Die wahrhaftige Geschichte von der Wiederkehr des Martin Guerre

Natalie Zemon Davis · 1983 · Sachbuch, Geschichte
Geschichte
Das Werk
Deutscher Titel: Die wahrhaftige Geschichte von der Wiederkehr des Martin Guerre
Autor(en): Natalie Zemon Davis
Originaltitel: The Return of Martin Guerre
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 1983
Schlagwörter: Mikrogeschichte, Identität, Bauern, Gericht
Sachgebiete: Sachbuch, Geschichte
Greifbare Ausgabe
Verlag: Wagenbach
Serie: Wagenbachs andere Taschenbücher
Umfang dieser Ausgabe: 192 Seiten
ISBN: 9783803124982
Verweise


Die wahrhaftige Geschichte von der Wiederkehr des Martin Guerre ist die 1983 erschienene Untersuchung von Natalie Zemon Davis über einen Betrug im Languedoc des 16. Jahrhunderts: Ein Mann kommt heim, den das Dorf, die Verwandtschaft und die Ehefrau für den Verschollenen halten – bis der echte Martin Guerre auftaucht. Davis hat den Fall als Beraterin des Films mit Gérard Depardieu mitgeformt und dann gegen die Vereinfachung des Films das Buch gesetzt. Deutsch zuerst bei Piper, später bei Wagenbach.

Inhalt

Martin Guerre, Bauer in Artigat, geht 1548 fort, ohne Wort. Acht Jahre später erscheint Arnaud du Tilh, kennt Geschichten, nimmt das Bett, das Land, den Namen. Bertrande de Rols, die Frau, erkennt ihn an – oder spielt mit, weil ein Ehemann, der bleibt und Kinder zeugt, mehr Halt gibt als die Wahrheit eines Abwesenden. Das Dorf spielt mit, solange der Frieden des Hofes hält. Der Streit um Erbschaft bringt den Fall vor Gericht; Jean de Coras, der Richter in Toulouse, schreibt den Bericht, aus dem Davis arbeitet. Dann tritt der wahre Martin auf, einbeinig aus dem Krieg, und die Täuschung bricht. Arnaud wird gehängt. Bertrande überlebt in einer Zweideutigkeit, die das Gericht nicht auflöst.

Davis fragt nicht, wer »wirklich« wen belog, als wäre Identität ein Kern hinter der Maske. Sie fragt, was ein Dorf im 16. Jahrhundert für hinreichende Ähnlichkeit hielt: Stimme, Narbe, Wissen um Felder und Verwandte, Beischlaf, das Einverständnis der Frau. Reformation, Schriftlichkeit, das neue Interesse der Justiz an innerer Wahrheit: all das macht den Betrug erst zum Fall, der Akten hinterlässt. Die Mikrogeschichte gilt dem Großen im Kleinen – Eigentum, Ehe, Ehre, die Macht, eine Person zu sein, indem andere sie dafür nehmen. Davis liest Coras gegen den Strich und füllt mit dem, was eine Historikerin des 16. Jahrhunderts über Bauern, Recht und Glauben wissen kann, die Lücken, die keine Quelle schließt.

Unsicher ist genau diese Füllung. Robert Finlay hat Davis vorgeworfen, Bertrande eine moderne Wahlfreiheit zu leihen; Davis hat geantwortet, ohne Quellen keine Geschichte, ohne historische Vorstellungskraft nur der Bericht des Richters. Der Streit gehört zum Buch. Es bleibt die meisterhafte Probe, einen einzigen Fall so zu erzählen, dass daraus eine Gesellschaft lesbar wird, ohne ihn zur Allegorie zu blähen. Wer nur den Kriminalfall will, bekommt ihn; wer nur Theorie der Identität will, bekommt Bauern, die pflügen. Die »wahrhaftige Geschichte« im Titel ist ein Echo der alten Rechtfertigung: wahrhaftig, weil belegt – und wahrhaftig, weil sie zugibt, wo sie errät.

Einordnung

Zusammen mit der italienischen Mikrogeschichte hat dieses schmale Buch die Zunft gelehrt, dass ein Dorf den Staat erklären kann, wenn man es ernst nimmt. Es steht neben Hills Die Welt steht kopf als Geschichte der kleinen Leute, aber gerichtsfest und ohne Revolution. Die Wirkung reicht ins Kino und ins Seminar. Wer Alltagsgeschichte nur als Anekdote kennt, trifft hier die Methode, die aus einem Prozess eine Epoche macht.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.