Ein perfekter Freund

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Martin Suter · 2002 · Roman
Das Werk
Deutscher Titel: Ein perfekter Freund
Autor(en): Martin Suter
Originaltitel: Ein perfekter Freund
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 2002
Schlagwörter: Gedächtnis, Freundschaft, Skandal, Journalismus
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Diogenes


Umfang dieser Ausgabe: 337 Seiten
ISBN: 9783257233780
Verweise
Umschlag

Ein perfekter Freund ist der 2002 bei Diogenes erschienene Roman von Martin Suter. Der Zürcher Journalist Fabio Rossi wacht nach einem Schlag auf den Kopf auf und hat die letzten fünfzig Tage verloren: die Stelle gekündigt, die Freundin verlassen, eine andere Frau an der Seite, den besten Freund in einer Rolle, die nach Verrat aussieht. Suter, zuvor Verfasser einer Zeitungskolumne über das Geschäftsleben, hat aus dem Gedächtnisverlust einen Kriminalroman gemacht, der die Frage umdreht, wer der Täter ist, bis sie den Erzähler selbst trifft. 2003 wurde das Buch Zweiter beim Deutschen Krimipreis.

Inhalt

Fabio liegt in der Neurochirurgie, versteht den Blasenkatheter später als Erinnerung an die Freundin Norina, die ihn wäscht, und muss lernen, dass Norina inzwischen mit Lucas Jäger zusammenlebt, seinem besten Freund. Eine Werberin namens Marlen stellt sich als seine neue Gefährtin vor. Auf Rechner und Taschencomputer fehlen die Dateien der verlorenen Zeit; Fabio wittert Löschung durch Lucas und Marlen, zieht aus, wohnt in einem stickigen Studio. Gerüche bringen erste Inseln der Erinnerung zurück, unter anderem einen Geburtstag. Über eine alte Reportage über Menschen, die sich vor den Zug warfen, stößt er auf Jacqueline Barth: Deren Mann, Laborant, hatte Prionen in einem Schokoladenriegel des Konzerns Lemieux nachgewiesen – Erreger, die bei Tieren den Rinderwahnsinn, beim Menschen die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit auslösen – und sich danach umgebracht. Die Witwe ist reich; Fabio hatte an einem Skandal geschrieben, der die Schweizer Schokolade treffen würde.

Die Unterlagen sind weg. Fabio verdächtigt Lucas, die große Geschichte gestohlen, die Daten gelöscht, vielleicht auch den Schlag geführt zu haben. Lucas wiegelt ab, bleibt der fürsorgliche Freund, der zu vollkommen wirkt. Stück für Stück setzt sich das andere Bild zusammen: Fabio selbst war in den fünfzig Tagen zum Zyniker geworden, hatte sich vom Konzern bestechen lassen, die Geschichte verkauft, Norina verloren, weil er nicht mehr der war, den sie kannte. Lucas hatte versucht, ihn zurückzuholen. Bei einem Streit um Beweismaterial schlug Lucas zu, in Notwehr, wie es heißt. Fabio begreift die eigene Verwandlung, als die Erinnerung geschlossen genug ist, um sich ihrer zu schämen.

Lucas tötet sich. Fabio veröffentlicht den Skandal unter Lucas’ Namen, nimmt das Schweigegeld, fährt mit der Frau in ein italienisches Hotel. Der perfekte Freund ist der Tote, dem man die Autorschaft schenkt, weil der Lebende sich aus der Verantwortung stiehlt. Suter lässt die Moral grau: Aufklärung findet statt, aber der Aufklärer kassiert und verschwindet. Die Sommerhitze, die Bewegungsübung im Park, die Klinik, die Zürcher Redaktion: Das Milieu ist genau, die Mechanik straff. Wer zu früh auf Lucas als Schurken setzt, liest den Roman so, wie Fabio seine Lücken füllt – mit dem bequemsten Feind.

Einordnung

Suter hat mit diesem Band den Schritt vom Kolumnisten zum Erzähler vollendet, den Small World und Die dunkle Seite des Mondes vorbereitet hatten. Der Gedächtnisverlust ist kein Trick allein: Er erlaubt, denselben Mann als Idealisten und als Korrupten zu zeigen, ohne Rückblende im Schulbuchton. Literaturkritik.de nannte den Schluss nihilistisch, weil Rossi Ruhm und Liebe zurückgewinnt, indem er den Freund zur Leiche und zum Autor macht; andere lobten genau diese Unreinheit. Francis Girod verfilmte 2006 den Stoff mit Daniel Auteuil; der französische Film verschiebt Orte, behält die Falle.

Diogenes hält das Taschenbuch. In der Reihe der Schweizer Gesellschaftsromane nach Frisch und Dürrenmatt steht Suter näher am Handwerk der Spannung als an der Parabel; die Schokolade als Gift ist keine Metapher, die man bemühen müsste, sie ist Industrie. Wer nach 2002 über Journalismus und Geld in Zürich sprach, hatte diese fünfzig Tage im Ohr: die Zeit, in der man sich selbst zur Ware macht und es vergisst, bis ein Schlag auf den Kopf die Rechnung aufmacht. Der perfekte Freund ist der, der bleibt, wenn man unausstehlich geworden ist – und den man dafür nicht schont.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.