Abermals krähte der Hahn
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Abermals krähte der Hahn |
| Autor(en): | Karlheinz Deschner
|
| Originalsprache: | deutsch |
| Erstveröffentlichung: | 1962 |
| Schlagwörter: | Kirchengeschichte, Evangelien, Papsttum, Macht |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Geschichte |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Alibri
|
| Umfang dieser Ausgabe: | 1019 Seiten |
| ISBN: | 9783865691880 |
| Verweise | |
Abermals krähte der Hahn. Eine kritische Kirchengeschichte ist das 1962 bei H. E. Günther in Stuttgart erschienene Werk von Karlheinz Deschner. Der Titel zitiert Markus 14,72, die zweite Hahnenschrei nach der Verleugnung des Petrus. Deschner nannte es ein Buch „von einem Laien für Laien“; mehr als viertausend Belegstellen und über siebenhundert Titel der Sekundärliteratur sollen die Laienrede absichern. Der Schwerpunkt liegt auf der Alten Kirche, mit Ausblicken auf Mittelalter, Neuzeit und das Verhältnis der Kirchen zum Faschismus. Spätere Untertitel spitzen zu: „Demaskierung des Christentums von den Evangelisten bis zu den Faschisten“. Die Alibri-Ausgabe von 2015 zählt 1019 Seiten und bleibt die greifbare Vorstufe zu Deschners zehnbändiger Kriminalgeschichte des Christentums.
Inhalt
Deschner schreibt gegen eine Kirchengeschichte, die er als Selbstverklärung der Sieger liest. Im ersten Buch gelten die Evangelien nicht als Bericht, sondern als fortschreitende Vergöttlichung eines historischen Wanderpredigers, der sich nicht als Gottessohn verstand, das nahe Ende erwartete und dessen Lehre aus Judentum, Mysterienkulten, Buddhismus und Zarathustra zusammengesetzt sei. Geburts-, Wunder- und Auferstehungsgeschichten seien spätere Erfindungen. Kirchliche Verbote, Laien die Bibel zu lesen, von Toulouse 1229 bis zu einem Gutachten unter Julius III., dienen als Beweis eines Interesses, das Volk vom Wort fernzuhalten. Das zweite Buch gilt Paulus: nicht dem Interpreten Jesu, sondern dem Schöpfer einer eigenen Theologie aus griechischem Mythos, Erbsünde, Vorherbestimmung und jenseitigem Himmel, im Machtkampf mit der Jerusalemer Gemeinde.
Das dritte Buch untersucht Ämter, Papsttum, Taufe, Abendmahl, Mönchtum, Heiligen- und Marienverehrung als Bildungen, die der Lehre Jesu widersprächen. Die Christenverfolgungen seien von der Kirche übertrieben und heroisiert, Märtyrer oft erfunden. Das vierte Buch erzählt den Sieg über Juden, Heiden und abweichende Christen als Folge von Machtkämpfen, in denen sich eine Strömung durchsetzte und die anderen mit Gewalt ausschloss. Ein Kapitel gilt der Kirche und dem Krieg; ausführlich wird die Haltung zu Mussolini, Franco und Hitler belegt, als Duldung oder Unterstützung. Kirchengeschichte ist für Deschner die Geschichte einer Intoleranz, die sich Erlösung nennt. Der Ton ist der des Anklägers, der Akten liest und den Kommentar nicht spart.
Unsicher wird das Werk, wo Herkunftsbehauptungen der Religionsgeschichte der fünfziger Jahre als gesichert gelten und wo aus Ähnlichkeit Abhängigkeit wird. Die historische Jesusforschung, die Deschner benutzt, ist selbst Streit; die pauschale Linie von den Evangelisten zu den Faschisten unterschlägt Brüche, Opfer christlicher Gewaltunterworfener und innere Kritik. Der Apparat beeindruckt; er beweist nicht jede Pointe. Gegenpositionen – dass Institutionen notwendig entstehen, dass Märtyrerakten nicht sämtlich Fälschung sind, dass Kirchen auch Gewalt begrenzt haben – erscheinen als Apologetik. Deschner hat später die Kriminalgeschichte als Ausführung desselben Programms geschrieben. Die Stärke ist die Sichtung unbequemer Quellen; die Schwäche ist das Urteil, das vor der Sichtung feststeht.
Einordnung
Für die bundesdeutsche Kirchenkritik der sechziger bis achtziger Jahre war der Hahnenschrei das Hausbuch. Er gab Zweiflern das Gefühl, die Zweifel seien gelehrt. Nachbarschaft hat er zu Uta Ranke-Heinemanns späterer Sexualgeschichte und zu einer populären Religionskritik, die Deschner von der Fachkirchengeschichte trennt: Diese wirft ihm Einseitigkeit und veralteten Forschungsstand vor, ohne die Anklage auf Macht und Gewalt entkräften zu können. Das Missverständnis der Anhänger war, der Apparat ersetze die Abwägung; das der kirchlichen Gegner, Laien hätten über die Kirche zu schweigen.
Geblieben ist ein langes Dossier, das die dunkle Seite nicht erfunden, aber zur einzigen Seite gemacht hat. Wer nach 1962 über Evangelienkritik, Paulus und die Kirchen im zwanzigsten Jahrhundert öffentlich stritt, stritt oft mit Deschners Zitaten. Lesen heißt die Belege prüfen und die Linie nicht für die Geschichte selbst nehmen. Die Alibri-Ausgabe hält den Text im Druck, als Dokument einer Anklage, nicht als Lehrbuch der Alten Kirche.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.
