Peter Handke, in Griffen in Kärnten geboren, hat der deutschsprachigen Gegenwart zuerst die Bühne zerrissen und danach die Prosa gegeben, in der das Sehen selbst die Handlung ist. Publikumsbeschimpfung macht die Zuschauer zum einzigen Gegenstand des Abends; Wunschloses Unglück erzählt später den Selbstmord der Mutter, ohne Trauerarbeit zu werden.
Leben
Slowenische Mutter, deutscher Vater, Internat, Jura in Graz, die Gruppe 47, der Skandal der Publikumsbeschimpfung. Der Umweg war dieses öffentliche Zerreißen der Bühne, nach dem die leise Prosa erst hörbar wurde. Paris, das Murnau-Haus, Chaville; der Nobelpreis 2019, den der Streit um seine Serbien-Texte überschattete. Er lebt in Frankreich.
Wirkung
Handke hat nach 1966 gezeigt, dass Literatur die Wahrnehmung umbauen kann, nicht nur die Meinung. Die Sprechstücke zerlegten das Theater; die Erzählungen – der Tormann, der kurze Brief, das wunschlose Unglück – zerlegten die Biographie in Blick und Satz. Gegen die Gesinnungsprosa der siebziger Jahre stand hier eine Sprache, die das Banale nicht erhöht und das Unglück nicht erklärt. Die Mutter-Erzählung bleibt das Buch, in dem diese Methode am persönlichsten wird, ohne privat zu werden.
Die Nachwelt hat ihn zum Seher und zum Skandal gemacht, oft in derselben Woche. Wer nur die Preisrede oder nur die Jugoslawien-Texte kennt, hat die Prosa nicht gelesen, in der ein Birnbaum mehr Wahrheit hat als eine These. Neben Thomas Bernhards Ingrimm steht Handke als der andere Österreicher: nicht Vernichtungssatz, sondern Geduld des Schauens. Das Unglück der Mutter ist der Maßstab, nicht der Nobelpreis.
Werke
- Publikumsbeschimpfung (1966)
- Die Angst des Tormanns beim Elfmeter (1970)
- Wunschloses Unglück (1972)
In Auswahl außerdem: Der kurze Brief zum langen Abschied.
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