Hermokrates
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Hermokrates |
| Autor(en): | Platon |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Reclam |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | |
| Seitenanzahl: | 245 Seiten |
| Originaltitel: | Ἑρμοκράτης |
| Originalsprache: | griechisch |
| ISBN-10: | 3150182859 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783150182857 |
| Schlagwörter: | Trilogie, Staat, Geschichte, Atlantis |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Rezensionen | |
Der Hermokrates ist der geplante dritte Teil einer Trilogie, die Platon an den Timaios und den unvollendeten Kritias anschließen wollte und die er aller Wahrscheinlichkeit nach niemals begonnen hat. Benannt wäre der Dialog nach dem syrakusanischen Feldherrn Hermokrates, der im Peloponnesischen Krieg gegen Athen stand und in den beiden vorliegenden Gesprächen nur knapp zu Wort kommt. Dieselben vier Männer – Sokrates, Timaios von Lokroi, Kritias und Hermokrates – sollten am selben Tag nacheinander reden: erst über den Kosmos, dann über die Frühgeschichte, zuletzt über die späteren Schicksale der Stadt. Die Angaben der Infobox beziehen sich auf die Reclam-Ausgabe des Timaios, in der der Plan überliefert ist. Der Hermokrates ist also kein verlorener Text, sondern ein angekündigtes Werk, das ausblieb.
Inhalt
Platon schreibt hier nicht gegen eine fremde Schule, sondern gegen die Lücke, die seine eigene Staatslehre ließ. Am Vortag hat Sokrates den besten Staat nur als Muster vorgetragen; nun sollen die drei Gastgeber zeigen, wie dieser Staat in der sichtbaren Welt und in der Zeit bestehen könnte. Der Timaios liefert die Natur des Kosmos und des Menschen, der Kritias die mythische Bewährung Ur-Athens gegen Atlantis. Was danach kommen sollte, sagt der Rahmen selbst: Hermokrates wird als letzter Redner angekündigt, und Kritias übergibt ihm das Wort, bevor der zweite Dialog abbricht. Die Trilogie ist ein einziges Gespräch in drei Phasen, kein Zyklus getrennter Bücher. Ohne den dritten Vortrag bleibt die Staatsphilosophie ohne die Probe der näheren Geschichte.
Über den geplanten Stoff gibt es nur Schlüsse aus der Anlage. Nach dem Untergang der älteren Kulturen hätte Hermokrates erzählen sollen, wie die menschliche Gesellschaft von vorn begann und sich bis in eine den Hörern vertraute Gegenwart entwickelte. Eine verbreitete Vermutung legt ihm die athenische Geschichte nach der Katastrophe in den Mund, vielleicht bis in Platons Jahrhundert. Eine andere denkt an die sizilische Expedition der Jahre 415 bis 413, in der der historische Hermokrates die athenische Streitmacht mitzerstörte; das wäre ein Anachronismus, denn die fiktive Szene liegt früher, und ein geehrter Gast aus Syrakus wäre in Athen nach dieser Niederlage kaum denkbar. Francis M. Cornford und Heinz-Günther Nesselrath haben den dritten Teil als Brücke von der mythischen Urgeschichte zur bekannten Polis gelesen. Manche Forscher halten dafür, Platon habe den Stoff später in den Nomoi untergebracht, im dritten Buch, wo nach einer Flutkatastrophe Gesetze und Städte neu entstehen.
Unsicher bleibt, ob Platon den Dialog je schreiben wollte. Diskin Clay und andere haben bezweifelt, dass ein dritter Teil vorgesehen war; die Ankündigungen im Timaios und Kritias seien literarische Spannung, kein Arbeitsplan. Die vorherrschende Meinung hält dagegen an der Trilogie fest und erklärt den Abbruch mit dem Tod des Autors oder mit einem Sinneswandel während der Arbeit am Kritias. Der Ton der beiden vorliegenden Dialoge ist feierlich und vortragsreich, kein Streitgespräch; der dritte hätte denselben Charakter gehabt. Was fehlt, ist gerade die Probe, auf die Sokrates gewartet hat: der beste Staat nicht als Mythos der Vorzeit, sondern als Geschichte einer sterblichen Stadt. Der Hermokrates ist deshalb weniger ein Buch als eine Leerstelle in Platons Spätwerk, an der sich die Forschung abarbeitet.
Einordnung
Im lateinischen Mittelalter spielte der nie geschriebene Dialog keine Rolle; gelesen wurde der Timaios. Die neuere Platonforschung hat den Plan ernst genommen, weil er die Einheit von Naturlehre, Mythos und Staatsphilosophie im Spätwerk sichtbar macht. Nachbarschaft hat der fehlende Text zum Timaios, zum Kritias und zu den Nomoi, die eine ausführbare Ordnung anstelle des Musters aus Der Staat suchen. Das Missverständnis der Unterhaltungsliteratur, den Hermokrates als verlorenen Atlantisschlüssel zu behandeln, hat ein Computerspiel der neunziger Jahre popularisiert; es sagt nichts über Platon.
Geblieben ist die Einsicht, dass Platons Spätwerk eine unvollendete Architektur ist. Wer den Timaios als abgeschlossene Kosmologie nimmt, unterschlägt den angekündigten nächsten Schritt. Wer die Nomoi nur als Alterswerk der Gesetze liest, kann übersehen, dass sie vielleicht den historischen Vortrag nachliefern, den Hermokrates nie gehalten hat. Der Dialog, den es nicht gibt, zwingt die Auslegung, das Vorhandene als Fragment zu lesen.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
