Kritik der schwarzen Vernunft

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Kritik der schwarzen Vernunft
Autor(en): Achille Mbembe
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Suhrkamp
Serie: Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft
Erscheinungsjahr: 2013
Seitenanzahl: 332 Seiten
Originaltitel: Critique de la raison nègre
Originalsprache: französisch
ISBN-10: 3518298054
ISBN-13/

EAN-Code:

9783518298053
Schlagwörter: Rasse, Kapitalismus, Sklaverei, Vernunft
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Rezensionen
Umschlag

Kritik der schwarzen Vernunft (französisch Critique de la raison nègre) ist die 2013 bei La Découverte erschienene Untersuchung von Achille Mbembe über die Rasse als eine Erfindung der modernen Ökonomie. Deutsch kam der Band 2014 bei Suhrkamp heraus, 2017 als Taschenbuch Wissenschaft. Michael Bischoff hat übersetzt. 2015 erhielt das Buch den Geschwister-Scholl-Preis.

Inhalt

Mbembe schreibt keine Geschichte Afrikas und keine Moral des Antirassismus. Er fragt, welche Vernunft den Menschen zur Ware und zur Rasse gemacht hat. Der Titel spielt auf Immanuel Kants Kritik der reinen Vernunft an: nicht die Bedingungen der Erkenntnis, sondern die Bedingungen einer Welt, in der ein Mensch als Schwarzer gilt, das heißt als Inventar, Arbeitskraft, Gefahr und später als Markt. Die schwarze Vernunft ist nicht die Vernunft der Schwarzen. Sie ist die Vernunft, die diese Figur hervorgebracht hat. Drei Zeiten trägt das Buch. Zuerst der atlantische Sklavenhandel: der Mensch als Sache, verschifft, versichert, verzinst. Dann die Kolonie: der Mensch als Rohstoff einer Zivilisierungsmission, die denselben Körper diszipliniert, den sie für unfertig erklärt. Zuletzt die Gegenwart, in der das, was dem Sklaven und dem Kolonisierten angetan wurde – Überwachbarkeit, Ersetzbarkeit, das nackte Leben als Kalkül –, zur allgemeinen Lage des Kapitals wird. Mbembe nennt das ein Schwarzwerden der Welt: nicht alle werden schwarz, aber immer mehr Menschen werden behandelt, als wären sie die Ware, die der Atlantik erfunden hat.

Das Buch denkt Afrika als Verhältnis, nicht als Kontinent mit Wesen. Europa hat sich als Vernunft gesetzt, indem es ein Außen schuf, das Natur, Rasse, Kindheit der Menschheit heißen durfte. Mbembe liest Fanon, die Diaspora, die Literatur, die politische Ökonomie; er nimmt das historische Schimpfwort, mit dem der Handel den Afrikaner zur Gattung machte, und untersucht es als Kategorie, nicht als Beleidigung, die man durch ein besseres Wort ersetzt. Rasse ist bei ihm eine reale Fiktion: erfunden und doch wirksam, weil sie Arbeit, Recht und Phantasie organisiert hat. Dagegen steht weder die Rückkehr zu einer afrikanischen Substanz noch die Farbe-blinde Universalie, die die Geschichte der Ware streicht. Es geht um eine Welt, in der das Menschsein nicht mehr über den Umweg der Rasse verteilt wird. Der Ton ist essayistisch, dicht, manchmal predigenah. Beispiele kommen aus der Plantage, der Kolonialverwaltung, dem gegenwärtigen Grenzregime, dem Markt, der Haut und Herkunft als Markenzeichen verkauft.

Die Grenze des Buchs ist die Höhe der Formel. Wer konkrete Kolonialgeschichten sucht, findet weniger Archiv als Diagnose. Wer eine Theorie nur der afrikanischen Gegenwart sucht, wird in die allgemeine Moderne gezogen, die Mbembe gerade behauptet: Afrika war Labor, nicht Ausnahme. Die deutsche Debatte von 2020 hat den Namen oft ohne diesen Text geführt und ihn mit anderen Schriften zur israelischen Politik zusammengeschlossen. Das gehört in die Wirkung, nicht in die Behauptung des Bands von 2013. Hier steht, dass Kapitalismus und Rasse zusammen entstanden sind und dass die Kolonie nicht endet, wo die Flagge eingeholt wird.

Einordnung

Nach Frantz Fanons Die Verdammten dieser Erde und Edward Saids Orientalismus ist dies die Umschreibung, die nicht bei der Gewalt und nicht beim Archiv stehen bleibt. Fanon denkt die Befreiung, Said das Wissen, das herrschen hilft; Mbembe denkt die Ware, die den Menschen zur Rasse machte, und die Gegenwart, in der diese Operation sich verallgemeinert. Dipesh Chakrabartys Europa als Provinz verschiebt die Uhr der Historie; Mbembe verschiebt den Körper, der auf dieser Uhr nie ganz als Mensch zählte. In Bücher, die den Kolonialismus umschrieben schließt der Band die Reihe. In Deutschland war er zuerst ein akademischer und feuilletonistischer Erfolg, dann eine Chiffre. Wer nur den Streit von 2020 kennt, hat die Vernunft nicht gelesen, die das Buch seziert. Wer nur die Vernunft kennt, unterschlägt, dass derselbe Autor die Feindschaft später schärfer auf den Staat Israel bezogen hat, als dieser Text allein trägt.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.