Die Zerstörung der Vernunft

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Daten zum Buch
Deutscher Titel: Die Zerstörung der Vernunft
Autor(en): Georg Lukács
Herausgeber:
Erscheinungsort:
Verlag: Aisthesis
Serie:
Erscheinungsjahr: 1954
Seitenanzahl: 750 Seiten
Originaltitel: -
Originalsprache: deutsch
ISBN-10: 3849818403
ISBN-13/

EAN-Code:

9783849818401
Schlagwörter: Irrationalismus, Vernunft, Faschismus, Dialektik
Sachgebiete: Sachbuch, Philosophie
Rezensionen
Umschlag

Die Zerstörung der Vernunft ist das 1954 im Aufbau-Verlag erschienene Werk des marxistischen Philosophen Georg Lukács; 1955 trat der Untertitel Der Weg des Irrationalismus von Schelling zu Hitler hinzu. Lukács liest die deutsche bürgerliche Philosophie nach Hegel als reaktionäre Antwort auf den Klassenkampf und zieht eine Linie vom späten Schelling über Schopenhauer, Kierkegaard, Nietzsche und die Lebensphilosophie bis in den Nationalsozialismus. Vorstufen entstanden 1933 in Moskau und 1942 in Taschkent. Das Buch wurde in der DDR zum Handbuch der Kritik bürgerlicher Ideologie und gilt vielen als Tiefpunkt seines Werks. Die späteren Werkausgaben haben den polemischen Block erhalten.

Inhalt

Lukács schreibt gegen den Irrationalismus, den er an fünf Merkmalen festmacht: Herabsetzung von Verstand und Vernunft, kritiklose Verherrlichung der Intuition, aristokratische Erkenntnistheorie, Ablehnung des gesellschaftlich-geschichtlichen Fortschritts, Schaffung von Mythen. Ausgangspunkt ist Hegels Begriff der universalen Vernunft; die höchste Stufe bürgerlicher Philosophie sei dessen Dialektik gewesen. Wer nach Hegel die Möglichkeit der Erkenntnis beschränkt, statt in der Nachfolge des dialektischen Materialismus weiterzuerkennen, fällt hinter das Erreichbare zurück. Individualismus gilt als irrational, weil er den objektiven Geist verfehlt. Der Klassenkampf erklärt, warum das Bürgertum nach 1848 die Vernunft nicht mehr tragen wollte: was Fortschritt gewesen war, wurde zur Drohung.

Die Linie führt vom Spätwerk Schellings über Arthur Schopenhauer, Søren Kierkegaard und Friedrich Nietzsche zur Lebensphilosophie und in die politische Wirksamkeit des Faschismus. Auch die junge Soziologie sei denselben Weg gegangen: der liberale Rationalismus Max Webers weiche den metaphysisch-theologischen Entwürfen Carl Schmitts und Othmar Spanns. Irrationalismus heißt hier nicht bloß Unklarheit, sondern eine gesellschaftliche Funktion: die Herrschaft unkenntlich und den Fortschritt verächtlich zu machen. Schelling, Schopenhauer und Nietzsche werden nicht als Einzeldenker gerecht, sondern als Stationen einer Zerstörung. Hitler erscheint als Ende dieses Weges, nicht als Betriebsunfall. Der Marxismus, und nur er, bewahrt die Vernunft, die Hegel noch bürgerlich gefasst hatte.

Unsicher wird das Buch, wo jede Nichtübereinstimmung mit dem dialektischen Materialismus als Schritt nach Hitler zählt. Theodor W. Adorno spottete, am deutlichsten zeige der Band die Zerstörung von Lukács’ eigener Vernunft. Das Historische Wörterbuch der Philosophie nannte den Irrationalismusbegriff pauschal und polemisch. Lukács selbst geriet nach 1956, nach der Beteiligung an der Regierung Nagy, unter Revisionsverdacht, während dasselbe Buch in der DDR-Philosophie kanonisch blieb. Die Entstehungsgeschichte – Streichung des Teils über den Sozialfaschismus der SPD zwischen 1933 und 1942 – zeigt die Linientreue. Der Ton ist der der Anklage, gelehrt und unerbittlich, ohne den glänzenden frühen Stil von Geschichte und Klassenbewusstsein.

Einordnung

Kaum ein Werk Lukács’ hat so gespalten. Reinhard Kühnl las es als zutreffende Genealogie des Faschismus und als Strategie gegen Kriegsgefahr; westliche Marxisten und die kritische Theorie wiesen die Gleichsetzung von Kierkegaard, Nietzsche und Hitler zurück. Es steht nach Hegel und gegen die Lebensphilosophie, neben Geschichte und Klassenbewusstsein als dessen stalinistisch gewordene Umkehrung: dort noch die Hoffnung auf das Klassenbewusstsein, hier die Vernunft als Parteilehre. Also sprach Zarathustra und die Geburt der Tragödie werden zu Belastungszeugen. In der DDR avancierten die Seiten zum Lehrbuch der Disziplin Geschichte und Kritik der bürgerlichen Ideologie.

Geblieben ist die Warnung, dass die Herabsetzung der Vernunft politisch nicht unschuldig ist – und die Warnung vor einer Vernunft, die jede Abweichung zum Verrat macht. Wer nach 1954 über Irrationalismus, Nietzsche und den geistigen Weg in den Faschismus spricht, spricht hinter diesem Buch oder gegen es. Die Aisthesis-Werkausgabe hält den Block bereit, ohne den Streit zu schlichten. Die Linie von Schelling zu Hitler bleibt eine These, keine ausgemachte Geschichte.

Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.