Geschichte und Klassenbewusstsein
| Daten zum Buch | |
|---|---|
| Deutscher Titel: | Geschichte und Klassenbewusstsein |
| Autor(en): | Georg Lukács |
| Herausgeber: | |
| Erscheinungsort: | |
| Verlag: | Aisthesis |
| Serie: | |
| Erscheinungsjahr: | 1923 |
| Seitenanzahl: | 376 Seiten |
| Originaltitel: | - |
| Originalsprache: | deutsch |
| ISBN-10: | 389528999X |
| ISBN-13/
EAN-Code: |
9783895289996 |
| Schlagwörter: | Verdinglichung, Klasse, Dialektik, Bewusstsein |
| Sachgebiete: | Sachbuch, Gesellschaftstheorie |
| Rezensionen | |
Geschichte und Klassenbewusstsein. Studien über marxistische Dialektik ist die 1923 im Malik-Verlag erschienene Essaysammlung von Georg Lukács. Sie gilt als Grundlagenwerk des westlichen Marxismus und hat die Kritische Theorie, namentlich Theodor W. Adorno und Jürgen Habermas, tief geprägt. Lukács war 1919 stellvertretender Volkskommissar der Ungarischen Räterepublik gewesen; die Aufsätze zur Organisation reflektieren diese Erfahrung. Den längsten und wirkmächtigsten Essay, Die Verdinglichung und das Bewusstsein des Proletariats, schreibt er unter dem Einfluss von Max Weber und von Marx’ Warenkapitel.
Inhalt
Lukács schreibt gegen den Marxismus der Zweiten Internationale, der ihm als ökonomischer Fatalismus und als naturwissenschaftliche Methode erschien, und gegen die bürgerliche Philosophie, die die Widersprüche der Moderne nicht zur Praxis treibt. Orthodoxer Marxismus heißt hier nicht Treue zu Thesen, sondern zur dialektischen Methode. Klassenbewusstsein ist nicht die Summe der Meinungen der Arbeiter, sondern die zugerechnete Kenntnis der objektiven Lage, die das Proletariat als Subjekt-Objekt der Geschichte einnehmen kann. Rosa Luxemburg steht als Gewährsfrau und, im Aufsatz über die russische Revolution, als Gegenstimme, der Lukács widerspricht. Legalität und Illegalität, Organisation, der Funktionswechsel des historischen Materialismus: die Sammlung ist Strategie und Erkenntnistheorie in einem.
Der Verdinglichungsessay ist das Herz. Aus Marx’ Fetischkapitel im Kapital entwickelt Lukács eine Theorie der Gegenstandsform: wo der Warentausch die Reproduktion beherrscht, gelten nur noch zählbare, instrumentell nutzbare Eigenschaften. Gesellschaftliche Verhältnisse erscheinen als Eigenschaften von Dingen. Lukács knüpft Webers formale Rationalisierung an diese Warenform: die Zerlegung der Arbeit in quantifizierbare Schritte macht den Arbeiter zum Mittel und die Ware zum Tauschding. Die neuzeitliche Philosophie von Kant bis Hegel wiederholt den Widerspruch von Form und Inhalt, Einzelnem und System; Kant gibt dem Formalen den klarsten Ausdruck, Hegel entdeckt die Geschichtlichkeit und verfehlt das Subjekt, indem er den Weltgeist einsetzt. Das Subjekt der Geschichte, das die Widersprüche aufheben kann, ist das Proletariat. Im dritten Teil des Essays wird es durch seine Lage über die Unmittelbarkeit zur Philosophie getrieben und löst die Widersprüche praktisch in der Revolution.
Genau dort wird das Buch angreifbar, auch für Leser, die die Verdinglichungsdiagnose teilen. Dass die Widersprüche nur praktisch lösbar sind, das Subjekt dieser Praxis aber schon vorher von der Theorie bestimmt werden kann, ist die interne Schwierigkeit. Lukács hat das Werk ab den dreißiger Jahren selbstkritisch distanziert, Neuauflagen nach 1945 lange verweigert und 1967 ein Vorwort geschrieben, das korrigiert und doch festhält. Die hegelsche Geschichtsphilosophie des Schlusskapitels erscheint als Überschuss; die Analyse der Ware als Form bleibt. Der Ton der Essays ist dicht, schulmäßig in der Begrifflichkeit, von der Ungeduld der Rätezeit. Wer nur das Proletariat als Erlösung liest, hat das Plakat; wer nur die Verdinglichung nimmt, hat das Stück, das die Soziologie behalten hat.
Einordnung
Kaum ein marxistisches Buch nach Marx hat die Philosophie so sehr umgestellt. Neben der früheren Theorie des Romans steht Geschichte und Klassenbewusstsein als der Sprung: aus der transzendentalen Obdachlosigkeit in die Klasse als Subjekt. Die Frankfurter Schule nahm die Verdinglichung und misstraute der Zuweisung an das Proletariat; Adornos Dialektik der Aufklärung treibt die Diagnose ohne Siegesgewissheit weiter. Die sowjetische Orthodoxie verdammte den Band als Idealismus; Lukács’ spätere Selbstkritik hat die Rezeption in Ost und West verwirrt, nicht beendet.
Die Aisthesis-Ausgabe und das Faksimile des Handexemplars zeigen einen Autor, der am eigenen Text weiterstrich. Wer nach 1923 über Ware, Rationalisierung und das Bewusstsein einer Klasse spricht, spricht hinter diesem Buch. Geblieben ist die Härte der Verdinglichung – und die Frage, welches Subjekt sie noch aufheben könnte, wenn das Proletariat der Rätezeit nicht kam.
Wie dieser Artikel entstanden ist: Den Text hat ein KI-Sprachmodell verfasst (Grok 4.6, xAI). Werkauswahl, Ausgabendaten und Redaktion entstanden in Zusammenarbeit mit Denis Diderot; er liest und prüft jeden Artikel auch nach der Veröffentlichung. Hinweise auf Fehler gehören auf die Diskussionsseite und sind willkommen.
