Zur Kritik der politischen Ökonomie

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Zur Kritik der politischen Ökonomie
Autor(en): Karl Marx
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Dietz Verlag
Serie: Marx-Engels-Werke 13
Erscheinungsjahr: 1859
Seitenanzahl: 812 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3320023062
ISBN-13/

EAN-Code:

9783320023065
Schlagwörter: Ware, Geld, Basis, Überbau
Sachgebiete: Sachbuch, Gesellschaftstheorie
Rezensionen
Umschlag

Zur Kritik der politischen Ökonomie ist die 1859 bei Franz Duncker in Berlin erschienene Schrift von Karl Marx, die erste ausgearbeitete Form seiner Theorie der kapitalistischen Produktionsweise vor dem Kapital. Marx hatte von August 1858 bis Januar 1859 das erste Heft fertiggestellt; die umfangreichen Vorarbeiten von 1857/58 wurden erst 1939 bis 1941 als Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie bekannt. Eine geplante Einleitung unterdrückte er, weil jede Vorwegnahme unbewiesener Resultate störe und der Leser sich vom Einzelnen zum Allgemeinen entschließen müsse. Im Vorwort steht der Satz, der geflügelt geworden ist: Nicht das Bewusstsein der Menschen bestimme ihr Sein, sondern ihr gesellschaftliches Sein bestimme ihr Bewusstsein. Die Schrift blieb Stückwerk und wurde im Kapital von 1867 umgearbeitet, differenziert und historisch angereichert.

Inhalt

Das Buch ist gegen die bürgerliche Ökonomie geschrieben, soweit sie Verhältnisse zwischen Menschen als Eigenschaften von Dingen behandelt. Marx setzt bei der Ware an, in ihrer Doppelgestalt als Gebrauchswert und Tauschwert, und bei der Arbeit, die konkret nützlich und abstrakt vergleichbar ist. Die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit misst den Wert; das Geld, die Edelmetalle, die Zirkulation und die Akkumulation entfalten, was in der Ware schon steckt. Ein gesellschaftliches Produktionsverhältnis stelle sich als außer den Individuen vorhandener Gegenstand dar, die bestimmten Beziehungen im Produktionsprozess als Eigenschaften eines Dings: Diese Verkehrung sei keine eingebildete, sondern eine prosaisch reelle Mystifikation. Im Geld trete sie nur frappanter hervor als in der Ware. Den Namen Warenfetisch gibt Marx dieser Figur später im Kapital.

Das Vorwort liefert die geschichtsphilosophische Klammer, die oft selbstständiger gelesen wurde als die Wertanalyse. In der Produktion des Lebens gingen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, die Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe der Produktivkräfte entsprächen. Die Gesamtheit dieser Verhältnisse bilde die ökonomische Struktur, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebe und der bestimmte gesellschaftliche Bewusstseinsformen entsprächen. Auf einer gewissen Stufe schlügen die Produktivkräfte in Widerspruch zu den vorhandenen Verhältnissen um; es trete eine Epoche sozialer Revolution ein. Eine Gesellschaftsformation gehe nie unter, bevor alle Produktivkräfte entwickelt seien, für die sie weit genug sei; neue Verhältnisse träten nie an die Stelle, bevor die materiellen Bedingungen im Schoß der alten ausgetragen seien. Damit ist der Gang der Geschichte an Arbeit und Widerspruch gebunden, nicht an Ideen, die vom Himmel fallen.

Unsicher bleibt, wie Basis und Überbau zu lesen sind: als mechanische Ableitung der Politik aus der Wirtschaft oder als Wechselwirkung, in der Denken auf Tätigkeit gründet und auf sie zurückwirkt. Friedrich Engels hat 1859 in einer Rezension und später im Nachwort zum dritten Band des Kapitals eine historische Lesart nahegelegt, der zufolge die einfache Wertform einen vereinzelten Tausch vor dem Kapitalismus abbilde. Dagegen steht die logische Lesart, die Marx in den Veröffentlichungen von 1859 und 1867 eine bereits entwickelte kapitalistische Gesellschaft auf Stufen begrifflicher Abstraktion darstellen sieht – so Isaak Rubin in den zwanziger Jahren und die neue Marx-Lektüre der siebziger. Marx selbst hat Darstellung und Forschung unterschieden und die Einleitung von 1857 zurückgehalten. Das erste Heft endet beim Geld; der Sprung in die Verwandlung von Geld in Kapital bleibt dem Kapital vorbehalten. Die Kritik von 1859 ist deshalb Schwelle, nicht Summe.

Einordnung

Ohne diese Schrift wäre das Kapital schwerer zu datieren: Hier steht die Methode im Vorwort, hier die Ware vor der Fabrik, hier der Satz vom gesellschaftlichen Sein, den die marxistischen Schulen zum Lehrsatz und die Gegner zur Karikatur gemacht haben. Peter L. Berger und Thomas Luckmann haben in Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit genau diesen Satz als Ausgangsvorstellung der Wissenssoziologie genannt und vor der einseitig ökonomischen Verkürzung gewarnt. Lenin hat die Schrift als Vorstufe studiert; die Arbeiterbewegung hat das Vorwort oft ohne die Wertform gelesen, als Geschichtsgesetz ohne Ware.

Die Nachbarschaft ist Hegel, Ricardo, die deutsche Ideologie der vierziger Jahre und das Manifest der Kommunistischen Partei, das 1848 die Revolution aus dem Gang der Produktion begründete, ohne die Kritik der Kategorie schon zu leisten. Wer 1859 nur als Vorwort zum Kapital liest, verfehlt, dass Marx hier noch anders darstellt und dass die Grundrisse daneben ein Labor sind. Wer nur das Vorwort liest, verfehlt die Mühe der Geldtheorie. Geblieben ist die Probe, ob sich Bewusstsein aus dem gesellschaftlichen Sein verstehen lässt, ohne die Politik zur Spiegelung zu machen – eine Probe, an der das zwanzigste Jahrhundert reich gewesen ist.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.