Der nackte Affe

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Der nackte Affe
Autor(en): Desmond Morris
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Knaur
Serie:
Erscheinungsjahr: 1967
Seitenanzahl: 256 Seiten
Originaltitel: The Naked Ape
Originalsprache: englisch
ISBN-10: 3426032244
ISBN-13/

EAN-Code:

9783426032244
Schlagwörter: Primat, Sexualität, Evolution, Verhalten
Sachgebiete: Sachbuch, Anthropologie
Rezensionen
Umschlag

Der nackte Affe (englisch The Naked Ape. A Zoologist's Study of the Human Animal) ist das 1967 erschienene Buch des britischen Zoologen Desmond Morris. Der Titel meint, dass unter den Primatenarten nur der Mensch kein Fellkleid trägt. Morris erklärt Herkunft, Sexualität, Aufzucht, Neugier, Kampf, Nahrung und Körperpflege des Menschen so, als sähe ein Zoologe eine weitere Affenart. Das Buch wurde in dreiundzwanzig Sprachen übersetzt, in der britischen Zeitung Daily Mirror in Folgen abgedruckt und in Deutschland bei Droemer Knaur ein langanhaltender Verkaufserfolg. Volker Sommer urteilte, Morris sei 1967 der Sittenstrenge voraus gewesen, weil er menschliches Sexualverhalten ungeniert mit dem anderer Primaten verglich.

Inhalt

Das Buch ist gegen die Sonderstellung geschrieben, die den Menschen aus der Tierreihe herausnimmt, sobald von Begehren, Brutpflege oder Rang die Rede ist. Morris behandelt den Menschen als nackten Affen: ein Raubtier gewordenes Primat der Savanne, das aufrecht geht, Fleisch isst, paarweise bindet und die Jungen lange trägt. Die Nacktheit wird evolutiv erklärt – Hitze, Parasiten, sexuelle Signalwirkung –, die Savannenhypothese liefert den Rahmen: Abstammung vom Wald, Leben in offenem Gelände, Jagd. Sexualität nimmt den größten Raum ein, nicht als Sittenlehre, sondern als Verhaltensvergleich: Paarungsstellung, Brüste, Orgasmus, die Dauer der Empfänglichkeit, Eifersucht und Bindung erscheinen als Lösungen zoologischer Aufgaben, nicht als Kulturerrungenschaften. Morris schreibt leicht, bilderreich, ohne Fußnotenfurcht, für ein großes Publikum, und genau diese Leichtigkeit hat Fachleute gereizt.

Aufzucht und Erziehung werden als verlängerte Jungenpflege gelesen: Spiel, Nachahmung, die lange Abhängigkeit, die das große Gehirn braucht. Neugier gilt als Erkundungstrieb, der in der Stadt neue Reize sucht, wenn die alte Savanne fehlt. Kampf und Drohgebärden, Imponieren und Unterwerfung werden an menschlichen Ritualen wiedererkannt. Nahrungsaufnahme und Körperpflege – vom gemeinsamen Mahl bis zum Putzen – schließen den Kreis zum Primaten. Morris behauptet nicht, Kultur sei nichts; er behauptet, sie sitze auf einem zoologischen Sockel, den die Moralphilosophie gerne übersieht. Gegen die damalige prüde Öffentlichkeit setzt er die Nüchternheit des Beobachters, der Paarung und Stillen so beschreibt wie bei anderen Arten. Der Erfolg in den sechziger Jahren hing an dieser Nüchternheit: sie wirkte befreiend, wo sie entblößte, und anmaßend, wo sie reduzierte.

Unsicher, und heute weitgehend überholt, ist die Savannenhypothese als Leitbild der Menschwerdung. Die Herkunft des aufrechten Gangs und der Nacktheit wird in der Paläoanthropologie anders und vielfältiger erzählt; Elaine Morgans Wasseraffenlehre, selbst als Gegenthese zu Morris gedacht, gilt in der Fachwelt ebenfalls als erledigt. Verhaltensvergleiche mit Menschenaffen haben sich verfeinert: Was Morris als Jagd und Paarbindung der Gattung zuschrieb, ist bei Schimpansen und Bonobos widersprüchlicher. Die Gefahr des Buches ist die kurze Leitung von der Beobachtung zur Natur des Menschen, die dann gesellschaftliche Ordnungen – treue Paare, männliche Jagd, weibliche Brutpflege – als Biologie ausgibt. Erich Fromm hat in der Anatomie der menschlichen Destruktivität gerade solche biologischen Kurzschlüsse auf Aggression hin angegriffen. Wer Morris als Pornographie der Wissenschaft las, verfehlte den zoologischen Ernst; wer ihn als letzten Schlüssel zum Menschen las, verfehlte die Kultur, die der nackte Affe selbst ist.

Einordnung

Der nackte Affe gehört zu den populären Anthropologien, die in den sechziger Jahren den Menschen ins Tierreich zurückschrieben, neben Robert Ardrey und, auf andere Weise, Konrad Lorenz. Er steht gegen die Lehre, der Mensch sei nur Geist, und gegen die Prüderie, die den Leib aus der öffentlichen Rede hält. In Deutschland traf das Buch auf die Studentenbewegung und auf ein Bürgertum, das Zoologie als Sittenlockerung las. Die Reihe der Fortsetzungen – unter anderem über den menschlichen Zoo – hat den Ansatz zur Marke gemacht, ohne die Fachkritik zu entkräften.

Missverstanden wird es, wenn man den Titel für Spott hält; er ist Bestimmung. Missverstanden auch, wenn man jede kulturelle Variante der Liebe als Widerlegung nimmt: Morris redet von Gattungstendenzen, nicht von jedem Einzelfall. Geblieben ist die Zumutung, den Menschen zoologisch zu beschreiben, ohne ihn deshalb für entschuldigt zu halten. Wer nach 1967 über Sexualität als Evolutionsgeschichte spricht, spricht hinter diesem Band, oft genauer, als Morris es konnte, selten ohne sein Bild des nackten Affen.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.