Autor:Marcel Reich-Ranicki

1920 2013
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Literaturkritiker · Literatur · 20./21. Jahrhundert
Literatur


Marcel Reich-Ranicki, in Włocławek geboren, hat der Bundesrepublik die Literaturkritik als öffentliche Macht gegeben: das Fernsehen, die FAZ, den Schuber, in dem zwanzig Romane Nationalliteratur werden sollten. Der Name steht hier, weil ohne ihn der Kanon der Nachkriegsprosa eine andere Adresse hätte – und weil derselbe Name in Martin Walsers Tod eines Kritikers zur Figur wurde.

Leben

Das Warschauer Ghetto, die Flucht, die Jahre in Polen, 1958 die Übersiedlung in die Bundesrepublik. Der Umweg ist diese doppelte Herkunft: wer überlebte, indem er Sprachen und Seiten wechselte, hat später über Bücher so gesprochen, als ginge es um Leben und Tod. In Hamburg, dann in Frankfurt die Literaturredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung; von 1988 an das Literarische Quartett. Er starb in Frankfurt am Main.

Wirkung

Reich-Ranicki hat die Kritik aus dem Feuilleton in die Wohnzimmer geholt und sie dort nicht milder gemacht. Das Quartett entschied über Sichtbarkeit; der Verriss konnte ein Buch töten oder, wie bei Grass’ Ein weites Feld, ihm Leser zutreiben. 2002 legte der Insel Verlag den Roman-Schuber vor, den der Essay zu Reich-Ranickis Kanon als öffentliche Geste liest: Lesbarkeit neben Rang, Goethe vor fast allem, Anna Seghers als einzige Frau unter zwanzig Romanen.

Die Nachwelt hat ihn zum Papst der Literatur gemacht und zum Tyrannen des Betriebs. Beides hat er bedient. Wer nur den Fernsehkritiker kennt, unterschlägt die Essays, in denen er Heine, Kafka und die polnische Moderne ernst nahm. Wer nur den Kanon rettet, unterschlägt, dass dieselbe Stimme in Walsers Roman als Macht erschien, die über Leben und Tod eines Buches entscheidet – und dass dieser Roman selbst zum Fall wurde.

Werke

In Auswahl: Mein Leben, Über Literaturkritik, der Insel-Schuber Der Kanon. Die deutsche Literatur.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.