Die Angst des Tormanns beim Elfmeter

Peter Handke · 1970 · Erzählung


Das Werk
Deutscher Titel: Die Angst des Tormanns beim Elfmeter
Autor(en): Peter Handke


Originalsprache: deutsch
Erstveröffentlichung: 1970
Schlagwörter: Wahrnehmung, Tat, Alltag, Fußball
Sachgebiete: Erzählung
Greifbare Ausgabe
Verlag: Suhrkamp


Umfang dieser Ausgabe: 112 Seiten
ISBN: 9783518467046
Verweise


Die Angst des Tormanns beim Elfmeter ist eine Erzählung von Peter Handke, 1970 bei Suhrkamp erschienen. Ein ehemaliger Tormann, der Monteur Josef Bloch, begeht in Wien eine Tat und treibt danach durch Gasthäuser, Kinos und ein Grenzhotel, während die Wahrnehmung selbst zur Handlung wird. Wim Wenders verfilmte den Stoff 1972; der Titel ist seither ein Satz, den man kennt, ohne das Buch gelesen zu haben.

Inhalt

Bloch wird von der Baustelle geschickt, oder er schickt sich selbst: der Satz bleibt in der Schwebe, wie vieles in dieser Prosa. Er geht ins Kino, in die Bude, zu einer Kassiererin, und erwürgt sie, ohne dass der Text eine Leidenschaft nachliefert, die den Mord erklären würde. Die Tat steht da wie ein Gegenstand unter anderen Gegenständen. Danach fährt Bloch an die südliche Grenze, nimmt ein Zimmer, trinkt, liest Zeitungen, in denen von einer Fahndung die Rede ist, und wartet auf etwas, das nicht kommt. Der Tormann im Titel ist ein Bild, das erst spät eintrifft: wer im Tor steht, muss sich entscheiden, bevor der Ball da ist, und liegt oft falsch, weil er sich entschieden hat.

Handke erzählt nicht innen. Er erzählt, was Bloch sieht und wie die Dinge ihre Namen wechseln: ein Ortsschild, ein Polizist, ein Fußballspiel, das man von weitem hört. Die Angst sitzt nicht in einem Geständnis, sondern in der Reihenfolge der Blicke. Sätze werden wiederholt, bis sie verdächtig werden. Wer Psychologie sucht, findet Inventar. Wer Handlung sucht, findet Wege, Bestellungen, das Aufstehen vom Stuhl. Die Erzählung ist kurz und lässt nichts aus, was der Blick festhält; sie lässt aus, was andere Romane als Motiv einziehen würden.

Gegen Ende bleibt Bloch Zuschauer eines Spiels, bei dem ein Elfmeter fällig wird. Der Tormann zögert, wirft sich, der Ball geht vorbei oder nicht – die Pointe ist nicht das Ergebnis, sondern die Lage: entscheiden müssen, ohne die Welt festzuhalten. Bloch ist kein Detektiv seiner selbst. Er ist ein Mann, dem die Dinge zu nah gekommen sind, nachdem er eine Frau getötet hat, und der nun zusieht, als wäre Zusehen eine Form der Flucht. Die Grenze, das Hotel, das Feld: lauter Schwellen, an denen nichts überquert wird.

Einordnung

Nach der Publikumsbeschimpfung hat Handke die Bühne verlassen und die Wahrnehmung in die Prosa geholt. Die Erzählung steht gegen den Moralkrimi der späten sechziger Jahre und gegen den Roman, der die Tat als Charakter entfaltet. Sie gehört zu den Texten, nach denen der deutschsprachige Satz das Banale nicht mehr erhöhen muss, um ernst zu sein. Wenders’ Film hat die Bilder geliefert; das Buch bleibt kühler, weil es keine Musik unter den Blick legt. Wer Handkes spätere Langsamkeit sucht, findet hier schon die Methode, nur noch ohne Schonung.

Ideen

Dieses Buch hängt an diesen Zetteln.

Alltag (wichtig) · Angst (wichtig) · Wahrnehmung (wichtig)

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.