Geschichte des Fräuleins von Sternheim
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Geschichte des Fräuleins von Sternheim |
| Autor(en): | Sophie von La Roche |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Reclam |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1771 |
| Seitenanzahl: | 400 Seiten |
| Originaltitel: | Geschichte des Fräuleins von Sternheim |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 3150079349 |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783150079348 |
| Schlagwörter: | Tugend, Briefe, Hof, Empfindsamkeit |
| Sachgebiete: | Roman |
| Rezensionen | |
Geschichte des Fräuleins von Sternheim ist der Briefroman von Sophie von La Roche, 1771 in zwei Teilen bei Weidmanns Erben und Reich in Leipzig erschienen, herausgegeben und mit einer Vorrede versehen von Christoph Martin Wieland. Er gilt als der erste deutschsprachige Roman einer Frau, der ein großes Publikum fand, und als Gründungstext des empfindsamen Frauenromans. Die tugendhafte Sophie von Sternheim gerät vom Land an den Hof, wird betrogen, nennt sich Madam Leidens und findet spät eine Ehe, die der Roman als Lohn der Haltung erzählt. Wieland etikettierte das Buch als Lektüre für Frauen; gelesen haben es beide Geschlechter, darunter der junge Goethe.
Inhalt
Briefe und „Originalpapiere“ erzählen zuerst die Ehe der Eltern: Der geadelte Oberst Sternheim heiratet trotz Standesdifferenz, die Mutter stirbt früh, die Tochter Sophie wächst auf dem Gut in pietistischer Strenge und Bildung auf. Mit neunzehn verwaist, muss sie zur Tante, der Gräfin Löbau, in die Residenzstadt. Der Onkel will sie dem Fürsten als Mätresse zuführen, um Einfluss zu gewinnen; Sophie soll Putz und Tanz lernen statt der Lektüre, die ihr Halt war. Am Hof begegnen ihr zwei Engländer: Lord Seymour, der sie achtet und aus Eifersucht falsch deutet, und Lord Derby, der die Tugend spielt, um sie zu besitzen. Ein Maskenfest, ein missverstandener Pfarrer, die Intrige der Tante: Seymour wendet sich ab. Sophie sieht im scheinbar gewandelten Derby den Ausweg vor dem Fürsten und willigt in eine heimliche Trauung ein. Der Geistliche ist Derbys Diener; die Ehe ist Schein.
Derby verlässt sie, als die Schwermut ihn langweilt und ihre fortdauernde Neigung zu Seymour sichtbar wird. Sophie nennt sich Madam Leidens, unterrichtet Mädchen in einer Gesindeschule und hält am Gebot der Tugend fest, das sie gerade in die Täuschung geführt hat. In Spa lernt sie Lady Summers kennen, folgt ihr nach England, begegnet Lord Rich, Seymours Bruder. Derby, inzwischen standesgemäß verheiratet, lässt Sophie entführen, weil ihre Gegenwart seine neue Ordnung stört, und schafft sie zu Köhlern ins Gebirge. Sie pflegt dort sein uneheliches Kind. Als sie eine zweite Ehe mit ihm verweigert, soll sie sterben; die Köhlerfamilie täuscht ihren Tod vor, um sie zu retten. Der kranke Derby gesteht den Brüdern den Ort; Seymour findet Sophie lebend, heiratet sie, ein Sohn wird geboren. Der Roman endet mit häuslicher Tugend, nicht mit dem Hof.
Die Briefform lässt dieselben Begebenheiten aus mehreren Federn erscheinen: Sophie an die Freundin Emilia, Seymour, Derby, später andere. Der Leser durchschaut Derby früher als die Heldin; genau darin liegt die Lehre, die La Roche nicht als Traktat, sondern als Täuschungsanfälligkeit der Guten erzählt. Sophie tanzt, liest, gibt Almosen, durchschaut den Hof zu spät, weil sie Handlungen für Charakter nimmt. Wielands Fußnoten mahnen manchmal, wo die Heldin nach seiner Ansicht zu selbständig fühlt; der Text ist stärker als diese Hüterstimme.
Einordnung
La Roche hat den englischen Briefroman – Richardson vor allem – ins Deutsche geholt und die Heldin nicht nur prüfen, sondern auch irren lassen. Tugend schützt nicht vor dem Schein; gerade die Empfindsame wird betrogen, weil sie Güte erwartet. Das Buch begründete eine Leserschaft von Frauen des Bürgertums und einen Gattungsnamen, den Wielands Vorrede festschrieb, so nützlich und so einengend er war. Goethe hat die Sternheim gerühmt, ehe er andere Frauenbilder schrieb; die Empfindsamkeit der siebziger Jahre ist ohne diesen Band ärmer.
Reclam hält den Text als Studienausgabe; er ist kanonisch und trotzdem weniger gelesen als die Männerromane derselben Jahrzehnte. Die „weibliche Utopie“ des Schlusses – Haus, Kind, nützliches Tun fern des Hofes – ist Trost und Grenze: Autonomie im Rahmen der Ehe, die Derby verweigerte und Seymour gewährt. Wer nach La Roche über den Frauenroman der Aufklärung spricht, spricht hinter diesem Fräulein, das Madam Leidens werden musste, um Sophie zu bleiben. Der Hof bleibt das System, die Briefe bleiben das Mittel, es zu überleben.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
