Eunuchen für das Himmelreich

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Eunuchen für das Himmelreich
Autor(en): Uta Ranke-Heinemann
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Heyne
Serie:
Erscheinungsjahr: 1988
Seitenanzahl: 512 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3453165055
ISBN-13/

EAN-Code:

9783453165052
Schlagwörter: Sexualmoral, Zölibat, Kirche, Verhütung
Sachgebiete: Sachbuch, Theologie
Rezensionen
Umschlag

Eunuchen für das Himmelreich. Katholische Kirche und Sexualität ist das 1988 bei Hoffmann und Campe erschienene Buch der Theologin Uta Ranke-Heinemann. Der Titel greift Matthäus 19,12 auf, wo von Menschen die Rede ist, die sich um des Himmelreiches willen zur Ehe unfähig gemacht haben; der griechische Text sagt εὐνοῦχοι, Eunuchen. Ranke-Heinemann, erste Professorin für katholische Theologie, hatte 1987 nach Bestreiten der Jungfrauengeburt die kirchliche Lehrbefugnis verloren. Das Buch wurde 1989 das zweitmeistverkaufte Sachbuch des Jahres; bis Ende 1990 waren 300000 Exemplare gedruckt. Die erweiterte Heyne-Ausgabe von 2012 führt die Geschichte bis Benedikt XVI. Es ist Kirchenkritik aus der Theologie, kein Feuilleton.

Inhalt

Ranke-Heinemann schreibt gegen eine römische Sexualmoral, die sie als lustfeindlich und als Schrumpfung des Christentums auf Verbote liest. Die Kirche habe den Leib unter Generalverdacht gestellt und die Ehe nach dem Maß der Enthaltsamkeit geformt, nicht nach dem der Liebe. Verhütung, die kirchliche Lehre von der Unfähigkeit zum Beischlaf als Ehehindernis göttlichen Rechts und die Verwerfung gelebter Homosexualität sind für sie Beispiele einer Lehre, die den Menschen an der Stelle trifft, an der er lebt. Der Einsatz für das ungeborene Leben erscheine unverhältnismäßig, wo derselbe Eifer für Geborene fehle. Der historische Durchgang soll zeigen, dass diese Strenge nicht vom Nazareth des Evangeliums stammt, sondern von asketischen und rechtlichen Schichtungen der Spätantike und des Mittelalters.

Die Beweisführung sammelt Konzilstexte, Beichtspiegel, theologische Gutachten und päpstliche Schreiben. Kirchenväter, Scholastik, neuzeitliche Moraltheologie und das Lehramt des zwanzigsten Jahrhunderts erscheinen als eine Linie der Angst vor der Lust. Der Zölibat gilt nicht als charismatische Gabe, sondern als Institution, die Sexualität aus dem Amt drängt und ins Verborgene treibt. Ranke-Heinemann spricht als Insiderin, die die Quellen kennt und den Ton der Kanzel. Sie polemisiert, ohne die Belege zu unterschlagen; die Schärfe ist Teil der These, dass milde Umschreibung die Lehre schon schont. Frauen kommen als Objekte der Regelung vor: Empfängnis, Unfruchtbarkeit, Gehorsam. Die Kirche, die das Himmelreich den Verschnittenen zuspricht, habe die Lebendigen kastriert.

Unsicher wird das Buch, wo die Geschichte zur Anklage mit feststehendem Urteil wird. Gegenstimmen innerhalb der Tradition – ehfreundliche Stränge, mystische Leiblichkeit, das Zweite Vatikanum – kommen vor, um übertönt zu werden. Der Ton ist der der öffentlichen Abrechnung, gelehrt und verletzend, oft witzig, selten geduldig. Die Gegenposition, Sexualmoral sei Schutz der Schwachen und der Verbindlichkeit, nicht nur Herrschaft über Körper, wird als Heuchelei geführt. Ranke-Heinemann weiß, dass sie nicht mehr im Namen der Fakultät spricht; sie spricht im Namen der Geschädigten der Lehre. Das gibt dem Buch Kraft und macht es parteiisch. Es ist Theologie als Prozess, nicht als Abwägung.

Einordnung

Kaum ein katholisches Sachbuch der achtziger Jahre hat so weit über die Kirche hinaus gewirkt. Es besetzte die Debatte um Verhütung, Zölibat und Frauen vor den Missbrauchsskandalen der späteren Jahrzehnte und lieferte ihnen nachträglich eine Sprache. Nachbarschaft hat es zu Karlheinz Deschners Kirchenkritik, von der es sich durch theologische Schulung und durch den Ausgangspunkt im eigenen Amt unterscheidet, und zu feministischer Theologie, die denselben Stoff weniger als Pamphlet, mehr als Systemkritik trieb. Das Missverständnis der Anhänger war, hier sei das letzte Wort über zwei Jahrtausende; das der kirchlichen Gegner, Kritik an der Moral sei Abfall vom Glauben.

Geblieben ist der Titel als Formel für eine Kirche, die Heiligkeit mit Verschnittenheit verwechselt. Wer nach 1988 über katholische Sexuallehre spricht, spricht hinter diesem Buch oder gegen es – selten unberührt. Die Heyne-Ausgabe hat die Polemik bis in das Pontifikat Benedikts verlängert; der Kern von 1988 ist derselbe. Lesen heißt die Quellen prüfen, nicht den Zorn für den Beweis nehmen.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.