Hermann und Dorothea

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Hermann und Dorothea
Autor(en): Johann Wolfgang von Goethe
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Reclam
Serie:
Erscheinungsjahr: 1797
Seitenanzahl: 93 Seiten
Originaltitel: Hermann und Dorothea
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3150000556
ISBN-13/

EAN-Code:

9783150000557
Schlagwörter: Hexameter, Flucht, Bürger, Ehe
Sachgebiete: Erzählung
Rezensionen
Umschlag

Hermann und Dorothea ist das Versepos von Johann Wolfgang von Goethe, 1797 erschienen, in neun Gesängen hexametrisch erzählt, deren Überschriften die Musen nennen. Ein Gastwirtssohn in einer rechtsrheinischen Kleinstadt begegnet einem Mädchen unter den Flüchtlingen, die der Krieg der französischen Republik über den Strom treibt, und die Bürgerlichen ringen um eine Ehe, die zugleich Hausstand und Weltlauf sein soll. Goethe hat das antike Maß auf deutsche Alltagssprache gelegt und aus der Idylle keine Flucht vor der Geschichte gemacht: Die Revolution steht am Rand des Gedichts und bestimmt, wer ankommt. Nach dem Werther war dies das Lieblingsstück des bürgerlichen Jahrhunderts, beinahe so gefeiert, lange als das vollendetste Werk des Klassikers geführt. Es ist kein Roman in Prosa; wer es als Roman liest, verfehlt den Vers, der die Rede der Apotheker, Pfarrer und Mütter trägt.

Inhalt

Hermann, Sohn des Gastwirts im Goldenen Löwen, fährt mit Leinwand und Schuhen zu dem Zug der Vertriebenen, den die Stadt vom Turm aus gesehen hat. Der Vater tadelt die Weichheit des Sohnes, der lieber hilft als handelt; die Mutter versteht den Jungen und schickt ihn dennoch auf den Weg, der aus der Enge führen soll. Unter den Flüchtlingen sieht Hermann Dorothea, die einen Zug von Wagen lenkt, eine Ochsin führt, für Schwangere und Kinder sorgt und einem Kind die geretteten Güter der Eltern hütet. Sie ist nicht die wehrlose Verfolgte des Mitleidsromans, sondern die Tätige im Unglück. Hermann gibt, was der Wagen fasst, und kehrt verändert heim. Der Apotheker und der Pfarrer werden ausgesandt, Erkundigungen einzuziehen: ob das Mädchen ehrbar sei, ob der Stand zum Stand passe, ob die Flucht nicht auch Zweifelhaftes mitführe.

Die Nachforschungen bestätigen Tüchtigkeit und Herkunft; sie bestätigen auch, dass Dorothea einem Mann versprochen war, der für die Republik stritt und fiel. Hermann, der zuerst nur helfen wollte, wirbt nun um sie, unbeholfen, und missversteht ihre Zurückhaltung als Abwehr. Dorothea denkt an Dienst, nicht an Herrschaft im Haus des Löwen; sie fürchtet, als Magd genommen zu werden, wo Liebe gemeint ist. Im Gespräch der beiden, das Goethe auf den Weg zwischen Lager und Stadt legt, klären sich Stolz und Scham. Der Vater, der den Sohn zur Ausfahrt in die Welt treiben wollte, nimmt die Schwiegertochter auf, weil der Pfarrer die politische Vernunft der Verbindung darlegt: Das Haus braucht eine Frau, die den Ernst der Zeit kennt, nicht nur die Ruhe der Wirtsstube.

Die neun Gesänge – von Kalliope bis Melpomene – führen die kleine Stadt durch einen einzigen Bogen: vom Anblick des Zuges bis zur Trauung im Geist, die das Gedicht als bürgerliche Gründung feiert. Goethe mischt Komik der Typen – den vorsichtigen Apotheker, den redseligen Geistlichen, den eigensinnigen Vater – mit der Würde Dorotheas, die aus der Geschichte kommt und ins Haus geht, ohne die Geschichte abzustreifen. Der Hexameter macht aus Marktgespräch und Wagenrad ein Epos der Nähe. Am Ende steht kein Abenteuer, sondern ein Entschluss: Hermann bleibt, Dorothea bleibt, und der Goldene Löwe nimmt auf, was der Krieg ausgetrieben hat. Die Idylle ist politisch, weil sie die Flüchtende zur Bürgerin macht, ohne ihr das Recht der Herkunft zu nehmen.

Einordnung

Goethe hat nach Italien und nach dem Wilhelm Meister das kleinste Format gewählt, um das größte Thema der neunziger Jahre zu fassen: wie das deutsche Bürgertum die Revolution sieht, ohne sie zu wollen, und wie es sich in der Hilfe eine Form von Größe bewahrt. Schiller begrüßte das Werk; das neunzehnte Jahrhundert lernte es auswendig und machte aus Hermann oft den braven Sohn, aus Dorothea die stille Braut. Der Vers sagt etwas anderes. Dorothea hat den toten Verlobten und die Arbeit am Wagen; Hermann muss erst lernen, dass Werbung nicht Befehl ist. Gegen die Hexameter Johann Heinrich Voß' steht hier eine gesprochene, beinahe prosanahe Antike, die den deutschen Mittelstand trägt.

Die Schule hat das Epos lange als Muster edler Einfalt gelesen. Wer die Gesänge hintereinander hört, merkt die Reibung: der Vater will Expansion, der Sohn Bindung, die Mutter vermittelt, der Pfarrer übersetzt Weltpolitik in Hausrat. Verfilmungen und Bühnenfassungen sind rar geblieben; das Werk lebt als Lese- und Sprechtext. Es gehört neben den Werther und die Lehrjahre als Goethes bürgerlichstes großes Gedicht, nicht als Abfall vom Roman, sondern als Antwort in Versen: Die Zeit der Flüchtlinge verlangt ein Maß, das die Prosa des Handels allein nicht gibt.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.