Nomoi
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Nomoi |
| Autor(en): | Platon |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Reclam |
| Serie: | Reclams Universal-Bibliothek |
| Erscheinungsjahr: | |
| Seitenanzahl: | 732 Seiten |
| Originaltitel: | Νόμοι |
| Originalsprache: | griechisch |
| ISBN-10: | 3150193559 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783150193556 |
| Schlagwörter: | Gesetz, Verfassung, Erziehung, Polis |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Philosophie |
| Rezensionen | |
Die Nomoi (Gesetze) sind das umfangreichste Werk Platons, ein Spätdialog ohne Sokrates, entstanden um die Mitte des vierten Jahrhunderts vor Christus. Drei alte Männer – der Kreter Kleinias, der Spartaner Megillos und ein ungenannter Athener – wandern zur Zeit der Sommersonnenwende von Knossos zur idäischen Zeushöhle und entwerfen unterwegs die Verfassung einer neuen Siedlung. Kleinias gehört einem Zehnergremium an, das eine kretische Kolonie vorbereiten soll; der Athener steuert fast alle Gedanken bei. Wo Der Staat die gerechte Stadt als Muster in der Seele baut, suchen die Nomoi die zweitbeste, ausführbare Ordnung, in der die Gesetze die höchste Autorität haben. Das Buch ist Staatslehre, Erziehungslehre und Gesetzbuch in einem, konservativ auf Stabilität gerichtet und in der Neuzeit oft als autoritär gelesen.
Inhalt
Der Dialog ist gegen die Einseitigkeit geschrieben, die Tapferkeit für die ganze Tugend und den Krieg für den Normalzustand der Städte hält. Kleinias und Megillos rühmen kretische und spartanische Gesetze als göttlich und kriegstüchtig; der Athener antwortet, Frieden sei das Bessere, Einsicht der höchste Teil der Tugend, danach Besonnenheit, Gerechtigkeit, zuletzt Tapferkeit. Sparta härte gegen Schmerz, nicht gegen Lust; das Symposion, dort verboten, könne unter Leitung die Selbstbeherrschung üben. Das Marionettengleichnis fasst den Menschen als Wesen, das an Drähten aus Furcht und Zuversicht hängt; der goldene Draht der Vernunft ist schön und schwach, der Gesetzgeber muss ihm helfen. Musik und Tanz sind deshalb keine Unterhaltung, sondern Erziehung der Lust und Unlust, bevor die Vernunft hinzutritt; der Gesetzgeber, nicht die Menge, wählt Melodie und Rhythmus.
Aus der Geschichte zieht der Athener die Lehre der Mischung. Zivilisationen entstehen, blühen, verfallen in Zyklen; nach der Katastrophe leben die Überlebenden ohne Reichtum und ohne Neid. Staaten wachsen, brauchen Gesetzgeber, geraten in Maßlosigkeit. Argos und Messene gingen an ungezügelte Könige zugrunde, Sparta hielt sich durch die Mischung monarchischer und aristokratischer Elemente. Athen und Persien zeigen die Extreme: Zuviel Freiheit, zuviel Alleinherrschaft. Die neue Stadt soll frei, mit sich befreundet und vernünftig gelenkt sein, wirtschaftlich möglichst unabhängig vom Meer, mit Mischverfassung statt Tyrannis, Demokratie, Oligarchie oder reiner Monarchie. 5040 Haushalte, unverkäufliches Landlos, keine konvertible Währung, Besitzgrenzen vom Einfachen bis zum Fünffachen, zwölf Bezirke, Gesetzeswächter, Erziehung als höchstes Amt: Das Privateigentum bleibt, aber sozial gebunden; die radikale Güter- und Familiengemeinschaft des Staats gilt als beste und als unausführbare Lösung.
Im Detail wird das Leben durchreglementiert: Ehepflicht, Erziehung schon im Mutterleib, Schulpflicht für beide Geschlechter, Feste an jedem Tag, Sexualvorschriften nach dem Muster des Inzestverbots, Handwerk den Fremden vorbehalten, Strafrecht mit dem Paradox, dass in einer tugendhaften Stadt Verbrechen eigentlich nicht vorkommen dürften. Der Athener hält am sokratischen Satz fest, niemand tue freiwillig Unrecht, und rettet das Strafrecht, indem er vorsätzliche Schädigung von Unwissenheit und Affekt trennt. Heilbare darf man nicht töten; Unheilbare hinzurichten diene ihnen und der Stadt, weil Schlechtigkeit schlimmer sei als der Tod. Unsicher bleibt, wie viel Zwang die Seele bessert und wie viel sie nur fügsam macht. Der Athener sagt, die Angelegenheiten der Menschen seien nicht großen Ernstes wert, der Mensch sei Spielzeug Gottes – und entwirft gleichwohl das dichteste Gesetzeswerk der antiken Philosophie. Die Tragödiendichter dürfen nur auftreten, wenn ihre Stücke den Staatszielen nicht widersprechen; die Verfassung selbst sei die wahrste Tragödie, Darstellung des schönsten Lebens.
Einordnung
Die Nomoi sind Platons politisches Testament und der Gegenentwurf zur Politeia: nicht Philosophenkönige, sondern Gesetze, die die Herrschenden binden; nicht Abschaffung der Familie, sondern ihre Zucht; nicht das beste, sondern das haltbare Zweite. Aristoteles hat in der Nikomachische Ethik und in der Politik die Tugend in die Übung des Bürgers geholt und Platons spätes Gesetzbuch als empirische Staatslehre ernst genommen, wo er den Staat als Abgehobenheit tadelte. Die Neuzeit hat vor allem den Zwang gelesen: Erziehung mit Strafe, Kontrolle der Lieder, Todesstrafe für Unheilbare, der Staat als Moralunternehmer. Das Mandat, Bürger auch gegen ihren Willen tugendhaft zu machen, erregt Befremden und bleibt der Skandal des Textes.
Zugleich sind die Nomoi das antike Lehrstück der Mischverfassung, das Polybios und Cicero fortgeschrieben haben, und eine Theologie des Maßes: Die Gottheit, nicht der Mensch, ist Maß aller Dinge. Wer sie nur als Rücknahme des Staats liest, übersieht, dass der Athener die Gütergemeinschaft weiterhin für vollkommener hält und nur für unausführbar. Wer sie nur als Handbuch einer Kolonie liest, übersieht die Cosmologie des zehnten Buches, die den Atheismus widerlegt, weil ohne Götter die Gesetze den Grund verlieren. Geblieben ist die Frage, die schon der Kriton stellte und die hier zur Staatsgründung wird: was Gesetze dürfen, wenn sie die Seele bilden sollen, ohne sie zu brechen.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
