1913. Der Sommer des Jahrhunderts

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: 1913. Der Sommer des Jahrhunderts
Autor(en): Florian Illies
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Fischer Taschenbuch
Serie:
Erscheinungsjahr: 2012
Seitenanzahl: 320 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3596193249
ISBN-13/

EAN-Code:

9783596193240
Schlagwörter: Vorkrieg, Moderne, Kunstbetrieb, Anekdote
Sachgebiete: Sachbuch, Geschichte
Rezensionen
Umschlag

1913. Der Sommer des Jahrhunderts ist das 2012 bei S. Fischer erschienene Buch von Florian Illies über das Jahr vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Es erzählt politische, vor allem aber kulturelle Begebenheiten in Monatskapiteln, denen oft das Foto eines zeitgenössischen Gemäldes vorangestellt ist. Die Form sind kurze Abschnitte, manchmal ein einziger Satz, in der Gegenwart erzählt und ironisch kommentiert. Innerhalb weniger Wochen stand der Band auf der Sachbuchliste des Spiegel, achtzehn Wochen lang auf dem ersten Platz; die Angaben über die verkaufte Auflage schwanken zwischen Hunderttausenden und über einer Million. 2018 folgte die Fortsetzung 1913: Was ich unbedingt noch erzählen wollte.

Inhalt

Illies schreibt gegen die Geschichtsschreibung, die 1913 nur als Vorabend der Katastrophe kennt. Er montiert Anekdoten aus Literatur, Malerei und Musik, als wäre das Jahr ein Salon, der von Paris bis Moskau, von London über Berlin nach Venedig reicht. Relativ viel Raum erhalten die Beziehungen: Oskar Kokoschka und Alma Mahler, Franz Kafka und Felice Bauer, Sigmund Freud und Carl Gustav Jung, Rainer Maria Rilke und Sidonie Nádherná, Gottfried Benn und Else Lasker-Schüler, Karl Kraus und Franz Werfel, Heinrich Mann und Thomas Mann, dazu James Joyce. Freud veröffentlicht Totem und Tabu; die Moderne treibt Extreme aus, als gäbe es kein Morgen. Illies erzählt das Jahr im Ton eines notorisch gutgelaunten Feuilletons, nah an Atelier, Brief und Skandal.

Die Montage erzeugt Gleichzeitigkeit, nicht Kausalität. Was im Januar in Wien geschieht, steht neben dem, was im März in Paris gemalt wird; der Leser soll spüren, dass alles möglich schien. Der Krieg kommt im Buch als Ahnen vor, nicht als Erklärung. Matthias Matussek las ein Porträt einer apokalyptischen Übergangszeit, Claudius Seidl gerade keinen Text der Beunruhigung, sondern der Freude. Gustav Seibt nannte es ein gewaltiges Lockmittel, das Lust auf die Hervorbringungen dieser schöpferischsten Phase der jungen Moderne mache, und eine einfache Wahrheit: Solcher Reichtum kann über Nacht zugrunde gehen. Hans von Trotha in der Zeit zeigte sich von der Materialmenge überwältigt und nannte das Buch trotzdem keine historische Analyse, sondern eine subjektive, auf Pointen zugeschnittene Zusammenstellung, der er sich gern blenden lasse.

Illies wird unsicher, wo die Pointe die Sache ersetzt. Die Dichte der Namen erzeugt den Schein von Vollständigkeit und ist Auswahl: der Kunstbetrieb, nicht die Fabrik; die Nervosität der Ateliers, nicht die der Kasernen, es sei denn als Anekdote. Das Jahr wird zur Anordnung, in der Zitat und Nachzeichnung ununterscheidbar werden. 2016 haben die Bühnen Halle den Stoff als Puppentheater gegeben; die Form verträgt die Bühne, weil sie schon Revue ist. Wer Fakten sucht, findet sie, oft funkelnd; wer den Zusammenhang des Jahres mit dem Krieg von 1914 sucht, muss ihn selbst herstellen. Das Buch weigert sich, Historiker zu sein, und gewinnt daraus seine Lesbarkeit.

Einordnung

Als Sachbuch des Geschichtsflaneurs hat 1913 eine Gattung popularisiert: das Jahr als Mosaik, die Kulturgeschichte als Beziehungsgeflecht Prominenter. Es steht neben den großen Erzählungen der Spezies – Yuval Noah Hararis Eine kurze Geschichte der Menschheit greift Jahrtausende, Illies zwölf Monate – und neben der älteren Zeitdiagnose, die 1914 als Bruch setzt, während Illies 1913 als Sommer erscheinen lässt, in dem die Unschuld schon verloren war. Die Fachhistorie hat den Fleiß gelobt und die Gefälligkeit getadelt. Der Verkaufserfolg hat die Tadel nicht erreicht.

Wer das Buch als Analyse der Vorkriegsgesellschaft liest, überfordert es. Wer es als bloßes Geschichtchenbuch abtut, verfehlt, dass die Montage eine Behauptung ist: Die Moderne war 1913 schon bei sich, bevor die Kanonen sie anders erinnerten. Die Fortsetzung von 2018 hat den Rest der Zettel nachgereicht und damit eingestanden, dass kein Sommer vollständig erzählt wird. Geblieben ist ein lesbares, parteiisches Panorama, das Lust auf die Werke macht, aus denen es seine Glanzlichter schneidet – und die Frage, ob solche Herrlichkeit über Nacht zugrunde geht, weil niemand den Krieg in den Salons sah, oder weil die Salons ihn nicht sehen wollten.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.