Small World
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Small World |
| Autor(en): | Martin Suter |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Diogenes |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1997 |
| Seitenanzahl: | 336 Seiten |
| Originaltitel: | Small World |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3257230885 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783257230888 |
| Schlagwörter: | Gedächtnis, Familie, Schweiz, Krankheit |
| Sachgebiete: | Roman |
| Rezensionen | |
Small World ist der erste Roman von Martin Suter, 1997 bei Diogenes in Zürich erschienen. Der englische Titel meint keine weite Welt, sondern das Gegenteil: ein Leben, das sich auf wenige Häuser, ein Geheimnis und ein schwindendes Gedächtnis zusammenzieht. Konrad Lang, alt und heruntergekommen, verliert die Gegenwart und gewinnt die Kindheit zurück; die Familie, die ihn einst geduldet hat, fürchtet genau diese Rückkehr. Suter, vorher Werbetexter, hat aus der Demenz keinen erbaulichen Lehrsatz gemacht, sondern einen Gesellschaftsroman, der wie ein Kriminalfall gelesen werden will. Der Band eröffnete eine lose Folge um das Gehirn und seine Tücken; die Kritik nahm den Erstling als genaue Schweizer Studie über Geld, Scham und Pflege.
Inhalt
Konrad Lang, Mitte sechzig, hütet auf Korfu die Ferienvilla der Industriellenfamilie Koch, in deren Welt er als Kind hineingeraten ist, ohne je dazuzugehören. Die Villa ist für den Winter nicht eingerichtet; Konrad heizt im Gästetrakt mit Benzin und setzt den Bau in Brand. Thomas Koch, der Stiefsohn der Konzernchefin, holt ihn in die Schweiz. Elvira Senn, achtzig und unangefochtenes Oberhaupt der Koch-Werke, zahlt Wohnung und Taschengeld weiter, als sei Großmut die billigste Form der Kontrolle. Konrad lernt Rosemarie Haug kennen, will heiraten, hört auf zu trinken – und vergisst Namen, Wege, schließlich die Frau selbst. Der Neurologe spricht von fortschreitender Demenz; Rosemarie lässt Konrad in ein Pflegeheim einweisen. Je weniger er von der Gegenwart behält, desto schärfer öffnet sich die Kindheit: Er und Thomas, Spielkameraden auf dem Anwesen, der eine der Lakai, der andere der Erbe.
Im Heim stürzt Konrad aus dem dritten Stock; die Feuerwehr fängt ihn auf. Simone Koch, die Schwiegertochter, holt ihn ins Gästehaus der Familienvilla, lässt das Zimmer überwachen und zeigt ihm heimlich kopierte Kinderfotos, die Elvira unter Verschluss hält. Konrad erzählt zu den Bildern, bis er die Namen vertauscht, als wisse er nicht mehr, wer von den beiden Jungen er selbst gewesen sei. Elvira hat Grund zur Angst. Konrad Lang ist in Wahrheit der leibliche Sohn des toten Wilhelm Koch; Thomas ist Elviras Kind aus einer Vergewaltigung, das sie als Erben eingeschleust hat, nachdem sie den Ehemann beseitigte. Der echte Koch-Sohn wuchs bei Elviras Halbschwester auf und durfte nur als Anhängsel im Haus der Reichen leben. Als ein Versuchsmedikament Konrads Sprache und Erinnerung zurückholt, versucht Elvira, ihn mit einer Insulininfusion umzubringen. Das Pflegepersonal rettet ihn; die Kamera hat Elvira festgehalten. Wenige Tage später stirbt sie bei einem Autounfall.
Jahre danach ist die Therapie so weit gediehen, dass Konrad wieder sprechen und einigermaßen selbständig leben kann. Das Medikament, anfangs noch in der Erprobung, ist zugelassen. Simone bleibt die Figur, die sehen wollte, was die Familie nicht sehen sollte. Suter lässt den Schluss beinahe heiter wirken, ohne die Rechnung zu löschen: Ein Leben ist vertauscht worden, und die Krankheit hat das Vertauschte nur sichtbar gemacht. Der Titel hält, was er verspricht: Die Welt der Kochs ist klein, weil sie auf einer Lüge steht, und Konrad sprengt sie, indem er sich erinnert, während er vergisst.
Einordnung
Suter hat den Schweizer Reichtum nicht als Kulisse benutzt, sondern als Täter. Die Koch-Werke, die Villa, das Taschengeld: Das sind Instrumente, mit denen eine alte Frau eine Kindstauschung durch die Jahrzehnte trägt. Die Demenz ist hier kein bloßes Motiv des Mitleids; sie kehrt die Zeit um und zwingt die Gegenwart, die Vergangenheit auszuhalten. Zeitgenossen lasen den Roman oft als spannende Fallgeschichte; genauer ist er ein Buch über Herkunft, die man kaufen und umbenennen kann. Die neurologische Trilogie – nach Small World folgten weitere Bände um Bewusstsein und Täuschung – hat Suter als Autor festgesetzt, der medizinische Stoffe in Gesellschaftsprosa übersetzt, ohne Klinikjargon zur Zierde zu machen.
2010 hat Bruno Chiche den Stoff mit Gérard Depardieu verfilmt und die Schärfe der Familienrechnung weicher gezeichnet. Der Roman bleibt härter: Elvira ist keine bloße Intrigantin, sondern eine Frau, die aus Schande und Gewalt eine Dynastie gebaut hat. Gegenüber späteren Suter-Büchern, die oft eleganter und kühler erzählen, wirkt der Erstling noch grobkörniger, näher am Melodram – und gerade deshalb genauer in der Frage, wem ein Leben gehört, wenn die Papiere lügen. Wer nach 1997 über Demenz im Roman spricht, kommt an diesem Band nicht vorbei; wer ihn nur für einen Krimi mit Pflegeheim hält, hat die vertauschten Kinder nicht mitgelesen.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
