Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit
| Das Werk | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit |
| Autor(en): | Peter L. Berger, Thomas Luckmann |
| Originaltitel: | The Social Construction of Reality |
| Originalsprache: | englisch |
| Erstveröffentlichung: | 1966 |
| Schlagwörter: | Wissen, Alltag, Institution, Sozialisation |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Soziologie |
| Greifbare Ausgabe | |
| Verlag: | Fischer Taschenbuch
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| Umfang dieser Ausgabe: | 240 Seiten |
| ISBN: | 9783596266234 |
| Verweise | |
Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit ist das 1966 in den Vereinigten Staaten erschienene Hauptwerk von Peter L. Berger und Thomas Luckmann, 1969 von Monika Plessner ins Deutsche gebracht, mit einer Einleitung von Helmuth Plessner. Der Untertitel nennt das Programm: eine Theorie der Wissenssoziologie. Die Autoren erweitern das Fach über Ideengeschichte und Ideologiekritik hinaus auf das Alltagswissen – das Wissen, das der Mensch auf der Straße für selbstverständlich hält. Wirklichkeit definieren sie als Qualität von Phänomenen, die ungeachtet unseres Wollens vorhanden sind; Wissen als die Gewissheit, dass Phänomene wirklich sind und bestimmbare Eigenschaften haben. Das Buch ist eines der Schlüsselwerke des Sozialkonstruktivismus und hat die Soziologie der siebziger und achtziger Jahre umgestellt, ohne selbst eine Schule mit Parteinamen zu gründen.
Inhalt
Berger und Luckmann schreiben gegen die ältere Wissenssoziologie, soweit sie ein Glossarium zur Ideengeschichte geblieben war. Karl Marx’ Satz, das Bewusstsein werde durch das gesellschaftliche Sein bestimmt, Friedrich Nietzsches Kunst des Misstrauens und Wilhelm Diltheys Historismus sind vorausgesetzt, aber der Blick auf Wissenschaft und Weltanschauung allein gilt als verengt. Theoretisches Wissen sei nur ein kleiner und nicht einmal der wichtigste Teil dessen, was in einer Gesellschaft als Wissen umlaufe. Die Leitfrage lautet: Wie wird subjektiv gemeinter Sinn zu objektiver Faktizität? Werkzeuge sind Alfred Schütz’ Lebenswelt, Marx’ frühe Anthropologie, Émile Durkheims Gesellschaftsbegriff, Max Webers Sinn und George Herbert Meads Sozialpsychologie – undogmatisch zusammengefügt, als Teil der empirischen Soziologie, nicht als Grundlagendebatte.
Die Alltagswelt hat eine Wirklichkeitsordnung aus Sprache, Technik, sozialen Beziehungen, einem Hier und Jetzt als Zentrum, Routinen und einer Zeitstruktur. Das Grundmodell der Interaktion ist die Gegenüber-Situation, in der der andere als Subjekt erscheint und Typisierungen noch biegsam sind; mit der Entfernung wächst die Anonymität. Sprache objektiviert, typisiert und erlaubt, die unmittelbare Lage zu überschreiten. Gesellschaft als objektive Wirklichkeit entsteht, weil der weltoffene Mensch sich selbst gesellschaftlich produziert: wiederholte Handlungen sedimentieren zu Institutionen, Rollen repräsentieren die Ordnung, Legitimationen – Mythos, Theologie, Wissenschaft, Therapie, Nichtigmachen – stützen die symbolische Sinnwelt, die alle Institutionen integriert. Verdinglichung heißt, Gesellschaft oder Rolle für natur- oder gottgegeben zu halten. Jede Sinnwelt ist Produkt lebendiger Menschen; abgetrennt von dieser Grundlage hat sie keinen empirischen Status.
Gesellschaft als subjektive Wirklichkeit wird in der Sozialisation internalisiert. Die primäre, meist durch die Eltern, vermittelt Sprache, Normen und den generalisierten Anderen; die sekundäre vermittelt rollenspezifisches Wissen. Routine und die »Konversationsmaschine« alltäglicher Unterhaltung halten die Wirklichkeit fest; radikale Verwandlung gleicht einer Resozialisation. In differenzierten Gesellschaften konkurrieren Wirklichkeiten, die Identität wird relativ, Rollen wechseln. Der Mensch ist biologisch bestimmt, eine Welt zu konstruieren; hat er sie einmal gebaut, wirkt sie auf den Organismus zurück. In dieser Wechselwirkung produziert der Mensch Wirklichkeit und sich selbst. Unsicher bleibt, wie weit die Analyse wertfrei bleiben kann, wenn sie alle Sinnwelten als Konstruktionen behandelt, und wie sie sich zur Wahrheit der Wissenschaften stellt, die sie selbst benutzt. Die Autoren klammern die Geltung aus und untersuchen den Menschen auf der Straße; die Philosophie, sagen sie, dürfe die Anführungszeichen um Wirklichkeit und Wissen wieder streichen.
Einordnung
Kaum ein soziologisches Buch der sechziger Jahre hat Begriffe so fest ins Alltagsdeutsch gesetzt: Konstruktion, Institutionalisierung, Legitimation, Verdinglichung. Der Sozialkonstruktivismus der folgenden Jahrzehnte hat oft den Untertitel vergessen und aus der Theorie eine Floskel gemacht, der zufolge alles nur gemacht und deshalb beliebig sei. Berger und Luckmann behaupten das Gegenteil: Was konstruiert ist, ist gerade dadurch hart, äußerlich, widerständig. Die Religionssoziologie beider Autoren, Luckmanns unsichtbare Religion, Bergers häretischer Imperativ, wächst aus demselben Ansatz.
Die Nachbarschaft ist Marx’ Vorwort zu Zur Kritik der politischen Ökonomie, Durkheims Tatbestand, Webers Sinn und die phänomenologische Soziologie Schütz’. Wer das Buch als Absage an Wahrheit liest, verfehlt die Trennung von soziologischer Beschreibung und philosophischer Geltungsfrage. Wer es nur als Theorie der Ideologie liest, verfehlt den Alltag, in dem das Wissen in Rezepten steckt, nicht in Traktaten. Geblieben ist die Frage, wie Sinn faktisch wird – und die Warnung, Soziologie ohne Geschichte und ohne Sprache sei blind für das, was sie Gesellschaft nennt.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
