Technik und Wissenschaft als Ideologie

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Jürgen Habermas · 1968 · Sachbuch, Gesellschaftstheorie
Das Werk
Deutscher Titel: Technik und Wissenschaft als Ideologie
Autor(en): Jürgen Habermas


Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1968
Schlagwörter: Arbeit, Verständigung, Technik, Herrschaft
Sachgebiete: Sachbuch, Gesellschaftstheorie
Greifbare Ausgabe
Verlag: Suhrkamp
Serie: edition suhrkamp
Umfang dieser Ausgabe: 184 Seiten
ISBN: 9783518102879
Verweise
Umschlag

Technik und Wissenschaft als „Ideologie“ ist der 1968 in der edition suhrkamp erschienene Aufsatzband von Jürgen Habermas, Herbert Marcuse zum siebzigsten Geburtstag zugeeignet. Dem größeren Buch Erkenntnis und Interesse folgend, eröffnet er das Vorhaben einer kritischen Gesellschaftstheorie, die bei der Verständigung ansetzt. Der titelgebende Aufsatz und die Studie über Arbeit und Interaktion bei Hegel bilden den Kern. Habermas will zeigen, wie Technik und Wissenschaft in fortgeschrittenen Industriegesellschaften selbst zur Rechtfertigung von Herrschaft werden.

Inhalt

Habermas schreibt gegen zwei Verkürzungen: gegen Karl Marx, sofern Klassenkampf und Ideologie noch umstandslos gelten sollen, und gegen Marcuses Hoffnung auf eine qualitativ andere Technik. Zwei Entwicklungstendenzen des Spätkapitalismus nehmen den Marxschen Anfangsbedingungen die Grundlage: die eingreifende Staatstätigkeit, die das System stabilisieren muss, und die Verflechtung von Forschung und Technik, die die Wissenschaft zur ersten Produktivkraft macht. Politik ist nicht mehr bloßer Überbau. An die Stelle der Ideologie des freien und gerechten Tausches tritt ein Ersatzprogramm aus Leistungsdenken, Wohlfahrtsminima und Sicherheit des Arbeitsplatzes. Praktische Fragen der Lebensgestaltung weichen der Lösung technischer Aufgaben.

An der Unterscheidung von Arbeit und Interaktion entfaltet sich die Behauptung. Arbeit oder zweckrationales Handeln folgt technischen Regeln und Strategien; Interaktion oder kommunikatives Handeln folgt verpflichtenden Normen, die wechselseitige Erwartungen festlegen und anerkannt sein müssen. Wer technische Regeln verletzt, scheitert an der Wirklichkeit; wer Normen verletzt, trifft auf gesetzte Strafen. Marx habe Interaktion auf Arbeit zurückgeführt; Habermas hält beide für unverkürzbar. Marcuses alternative Einstellung zur Natur ergebe keine neue Technik, denn Technik folge der Logik der Arbeit, solange Menschen ihr Leben durch gesellschaftliche Arbeit erhalten. Rationalisierung auf der Ebene der Zwecke steigert Verfügungsgewalt; Rationalisierung des institutionellen Rahmens kann nur im Medium herrschaftsarmer, öffentlicher Erörterung von Normen geschehen.

Unsicher wird der Band, wo die Zweiheit der Handlungstypen die Gesellschaft tragen soll und die Träger neuer Konflikte unscharf bleiben. Habermas sieht mögliche Belebung im System der durch Massenmedien verwalteten Öffentlichkeit, bei Schülern und Studenten. Die Diagnose der Enthumanisierung – Menschen machen Geschichte mit Willen, aber nicht mit Bewusstsein – steht der Dialektik der Aufklärung und Marcuses eindimensionalem Menschen näher, als der Anspruch eines differenzierteren Apparats wahrhaben will. Der Ethnologe Gerd Spittler hat später eingewandt, Arbeit sei immer auch Verständigung, nicht bloßes Zweckhandeln. Die Tabelle der beiden Handlungstypen ist klar und schematisch; die Politik, die nur noch Sachzwänge kennt, hat das Schema inzwischen alltäglich bestätigt und die Hoffnung auf die öffentliche Erörterung nicht eingelöst.

Einordnung

Rolf Wiggershaus las in dem Band die erste vielschichtige Analyse der Pathologie der Moderne nach Adorno und Horkheimer, Helmut Dubiel die Keime der später entfalteten Theorie des kommunikativen Handelns. Habermas tritt aus der älteren Kritischen Theorie heraus, ohne deren Diagnose ganz zu verlassen: er fügt die lebensweltliche Dimension der Verständigung hinzu. Der Aufsatz über Hegels Jenenser Philosophie des Geistes holt Arbeit, Sprache und Interaktion als Bildungsmuster des Bewusstseins zurück, bevor Marx sie auf Produktion verengt.

Neben Webers Rationalisierungsthese und Marcuses Technik- und Gesellschaftskritik steht das Buch als der Versuch, zwei Begriffe von Rationalisierung auseinanderzuhalten. Wer über Sachzwang, Technokratie und die Frage spricht, ob Wissenschaft Herrschaft rechtfertigt, hat hier die klassische Formulierung der westdeutschen sechziger Jahre. Die edition suhrkamp hat den schmalen Band durch Jahrzehnte im Seminar gehalten; die Anführungszeichen im Titel – Ideologie in Gänsefüßen – markieren, dass der alte Ideologiebegriff selbst zur Prüfung steht.

Ideen

Ideologie

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.