Jerusalem oder über religiöse Macht und Judentum

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Jerusalem oder über religiöse Macht und Judentum
Autor(en): Moses Mendelssohn
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Meiner
Serie: Philosophische Bibliothek
Erscheinungsjahr: 1783
Seitenanzahl: 192 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3787316922
ISBN-13/

EAN-Code:

9783787316922
Schlagwörter: Gewissen, Judentum, Staat, Toleranz
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Rezensionen
Umschlag

Jerusalem oder über religiöse Macht und Judentum ist die 1783 bei Friedrich Maurer in Berlin erschienene Schrift von Moses Mendelssohn über Gewissensfreiheit und das Verhältnis von Staat, Kirche und Judentum. Sie gilt als Grundtext der jüdischen Aufklärung, der Haskala, und als Beitrag zur Trennung weltlicher Herrschaft von religiösem Zwang. Mendelssohn antwortete auf Angriffe, namentlich auf eine anonyme Aufforderung, das Christentum zu widerlegen oder überzutreten. Im selben Jahr erschien der zweite Teil von Christian Wilhelm von Dohms Denkschrift über die bürgerliche Verbesserung der Juden. Die Meiner-Ausgabe von Michael Albrecht ist die greifbare Studienausgabe.

Inhalt

Mendelssohn schreibt gegen den Zwang zum Glauben, von welcher Kanzel er komme, und gegen die Zumutung, Judentum sei nur als Vorstufe des Christentums zu rechtfertigen. Weder Staat noch Kirche haben das Recht, Überzeugung zu erzwingen. Er setzt sich mit Thomas Hobbes, John Locke und Baruch de Spinoza auseinander und zieht eine eigene Linie: der Staat ordnet Handlungen, die Religion trifft Geist und Herz. Einigen sich Staat und Kirche, so geschieht es selten anders, als dass sie ein drittes moralisches Wesen aus ihrem Reich verbannen: die Freiheit des Gewissens, das edelste Kleinod menschlicher Glückseligkeit. Religion als Religion kennt keine Strafen außer der Buße, die der Reuige sich selbst auferlegt; sie wirkt mit sanftem Stab.

Der zweite Teil wendet die Lehre auf das Judentum. Es beruhe nicht auf geoffenbarten Glaubenssätzen, sondern auf geoffenbarter Gesetzgebung, während die ewigen Wahrheiten der Vernunft allen Menschen zugänglich seien. Damit unterscheidet sich Mendelssohns Bild von christlicher Dogmatik: kein Zwang zum Fürwahrhalten, wohl Bindung an das Gesetz, die Halacha, als geoffenbarten Weg. Toleranz folgt daraus nicht als Weichheit, sondern als Recht jeder Überzeugung, die den Frieden der Handlungen nicht bricht. Mendelssohn fordert religiöse Vielfalt und warnt vor der erzwungenen Glaubenseinheit. Die bürgerliche Gleichstellung der Juden braucht keinen Übertritt; sie braucht einen Staat, der Gewissen nicht verwaltet. Der Ton ist der der Berliner Aufklärung: gemessen, biblisch belesen, ohne den Spott Gotthold Ephraim Lessings in Nathan der Weise, dessen Freundschaft hier philosophisch eingeholt wird.

Unsicher wird die Schrift, wo Gesetzestreue und Gewissensfreiheit aneinandergeraten. Aufgeklärte Juden, die Maskilim, stießen sich an der Betonung der Halacha; die Orthodoxie verwarf die Absage an religiöse Zwangsgewalt. Mendelssohn will beides: das Joch der Gebote und den Staat ohne Glaubensgericht. Gegner haben darin einen Bruch gesehen, der das Judentum zur Vernunftreligion verdünne oder umgekehrt den Zwang nur aus dem Staat in die Gemeinde verschiebe. Er beharrt darauf, dass ewige Wahrheiten nicht offenbart werden müssen, weil Vernunft sie reicht, und dass gerade deshalb das besondere Gesetz Israel nicht überflüssig wird. Die Grenze des Werks ist die der Emanzipationshoffnung: sie denkt den preußischen Staat milder, als die Praxis war.

Einordnung

Die unmittelbare Aufnahme war kühl; nach Mendelssohns Tod stilisierten Heinrich Heine und Heinrich Graetz ihn zum Wegbereiter aus mittelalterlicher Enge. Salomon Maimon und Saul Ascher fürchteten den Untergang durch Anpassung; Moses Schreiber, der Chatam Sofer, verbot die Bücher des Rabbi Moses aus Dessau. Der frühe Zionismus griff den Dessauer als Vater der Assimilation an. Philosophisch wirkte Jerusalem auf fast jede westliche Debatte des neunzehnten Jahrhunderts über Religion im Staat; die französische Verfassung von 1791 nahm den Gedanken eines toleranten Gemeinwesens teilweise auf. Nachbarschaft hat die Schrift zu Spinozas Tractatus theologico-politicus, zu Lockes Zwei Abhandlungen über die Regierung und zu Kants Was ist Aufklärung?.

Das Missverständnis liegt darin, Mendelssohn nur als Assimilationslehrer oder nur als Bewahrer der Gebote zu lesen. Geblieben ist der Satz, dass Gewissensfreiheit das Kleinod ist, das Staat und Kirche gemeinsam opfern, wenn sie sich auf Kosten des Dritten vertragen. Wer über Religionsfreiheit und jüdische Bürgerrechte spricht, spricht hinter diesem Buch oder gegen seine Spannung.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.