Die Ästhetik des Widerstands

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Die Ästhetik des Widerstands
Autor(en): Peter Weiss
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Suhrkamp
Serie:
Erscheinungsjahr: 1981
Seitenanzahl: 1195 Seiten
Originaltitel: Die Ästhetik des Widerstands
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3518456881
ISBN-13/

EAN-Code:

9783518456880
Schlagwörter: Widerstand, Exil, Kunst, Arbeiterschaft
Sachgebiete: Roman
Rezensionen
Umschlag

Die Ästhetik des Widerstands ist der dreibändige Roman von Peter Weiss, 1975, 1978 und 1981 bei Suhrkamp erschienen; 1981 lag das Werk vollendet vor. Ein namenloser Erzähler, Arbeiterjugend in Berlin, geht 1936 mit Freunden vor den Pergamonaltar und liest aus den Figuren den Kampf der Unteren. Der Roman führt von Berlin über Prag in den Spanischen Bürgerkrieg, ins Stockholmer Exil und an die Hinrichtungsstätten der Roten Kapelle. Weiss hat Kunstbetrachtung, Parteigeschichte und Biographie zu einem Block gegossen, fast ohne Absätze in manchen Lagen, ohne Anführungszeichen. Das Buch wurde zum Maß, an dem linker Roman nach 1945 gemessen wird, und blieb einem kleineren Kreis näher als der große Verkauf.

Inhalt

Berlin, die späten dreißiger Jahre. Der Erzähler, Sohn proletarischer Eltern, sitzt mit Horst Heilmann und Hans Coppi vor dem Fries von Pergamon: Herakles, die Giganten, die Gewalt der Sieger, die noch erkennbaren Besiegten. Sie wollen wissen, wie man sieht, ohne die Herrschaft zu wiederholen, und wie man kämpft, ohne die Kunst zu verraten. Die drei sind jung, kommunistisch, lesend; die Stadt wird enger. Über die Tschechoslowakei gelangt der Erzähler nach Spanien, in die Internationalen Brigaden, in eine Niederlage, die er nicht als Abenteuer erzählt, sondern als Schule der Organisation, des Zweifels, des Todes. Namen der Kunstgeschichte – Géricault, Goya, Dante, die Hölle der Gerichtsmauer – schieben sich in die Front, als wären Bilder Waffen und Waffen unlesbar ohne Bilder.

Der zweite Band gilt Stockholm. Weiss, selbst Emigrant in Schweden, lässt den Erzähler in die Exilkreise geraten: Bertolt Brecht am Arbeitstisch, Ärzte, Funktionäre, der Streit zwischen den Linien, die Angst vor Moskau, die Ohnmacht, von außen zu helfen. Die Eltern des Erzählers, nach Schweden gekommen, tragen die deutsche Arbeiterexistenz weiter; die Mutter wird später ausgeliefert und kommt um. Coppi und Heilmann bleiben in Berlin, in der Roten Kapelle um Harro Schulze-Boysen und Libertas Schulze-Boysen, in der illegalen Arbeit, die das Reich von innen trifft. Weiss montiert echte Tote und erfundene Nähe, ohne aus dem Roman ein Protokoll zu machen. Die Ästhetik, die der Titel verspricht, ist keine Lehre vom Schönen, sondern die Frage, welche Form der Widerstand braucht.

Der dritte Band führt in die Zelle, vor das Fallbeil, in die Briefe der Verurteilten. Heilmann, Coppi, die Schulze-Boysens – Endstation Plötzensee. Der Erzähler überlebt im Exil und schreibt, als gälte es, den Toten die Bilder nachzutragen, die sie nicht mehr sehen. Herakles kehrt wieder, nicht als Sieger, sondern als der, der den Mist mistet. Weiss hat keine versöhnliche Heimkehr gebaut: Der Widerstand bleibt Vermächtnis, die Partei bleibt schuldig und nötig, die Kunst bleibt der Ort, an dem die Besiegten sichtbar sind. Der Roman endet, wo die Stimmen der Hingerichteten noch sprechen, und der Erzähler zuhört, als wäre Zuhören die letzte Politik, die ihm bleibt.

Einordnung

Weiss, Maler, Auschwitz-Stück, Dokumentartheater, hat in diesem Roman das Lebenswerk gesehen. Die Linke las ihn als Schulbuch der Solidarität, die Literaturkritik als Ungetüm aus Essay und Fabel. Beides trifft. Der Satzfluss – oft Seiten ohne Ruhe – erzwingt ein Mitgehen, das dem illegalen Gespräch näher ist als dem Kapitelroman. Neben den Exilbüchern von Anna Seghers und neben Weiss’ eigenem Ermittlung-Gestus steht die Ästhetik als Versuch, den Faschismus nicht nur zu denunzieren, sondern die Kultur derer zu schreiben, die ihn bekämpften. Brecht im Stockholmer Zimmer ist Figur und Zitat.

Dass der Band einem kleinen Kreis heilig blieb und der großen Leserschaft fern, liegt an der Schwierigkeit, nicht am Gegenstand. Suhrkamp hält die Broschur von fast zwölfhundert Seiten; wer sie teilt, verliert den Atem, den Weiss wollte. Verfilmungen im engen Sinn gibt es nicht, wohl Inszenierungen und Lesungen, die den Pergamonaltar als Bühne nehmen. Der Roman hat die Debatte, ob Widerstand eine Ästhetik haben darf, nicht beendet. Er hat sie an den Fries gebunden, an dem die Sieger schon immer die Besiegten unter die Hufe nehmen. Wer nach Weiss über Kunst und Politik spricht, ohne diesen Block, spricht an der schwersten deutschen Prosa der Nachkriegszeit vorbei.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.