Ein fliehendes Pferd

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Martin Walser · 1978 · Novelle


Das Werk
Deutscher Titel: Ein fliehendes Pferd
Autor(en): Martin Walser
Originaltitel: Ein fliehendes Pferd
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1978
Schlagwörter: Bodensee, Ehe, Krise, Ironie
Sachgebiete: Novelle
Greifbare Ausgabe
Verlag: Suhrkamp
Serie: suhrkamp taschenbuch
Umfang dieser Ausgabe: 151 Seiten
ISBN: 9783518370001
Verweise


Ein fliehendes Pferd ist die 1978 bei Suhrkamp erschienene Novelle Martin Walsers über zwei Paare am Bodensee, deren Ferientage die westdeutsche Selbstgewissheit als Kampf ums Überleben entlarven. Helmut Halm, Studienrat, Mitte vierzig, will unbeobachtet bleiben; Klaus Buch, ein alter Schulkamerad, zwingt ihn zum Leben, das als Sport, Wahrheit und Jugend auftritt. Das Buch ist kurz, hart komponiert und wurde zum Schulbuch einer Republik, die sich in der Ironie des Lehrers wiedererkannte, ohne die Gewalt am Ende immer ernst zu nehmen.

Inhalt

Helmut und Sabine Halm verbringen den Urlaub am See, in der Nähe von Wasserburg, wo Walser selbst herkommt. Helmut hat sich eine Haltung gebaut: Distanz, Zitat, der Körper als Last, die Ehe als eingespieltes Schweigen. Dann tauchen Klaus und Helene Buch auf. Klaus ist sonnenbraun, isst vernünftig, redet vom Aufbruch, vom Segeln um die Welt, von einem Leben, das nicht mehr aufgeschoben wird. Helene ist jünger, schön, und Helmut merkt, dass Klaus sie vorführt wie einen Beweis. Die vier geraten in eine Nähe, die keine Freundschaft ist. Klaus will Helmut erziehen; Helmut antwortet mit Spott, der die eigene Angst nicht verbirgt. Sabine sieht beides und hält den Haushalt der Tage zusammen, als wäre Ordnung schon eine Widerlegung.

Die Novelle treibt die Herausforderung in den Körper. Schwimmen, das Boot, der Wein, die Reden über Authentizität, die Helmut als Theater durchschaut und doch trifft, weil er selbst kein anderes Leben hat als die Ironie. Das fliehende Pferd ist ein Bild und eine Begebenheit: ein Tier, das ausbricht, eine Kraft, die sich nicht kommentieren lässt. Walser schreibt die Sätze knapp, fast protokollierend, und gerade darin scharf. Was als Ferienplauderei beginnt, wird ein Zweikampf zweier Männlichkeiten der Bundesrepublik: der Lehrer, der sich hinter Bildung verschanzt, und der Vitalist, der Bildung als Ausrede entlarvt. Helene und Sabine sind nicht Kulisse; sie tragen die Kosten dieser Probe, ohne dass der Text ihnen eine eigene Novelle gönnt. Das ist eine Grenze des Buches und Teil seiner Zeit.

Am See, im Wetterumschwung, kommt es zur Bewährungsprobe, die Klaus gesucht hat. Im Wasser, zwischen Übermut und Not, bleibt einer oben und einer nicht. Helmut kehrt an das Ufer zurück, in die Ehe, in die Ironie, die nun wie Schuld klingt. Ob er Klaus hat sterben lassen, indem er nicht rettete, oder ob Klaus am eigenen Zwang zur Größe gescheitert ist, lässt die Novelle offen. Genau diese Offenheit ist die moralische Zumutung: die westdeutsche Behaglichkeit überlebt, und das Überleben sieht aus wie ein Verbrechen, das niemand anklagt. Der Schluss gibt keine Katharsis. Er gibt die Rückkehr in den Alltag, der sich bestätigt fühlt und beschmutzt.

Einordnung

Die Novelle hat Walser für eine Weile zum Autor des Bodensees gemacht, den man in der Schule las, ohne den späteren Streit um Erinnerung und Kritik schon zu kennen. Peter Beauvais hat sie 1985 verfilmt; Theater und Hörspiel haben die vier Figuren weitergereicht. Im Literaturstreit 1990 steht das Buch als westdeutsches Gegenstück: Innenraum, Kränkung, Bewusstsein, kein Staat, der beobachtet, sondern ein Paar, das sich beobachtet. Tod eines Kritikers hat denselben Verfasser später zum Fall gemacht; wer nur den Fall kennt, hat die Komposition von 1978 nicht gelesen, in der die Gewalt noch als Ferientag auftritt. Neben Siegfried LenzDeutschstunde und Günter GrassDie Blechtrommel ist das fliehende Pferd die kürzere Form derselben Nachkriegsfrage: was aus den Vätern und den Söhnen wird, wenn niemand mehr den Krieg erzählt und trotzdem jemand ertrinkt.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.