt über den Künstler als exemplarischen Leidenden, am Beispiel der Tagebücher Cesare Paveses, über Simone Weil, über die Notizbücher von Camus, über Das Alter des Mannes von Michel Leiris und über Claude Lévi-Strauss als den Ethnologen, der zum Helden wird. Sie bespricht die Literaturkritik von Georg Lukács, Sartres Buch über Genet, Nathalie Sarraute und den neuen französischen Roman, Ionesco, Rolf Hochhuths Der Stellvertreter und Marat/Sade von Peter Weiss, das sie mit Antonin Artauds Theater der Grausamkeit zusammenliest. Im Film findet sie bei Robert Bresson einen „geistigen Stil“, der Gefühl durch Zurückhaltung erzeugt; sie schreibt über Godards Die Geschichte der Nana S. und Resnais’ Muriel. Der Aufsatz über die Vorstellung der Katastrophe nimmt die Zukunfts- und Ungeheuerfilme der fünfziger Jahre ernst, ohne sie zur bloßen Allegorie der Bombe zu machen, und Jack Smiths Untergrundfilm Flaming Creatures verteidigt Sontag gegen den Vorwurf der Obszönität. Die Happenings erscheinen als Kunst des radikalen Nebeneinanders. Die Anmerkungen zu Camp, 1964 zuerst in der Zeitschrift Partisan Review erschienen und Oscar Wilde gewidmet, fassen in achtundfünfzig nummerierten Notizen eine Empfindungsweise, die das Künstliche, Übertriebene und Theatralische liebt und den Stil über den Inhalt stellt. Sontag beschreibt Camp als Erkennungszeichen kleiner städtischer Zirkel, nicht zuletzt homosexueller, und bekennt, sich davon zugleich angezogen und abgestoßen zu fühlen; aus dieser Doppelheit gewinnt der Text seine Genauigkeit.
Der Band ist essayistisch und parteilich. Sontag will keine Systematik der Moderne, sondern Fallstudien zu einer Ästhetik, die sich an neuen Formen reibt. Der Schlussaufsatz über die Einheit der Kultur und die neue Erlebnisweise antwortet auf die These von den „zwei Kulturen“, mit der der britische Physiker und Romancier C. P. Snow die Kluft zwischen Natur- und Geisteswissenschaften beklagt hatte: Eine neue Sensibilität, so Sontag, unterlaufe diese Trennung ebenso wie die zwischen hoher und populärer Kunst. Darin liegt die Spannung, die das Buch trägt. Wer Interpretation als Gewalt am Werk verwirft, muss trotzdem urteilen, ohne das Urteil als Entschlüsselung auszugeben. Sontag löst diesen Widerspruch nicht auf, sie hält ihn aus, indem sie beschreibt, vergleicht und Partei ergreift, ohne das Werk in eine Botschaft zu übersetzen. Die amerikanische Ausgabe versammelt sechsundzwanzig Stücke; die deutsche Übersetzung von Mark W. Rien trägt den Untertitel 24 literarische Analysen. Am Kern ändert die Auswahl nichts: Kunst verlangt Aufmerksamkeit für das, was sie ist, bevor man sagt, was sie bedeutet.
Einordnung
Mit diesem Band wurde Sontag zur bekanntesten jungen Kritikerin New Yorks. Er stand 1967 auf der engeren Auswahlliste des National Book Award und gilt bis heute als das Buch, an dem sich die Abkehr der Kritik von der Tiefendeutung festmachen lässt. Die spätere Literaturwissenschaft hat den Titelaufsatz als Vorläufer einer Lektüre gelesen, die beschreiben statt entlarven will. Zugleich ist Sontag politischer, als die Formel von der bloßen Oberfläche vermuten lässt: Die Aufsätze über Hochhuth und Weiss handeln von Schuld, Gewalt und Erinnerung. Mit Über Fotografie und Krankheit als Metapher hat sie dasselbe Misstrauen gegen die bequeme Deutung später auf Bilder und auf den kranken Körper übertragen. Gegen eine verbreitete Verkürzung ist festzuhalten, dass „Gegen Interpretation“ keine Absage an das Nachdenken über Kunst ist. Sontag liest selbst sehr genau, und ihre Frage, was ein Werk ist, bevor man es auf eine Botschaft bringt, erspart der politischen Lektüre nichts, sondern stellt ihr höhere Ansprüche. In einem Rückblick von 1996, dreißig Jahre nach dem Erscheinen, hat Sontag betont, ihre Verteidigung neuer Formen habe nie den Ernst der überlieferten hohen Kunst abschaffen sollen.
Essays
Dieses Buch kommt in diesen Essays vor.
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Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.
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