Schlaflose Tage

Jurek Becker · 1978 · Roman


Das Werk
Deutscher Titel: Schlaflose Tage
Autor(en): Jurek Becker
Originaltitel: Schlaflose Tage
Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1978
Schlagwörter: Lehrer, Ehe, Ausreise, Alltag
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Suhrkamp


Umfang dieser Ausgabe: 160 Seiten
ISBN: 9783518371268
Verweise


Schlaflose Tage ist der 1978 bei Suhrkamp erschienene Roman von Jurek Becker. Der Lehrer Karl Simrock spürt nach dem sechsunddreißigsten Geburtstag zum ersten Mal das Herz und beginnt, ein Leben zu bezweifeln, das festgefügt schien. Becker hatte nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns die DDR verlassen; das Buch erschien im Westen. In der DDR, wo Jakob der Lügner hatte erscheinen können, gab es für diesen späteren, leiseren Text keine Heimatadresse.

Inhalt

Simrock unterrichtet an einer Oberschule, gibt weiter, was andere beschlossen haben, und fragt nicht nach Zustimmung. Die Ehe mit Ruth geht ihren alltäglichen Gang. Nach dem Herzstechen kündigt er innerlich: Er verlässt die Frau, tauscht für Wochen den Lehrberuf gegen Arbeit in einer Brotfabrik, fährt mit dem Kollegen Boris die Touren. Boris ist der Gegenpol, der nicht zweifelt und doch Freund ist. Die Rollen, die eingeübt waren, halten nicht mehr.

In einem Lokal trifft Simrock Antonia Gramm. In ihr sieht er, was die Ehe nicht hatte. Die neue Bindung trägt, bis ein gemeinsamer Urlaub in Ungarn die Probe aufs Exempel wird: Antonia versucht, über die Grenze nach Österreich zu gehen, und wird festgenommen. Simrock bleibt der, der gehen wollte, ohne zu fliehen. Stellvertretender Direktor Kabitzke steht für die Schule, die den Lehrer zurückwill, solange er vermittelt, was beschlossen ist.

Am Ende kann Simrock den Lehrberuf nicht mehr ausüben. Die schlaflosen Tage sind keine Insomnie, sie sind der Zustand, in dem das Selbstverständliche nicht mehr trägt. Becker erzählt das ohne Pathos und ohne Fluchtdrama als Hauptstraße: Die Kritik am System sitzt in den Alltagsproblemen, in der Ehe, im Unterricht, im Urlaub, der zur Grenze wird. Ein personaler Erzähler bleibt nah bei Simrock; die Welt der anderen wird durch ihn sichtbar.

Einordnung

Neben Jakob der Lügner, den die DDR als Antifaschismus lesen konnte, ist Schlaflose Tage das Buch, an dem sich die Grenze verschoben hat: nicht das Ghetto, der Lehrer von 1978. Die ARD verfilmte 1982, der DFF 1991; beide Fassungen holen die Krise ins Bild, oft milder als der Text. Im Westen las man den Autor nach der Ausreise als Kronzeugen; das Buch selbst bleibt die Geschichte eines Mannes, der nicht den Staat stürzt, sondern den Beruf nicht mehr glaubt.

Im Essay Ohne Druckgenehmigung steht es als der Fall des späteren Becker, der im Land berühmt war und den leisen Roman draußen lassen musste. Wer nur Jakob kennt, kennt die Lüge, die lebendig hält. Wer Simrock kennt, kennt die Wahrheit, die den Alltag unerträglich macht, ohne ihn zu sprengen.

Essays

Dieses Buch kommt in diesen Essays vor.

Ohne Druckgenehmigung (Wirkungsgeschichte)

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler sind willkommen.

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