Timaios
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Timaios |
| Autor(en): | Platon |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Reclam |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | |
| Seitenanzahl: | 245 Seiten |
| Originaltitel: | Τίμαιος |
| Originalsprache: | griechisch |
| ISBN-10: | 3150182859 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783150182857 |
| Schlagwörter: | Kosmos, Schöpfer, Seele, Notwendigkeit |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Rezensionen | |
Der Timaios ist ein Spätdialog von Platon, benannt nach dem Hauptredner Timaios von Lokroi. In Athen hören Sokrates, Kritias und Hermokrates einen langen Vortrag über die Entstehung der Welt. Der geplante Dreiklang mit dem unvollendeten Kritias und dem nie geschriebenen Hermokrates blieb Fragment. Von der Antike bis ins zwölfte Jahrhundert war der Timaios das wirkmächtigste Werk Platons im lateinischen Westen, oft das einzige zugängliche. Er verbindet Naturlehre, Mathematik und Mythos zu einem „zutreffenden Bild“, das keine endgültige Physik sein will.
Inhalt
Nach einem Rückblick auf Sokrates’ Staatsideal und nach Kritias’ knapper Atlantis-Erzählung übernimmt Timaios das Wort. Er unterscheidet das stets Seiende, das unverändert erkennbar ist, vom stets Werdenden, über das es nur Meinung gibt. Der Kosmos ist wahrnehmbar, also geworden, also Abbild; sein Muster kann nur ein ewiges Sein sein. Den Grund der Schöpfung nennt Timaios die Güte des Demiurgen: Der Schöpfer ist neidlos und will, dass alles ihm möglichst ähnlich werde. Vorgefunden hat er sichtbare Materie in ungeordneter Bewegung. Aus dem Chaos formt er den bestmöglichen Kosmos, gibt ihm eine Weltseele und macht ihn zum lebendigen, vernünftigen Wesen. Es kann nur ein Universum geben, weil das geistige Vorbild Einheit ist. Feuer und Erde brauchen zwei mittlere Bindeglieder, Luft und Wasser; Proportion fügt den Weltkörper zur Kugel mit der vollkommenen Bewegung der Drehung.
Die Weltseele wird vor dem Leib gemischt aus unteilbarem Sein und teilbarem Werden, aus Selbem und Anderem, nach Zahlenverhältnissen, die an die Musik erinnern. Zeit entsteht mit dem Himmel als bewegliches Abbild der Ewigkeit. Sonne, Mond und die fünf bekannten Planeten laufen auf Bahnen des Anderen, der Fixsternhimmel auf der Bahn des Selben; die Erde steht im Mittelpunkt. Die entstandenen Götter der Sterne leben ewig durch den Willen des Schöpfers. Irdische Lebewesen dürfen sie selbst nicht vollendet schaffen, sonst gäbe es nichts Sterbliches; sie bilden die Körper, während der Demiurg die Seelen mischt. Seelenwanderung knüpft das Schicksal an die Lebensführung: Versagen führt vom Mann zur Frau zum Tier. Timaios besteht darauf, dass alle Seelen gleiche Ausgangsbedingungen hatten. Vernunft und Notwendigkeit – die Sachzwänge des Vorfindlichen – müssen sich arrangieren; der Schöpfer überredet die Notwendigkeit, soweit es geht.
Der Ton ist feierlich, mathematisch, oft dunkel. Sokrates hört zu; der agonale Wettstreit der drei Gastgeber bleibt Skizze. Unsicher ist seit der Antike, ob die Schöpfung als einmaliger Vorgang oder als Bild eines ewigen Zustands zu lesen ist. Die heute vorherrschende Auffassung versteht das Wirken des Demiurgen als beständigen Prozess. Die Rangordnung der Wiedergeburten, die Frauen und Tiere als Strafe setzt, hat die Nachwelt belastet. Atlantis dient hier nur als Brücke zum Kritias. Der Dialog ist Naturphilosophie im Gewand eines Mythos, der seine eigene Unschärfe eingesteht: Über das Gewordene lässt sich nichts schlechthin Wahres sagen.
Einordnung
Im Mittelalter blieb der Timaios, vor allem in der lateinischen Teilübertragung des Calcidius, bis ins zwölfte Jahrhundert das Platonbuch des Westens. Die Schule von Chartres suchte den biblischen Schöpfungsglauben mit diesem Weltbild zu versöhnen. Die Antike hatte bereits über wörtliche und sinnbildliche Lesart gestritten. Nachbarschaft hat der Text zu Der Staat, dessen Ideal am Vortag referiert wird, und zur Kritik der reinen Vernunft nur in der fernen Unterscheidung von Erscheinung und dem, was sich der vollständigen Erkenntnis entzieht. Die mathematische Natur der Elemente – geometrische Körper statt bloßer Stoffe – hat die Geschichte der Physik als Lehrbuch gespeist, lange nachdem die Inhalte überholt waren.
Das Missverständnis liegt darin, den Demiurgen mit dem Schöpfer der Genesis kurzzuschließen oder den Timaios als abgeschlossenes System der Natur zu nehmen. Platon lässt Timaios einen wahrscheinlichen Mythos erzählen, gebunden an Güte und Grenze. Die Atlantis-Geschichte hat populärer gewirkt als die Weltseele; sie gehört streng genommen schon zum nächsten, abgebrochenen Dialog. Geblieben ist die Behauptung, die Welt sei schön, weil ein neidloser Intellekt das Chaos überredet hat – und die Demut, dass unsere Rede über das Gewordene selbst nur Abbild ist.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
