Ein weites Feld

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Ein weites Feld
Autor(en): Günter Grass
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: dtv
Serie:
Erscheinungsjahr: 1995
Seitenanzahl: 784 Seiten
Originaltitel: Ein weites Feld
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3423124474
ISBN-13/

EAN-Code:

9783423124478
Schlagwörter: Wiedervereinigung, Berlin, Fontane, Spitzel
Sachgebiete: Roman
Rezensionen
Umschlag

Ein weites Feld ist der 1995 bei Steidl erschienene Roman von Günter Grass über die deutsche Einheit, erzählt aus ostdeutscher Sicht zwischen Mauerfall und Oktober 1991. Der Titel zitiert den Vater in Theodor Fontanes Effi Briest, der unbequeme Fragen mit dem Satz abtut, das sei ein weites Feld. Grass macht daraus ein Programm: Die Gegenwart der Treuhand und der D-Mark wird mit Fontanes Jahrhundert kurzgeschlossen. Hauptfigur ist der Bürobote Theo Wuttke, genannt Fonty, auf den Tag hundert Jahre nach Fontane in Neuruppin geboren, und sein „Tagundnachtschatten“ Hoftaller, ein Spitzel, der aus Hans Joachim Schädlichs Tallhover weiterlebt. Noch vor der Auslieferung zerriss Marcel Reich-Ranicki das Buch öffentlich; es wurde trotzdem ein Verkaufserfolg.

Inhalt

Im Dezember 1989 gehen Fonty und Hoftaller zu den Mauerspechten am Brandenburger Tor. Fonty zitiert Siegesgedichte von 1871, Hoftaller vermisst die Wachsamkeit des untergehenden Staates. Der eine ist Fontane-Wiedergänger, Vortragsreisender des Kulturbunds, später Aktenbote im Haus der Ministerien, das nacheinander Reichsluftfahrtministerium, DDR-Behörde und Treuhandanstalt war; der andere hat ihn seit der Gestapo-Zeit, spätestens seit der Stasi, geführt, erpresst und beschützt. Erzählt wird von einem Wir des Potsdamer Fontane-Archivs, das die beiden beobachtet. Fonty will mit dem umgetauschten Geld nach Schottland; Hoftaller holt ihn aus dem Zug. Die Tochter Martha heiratet den Westdeutschen Heinz-Martin Grundmann, eine deutsch-deutsche Hochzeit, bei der ein zweifelnder Priester predigen darf, man solle nicht blindlings glauben.

Im Paternoster des Ministeriums hat Fonty einst die spätere Frau Emmi geküsst; dort übergab er Kassiber, dort begegnet er dem Treuhandchef, in dem sich Göring, Ulbricht und Detlev Rohwedder überlagern. Auf Hiddensee spricht Fonty mit dem jüdischen Staatsrechtler Professor Freundlich, der nach der Evaluation kein Bleiberecht mehr in Jena sieht. Hoftaller konfrontiert Fonty mit alten Affären in Lyon und Dresden; die französische Enkelin Madeleine taucht auf, Germanistikstudentin, rudert mit dem Großvater auf dem Neuen See und rettet bei den Einheitsfeiern eine Frau vor dem Ertrinken. Fonty erhofft sich von diesem Vaterland wenig. Ausflüge in die Lausitzer Tagebaue zeigen Abraum und Staatspleite; Hoftaller erklärt, der Westen werde sich verschlucken. In Neuruppin zwingt er Fonty, sich neben das Fontane-Denkmal zu setzen.

Der Treuhandchef rollschuht nachts durch die Gänge und holt sich bei Fonty Trost aus Fontanes Wilddieb-und-Förster-Logik; er wird ermordet. Fonty verliert das Arbeitszimmer, Freundlich geht in den Freitod. Madeleine übernimmt die Pflege, als Hoftaller Fonty an der Flucht nach England hindert. Gemeinsam besuchen sie Kleists Grab und die Überführung der Hohenzollernsärge nach Potsdam. In der Kulturbrauerei hält Fonty einen Vortrag, der Kindheit, achtundvierzig und Treuhand in Brandreden Fontanescher Figuren verwandelt – bis wirklich Sirenen heulen: Der Paternoster brennt. Tags darauf ist das Gebäude heil, Fonty verschollen. Mit Madeleine setzt er sich nach Schottland ab, Hoftaller lernt Spanisch für Lateinamerika. Das Feld bleibt weit: Einheit, Schuld, Wahrheit, alles Sätze, die Fonty zitiert, ohne sie zu schließen.

Einordnung

Grass hatte 1989 gegen den schnellen Beitritt gesprochen und Auschwitz als Maß der deutschen Frage genannt; der Roman setzt diese Politik in Plauderei, Zitat und Spitzelpaar um. Die Kritik las zuerst die Gesinnung und erst später das Verfahren: Faktisches wird fiktional, Fontanes Figuren laufen durch die Treuhand, niemand weiß mehr, was gewesen ist. Neben Die Blechtrommel ist es Grass' großer Berlin-Roman nach Döblin, ein Gedächtnisraum aus Brüchen, nicht aus Siegesalleen. Der Paternoster als Auf und Ab der deutschen Behörden ist das stärkste Bild; Hoftaller bleibt die These, dass Aufsicht in diesem Land nicht abdankt.

Reich-Ranickis Verriss auf dem Titel des Spiegel hat dem Buch mehr Leser zugetrieben, als jede Laudatio gekonnt hätte. Wer nach 1995 über Wiedervereinigung als Abwicklung spricht, spricht hinter Fonty, auch wer Grass Unrecht gibt. An Fontane bindet der Roman mehr als einen Titel: die Gesprächskunst, die Uneindeutigkeit, den märkischen Spaziergang, das weite Feld als Verweigerung des letzten Wortes. Hoftaller sitzt immer noch im Boot. Madeleine rudert.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.