Die hungrige Straße

Ben Okri · 1991 · Roman


Das Werk
Deutscher Titel: Die hungrige Straße
Autor(en): Ben Okri
Originaltitel: The Famished Road
Originalsprache: englisch
Erstveröffentlichung: 1991
Schlagwörter: Lagos, Geisterkind, Armut, Unabhängigkeit
Sachgebiete: Roman
Greifbare Ausgabe
Verlag: Diogenes


Umfang dieser Ausgabe: 608 Seiten
ISBN: 9783257227536
Verweise


Die hungrige Straße ist der 1991 erschienene Roman von Ben Okri, im Original The Famished Road. Azaro, ein abiku, ein Geisterkind, das immer wieder stirbt und geboren wird, beschließt, bei den lebenden Eltern in einem nigerianischen Viertel zu bleiben, und wird von den Geistern gezerrt, die ihn zurückwollen. Der Booker-Preis hat das Buch zum Weltnamen gemacht; die deutsche Übersetzung von Adelheid Dormagen erschien bei Diogenes. Okri, in Minna geboren, schreibt ein Englisch, das die Yoruba-Vorstellung der wiederkehrenden Kinder nicht als Schmuck führt, sondern als Wahrnehmung einer Armut, die ohne Geister nicht zu ertragen wäre.

Inhalt

Azaro sieht mehr, als die Erwachsenen zugeben: Wesen im Wald, Kunden in der Bar der Madame Koto, die sich verwandeln, Politiker, die Milch und Gift verteilen, bevor die Unabhängigkeit da ist. Der Vater, ein Lastträger, boxt gegen Schulden und Demütigung; die Mutter handelt vom Stand. Die hungrige Straße ist der Weg, der alles verschlingt – Menschen, Versprechen, die Kinder, die nicht bleiben. Azaro bleibt, und das Bleiben ist Arbeit gegen den Sog. Okri wiederholt Szenen, bis der Rhythmus selbst zur Drohung wird: wieder die Bar, wieder die Schläger der Partei, wieder der Vater, der sich prügeln lässt und prügeln will.

Madame Koto wächst mit der Politik, die Bar wird mächtig, der Geistbesitz dunkler. Die Partei der Armen und die Partei der Reichen holen dasselbe Viertel. Azaro gerät zwischen die Welten, wird entführt, kehrt, isst, hungert. Der Photograph, der die Armen abbildet, verschwindet. Der Roman hat wenig Fabel im Sinne eines Ziels. Er hat Intensität: Gerüche, Schläge, Wunder, die keine Erlösung sind. Die Unabhängigkeit kommt als Fest und als neue Gier. Azaro merkt, dass Bleiben heißt, die Eltern nicht den Geistern zu überlassen.

Am Ende steht kein Sieg über die hungrige Straße. Der Vater hat einen Kampf gewonnen und bleibt arm; Azaro hat sich für das Leben entschieden und bleibt ein Kind, das zu viel sieht. Okri schließt mit einer Vision, die Hoffnung nicht als Programm gibt, sondern als Trotz. Wer eine ethnographische Fibel der abiku sucht, wird von der Länge erschöpft. Wer nur den magischen Überschuss rühmt, unterschlägt den Lastträger. Die Straße hungert weiter; das ist die politische Aussage, die das Buch nicht als These voranstellt.

Einordnung

Okri hat den nigerianischen Roman der Unabhängigkeit ins Geisterkind verschoben: nicht die Parteigeschichte, sondern die Wahrnehmung dessen, der nicht ganz hier ist. Neben Amos Tutuolas Totenstadt und Wole Soyinkas Ritualpflicht steht Azaro als das Kind der Metropole, das denselben Stoff in Lagos austrägt. Der Booker hat das Buch manchmal zur Marke des Wunderbaren gemacht; es ist ärmer und härter als die Marke. Wer nach 1991 über Nigeria, Armut und Wiederkehr spricht, spricht hinter der hungrigen Straße. Die Fortsetzungen haben denselben Kosmos gedehnt; der erste Band trägt die Kraft.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.